Der „Jahrmarkt anno dazumal“ im Freilichtmuseum Kommern hat seine Tore geöffnet. Diesmal stehen historische Fahrgeschäfte im Mittelpunkt.
Jahrmarkt anno dazumalFreilichtmuseum Kommern ist wieder Treffpunkt für Gaukler und Artisten

Die Fahrzeuge des Selbstfahrers stammen aus den 60er- und 70er-Jahren und wurden von Schausteller Richard Müller restauriert.
Copyright: Thorsten Wirtz
„Der Autoscooter ist ein Stück meiner DNA“, sagt Schausteller Richard Müller: „Ich bin mit so einem Geschäft aufgewachsen, und es war ein Lebenstraum, einmal selbst solch einen Autoscooter zu besitzen.“ Im Jahr 2009 ging dieser Traum in Erfüllung. „Ich habe damals diesen historischen Scooter Baujahr 1950 gefunden, den ich ein Jahr lang restauriert habe“, so der aus einer Schausteller-Dynastie stammende Essener. Erstmals seit mehr als zehn Jahren sind Müller und sein Team nun wieder beim historischen Jahrmarkt im Kommerner Freilichtmuseum zu Gast.
Müller, der auch einen modernen Autoscooter betreibt, hat seinem historischen Geschäft den altbekannten Namen „Der Selbstfahrer“ gegeben. Diese Fahrgeschäfte haben eine lange Tradition: Bereits 1919 kamen sie in den USA unter dem Namen „Dodge'em“ auf, und auch in Deutschland begeisterten sie schon in den 1920er-Jahren das Publikum.
Der Aufbau des „Selbstfahrers“ ist reine Handarbeit
Der Begriff „Autoscooter“ setzte sich erst später durch und leitet sich von „Automatic Scooter“ ab – ein Hinweis auf die damals innovative Technik, bei der die Fahrzeuge nach Chipeinwurf automatisch in Bewegung gesetzt wurden. Der in Kommern präsentierte Selbstfahrer ist ein sogenannter Holzpfostenscooter der 1950er-Jahre.
Charakteristisch sind die zahlreichen, das Dach tragenden Holzpfosten, die dem Fahrgeschäft seinen Namen geben. Anders als moderne Anlagen, die sich mit wenigen Säulen und hydraulischer Technik aufbauen lassen, wurde diese historische Variante vollständig von Hand errichtet.

Erstmals seit mehr als zehn Jahren ist „Der Selbstfahrer“ von 1950 wieder beim historischen Jahrmarkt in Kommern zu Gast.
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Schausteller Richard Müller hat sich mit dem historischen Autoscooter einen Kindheitstraum erfüllt.
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Erinnerungen an die eigene Kindheit oder Jugend ruft der „Selbstfahrer“ am Eröffnungstag des diesjährigen „Jahrmarkts anno dazumal“ auch bei den ersten Gästen hervor. „Bemerkenswert ist, dass er fast noch schneller abgeht als moderne Autos“, sagt ein Vater, der gerade eine Runde mit seinem Sohn gedreht hat. Auch nebenan geht es rasant zu: Die Raupenbahn feiert in diesem Jahr sogar einen runden Geburtstag: Vor genau 100 Jahren wurde sie gebaut, und sie ist auch schon seit vielen Jahren regelmäßig in Kommern in Aktion zu erleben.
„Marktplatz Rheinland“ wird zum Kirmesplatz der Nachkriegszeit
„Wir haben in diesem Jahr den Marktplatz Rheinland in einen richtigen Kirmesplatz der Nachkriegszeit verwandelt“, freut sich Museumsleiter Dr. Carsten Vorwig über das von Veranstaltungs-Chef Daniel Manner erarbeitete Konzept: „Zusätzlich haben dort das Riesenrad, die Geisterbahn und die Veranstaltungsbühne ihren Platz.“

Wahrsagerin Felicitas hat während des Jahrmarkts in einem ausgedienten Schäferwagen Quartier bezogen.
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Am Eröffnungstag zogen die Artisten witterungsbedingt mit ihrer „Arena der Sensationen“ allerdings in den Ausstellungspavillon um. Monsieur Chapeau zeigte dort seine atemberaubende Balancekunst auf Koffern und anderen Gegenständen, und Monsieur Jeton begeisterte mit seiner Jonglage-Show. Die Jahrmarktsattraktionen der Kaiserzeit haben ihren Platz wieder in der historischen Baugruppe Westerwald. Dort darf natürlich auch ein Quacksalber nicht fehlen: Als reisender Apotheker ist „Dr. Siegmund Seltenreich“ mit seinem Handkarren voller selbst gebrauter Tinkturen für alle möglichen Zipperlein zum Jahrmarkt gekommen.
In einem alten Schäferwagen hat unterdessen Wahrsagerin Felicitas Quartier bezogen, um interessierten Besuchern die Karten zu legen und auf Wunsch einen Blick in die Zukunft zu werfen. „Ich sage den Leuten, was ich in den Karten sehe“, so die Kölnerin, die betont, dass sie ihr Gewerbe ernst nimmt: „Die Karten sind mein Werkzeug. Wenn keine Energie fließt, sage ich eben nichts – dann erzähle ich aber auch keinen Spökes.“
Am Donnerstag ist Familientag mit reduzierten Preisen
Der historische Jahrmarkt öffnet noch bis einschließlich Sonntag, 12. April, im LVR-Freilichtmuseum Kommern seine Pforten. Täglich (außer an Karfreitag) dürfen sich kleine und große Museumsbesucher in der Zeit zwischen 10 und 18 Uhr auf einen Streifzug durch die Geschichte des Volksvergnügens freuen.
Ein besonderer Programmpunkt ist der Familientag am Donnerstag, 2. April. An diesem Tag entfällt der Veranstaltungszuschlag in Höhe von zwei Euro, der für Erwachsene zum normalen Museumseintritt erhoben wird. Am Familientag gelten zudem reduzierte Preise an Fahrgeschäften und Verpflegungsständen.

Slapstick und Mitmach-Programme für die ganze Familie haben Frau Fou Fou und ihr unglaublich fauler Partner Herr Biçi im Angebot.
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Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben an allen Tagen freien Eintritt. Chips für Fahrgeschäfte und Karten für einzelne Shows können vor Ort nur bar bezahlt werden.
Am Karfreitag, 3. April, bleibt der Jahrmarkt geschlossen. Das Museum ist an diesem Tag geöffnet und lädt Kinder zum traditionellen Ostereierfärben ein.
Für das leibliche Wohl ist gesorgt. Neben der museumseigenen Gastwirtschaft „Zur Post“, der Gaststätte Watteler und dem Bäckerwagen gegenüber dem Tanzsaal gibt es zahlreiche Gastrostände. Auch der Förderverein des Freilichtmuseums ist wieder mit verschiedenen Angeboten vor Ort. Mehr Infos zu Programm, Preisen und Anreise gibt es auf der Website des LVR-Freilichtmuseums Kommern.

