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Katholische KircheDas „Aschenkreuz to go“ im Schleidener Tal ist etabliert

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Astrid Sistig zeichnet ein Aschenkreuz auf die Stirn von Monika Hahn.

Das Aschenkreuz ließ Monika Hahn sich von Astrid Sistig auf die Stirn zeichnen.

Der Pastorale Raum Schleiden-Hellenthal machte das Angebot vor drei Läden. Für die Asche wurden alte Palmzweige und Luftschlangen verbrannt.

Für viele Karnevalsjecken gehört es zu Aschermittwoch und zum Abschluss der tollen Tage wie der Nubbel, der traditionell am Dienstagabend in Rauch aufgeht: das Aschenkreuz, das ein sichtbares Zeichen für den Übergang vom Karneval zur vorösterlichen Fastenzeit darstellt. Ausgeteilt wird es in den Gottesdiensten, die am Aschermittwoch in vielen Kirchen stattfinden – aber nicht nur dort. Im Pastoralen Raum Schleiden-Hellenthal kommt die Kirche auch zu den Leuten.

Bereits im dritten Jahr wurde das „Aschenkreuz to go“ an diesem Aschermittwoch angeboten. Die Idee, die sich Pfarrer Michael Krosch hatte einfallen lassen, war anfangs ein Experiment, hat sich aber durchgesetzt und gehört nach der Kölner Redensart „Einmal haben wir es ausprobiert, zweimal ist Tradition und dreimal Brauchtum“ bereits fest zum Repertoire des Kirchenlebens im Schleidener Tal dazu.

An drei Stellen im Schleidener Tal wurde das Aschenkreuz verteilt

Drei Anlaufstellen standen den Menschen, für die es dazugehört, nach den tollen Tagen zur inneren Einkehr zu finden, in diesem Jahr zur Verfügung. Nachdem Dagmar Goffart und Astrid Sistig, beide Gemeindereferentinnen im Pastoralteam Hellenthal-Schleiden ihren Tisch mit dem Kreuz und den Schälchen mit der Asche morgens am Rewe in Gemünd aufgebaut hatten, wechselten sie um die Mittagszeit vor die Bäckerei Jenniches in Hellenthal. Am Nachmittag standen sie dann vor dem Rewe in Schleiden.

Lange Wartezeiten hatten sie nicht. „Es ist ein permanenter Strom von Menschen, die zu uns kommen“, sagte Goffart. Um die Asche herzustellen, hatten sich die beiden etwas Besonderes einfallen lassen. „Wir haben nicht nur die Palmzweige vom vergangenen Jahr, sondern auch Luftschlangen aus dem Karneval mit verbrannt“, sagte Sistig.

Pfarrer Thomas Schlütter, Dagmar Goffart (l.) und Astrid Sistig stehen an einem Stehtisch, auf dem ein Kreuz und eine Blume stehen und Luftschlangen sowie Flyer liegen.

Pfarrer Thomas Schlütter besuchte Dagmar Goffart (l.) und Astrid Sistig an ihrem Stand.

„Aschermittwoch ist ein Ende, aber auch ein Anfang“, erklärte Goffart. Es sei ein Zeichen der Umkehr. „In der Fastenzeit kann ich schauen, was mich ausmacht, und genau hinsehen, wie ich im Glauben unterwegs bin“, sagte sie. „Asche wird in den südlichen Ländern immer noch als Dünger gebraucht“, ergänzte Sistig. Während in der Karnevalszeit schon mal den Mächtigen der Spiegel vorgehalten werde, sei es nun möglich, selbst einmal in den Spiegel zu schauen und sich zu sehen.

Gezielt kamen Ute Stirnemann-Junker und Victoria Junker zu den beiden Gemeindereferentinnen, um sich das Aschenkreuz auf die Stirn zeichnen zu lassen. „Ich habe es heute morgen zur Messe nicht geschafft“, sagte Stirnemann-Junker. Sie finde es toll, dass das angeboten werde, denn die Zeiten der Messe seien oft schwierig. „Jetzt muss ich nicht den Berg in Reifferscheid hoch zur Kirche“, freute sich eine ältere Frau, als sie ihr Aschenkreuz erhalten hatte.

Kritik an der Institution Kirche und Lob für die Aktion

„Das Aschenkreuz ist mir schon wichtig“, sagte Monika Hahn. Dabei habe sie in diesem Jahr keinen Karneval gefeiert, weil sie arbeiten musste. Sie sei aus Sinzig in ihrem Geburtsort Hellenthal zu Besuch, sagte sie. „Ich finde das eine tolle Idee, denn den Gottesdienst habe ich wohl heute morgen verschlafen“, sagte sie lachend. „Die Menschen haben das Angebot super angenommen“, freute sich Goffart über den Zuspruch.

Oft gebe es die Möglichkeit, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. „Dann erzählen sie, was sie im Augenblick bewegt“, sagte sie. In Gemünd seien ab dem Moment, als sie den Tisch aufgestellt hätten, die Menschen gekommen. „Es ist hier auch keine Dienstleistung, die wir erbringen, sondern ein Angebot“, betonte sie.

„Wir haben sehr tiefe und intensive Gespräche mit den Menschen geführt“, so Sistig. Es seien auch kritische Stimmen geäußert worden, dass die Menschen Bauchschmerzen mit der Institution Kirche hätten, aber ihnen trotzdem der Glauben wichtig sei. So nah kämen sie den Menschen sonst selten.

Bevor sie ihre Enkelin von der Schule abholte, kam auch Martina Steffens mit ihrem Mann zu den beiden Frauen. „Das Mädchen hat in der Schule das Aschenkreuz bekommen. Wie soll man denn dem Kind erklären, das Opa und Oma keines haben?“, sagte Martina Steffens.

Auch eine junge Frau aus dem Hellenthaler Höhengebiet, die sich vor der Bäckerei das Aschenkreuz geben ließ, begrüßte das Angebot. „Das denkt Kirche neu“, sagte sie. Das Aschenkreuz sei auch ein Zeichen, darüber nachzudenken, auf was in der Fastenzeit verzichtet werden könne. „Es ist ein Break nach den Karnevalstagen, um zu schauen, was einem gut tut und auf was man verzichten kann.“