Vergleichsweise kurz war der Rosenmontagszug in Euskirchen. Prinzessin Colette I. war danach zwar geschafft, aber sehr glücklich.
RosenmontagszugIn Euskirchen brauchte man Zwiebellook und Regencapes

Jeck GPT, KI gleich Karnevalsintelligenz? Bei den Jecken Höhnern brannte kein Kabel durch.
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„Ich freue mich wie Bolle, dem heutigen Tag habe ich absolut entgegengefiebert“, sagte Prinzessin Colette I. (Leber) am Rosenmontag, kurz bevor sie den Prunkwagen bestieg, der sich einreihte in den Umzug durch die Kreisstadt. Die ersten anderthalb Stunden, die der Zug lief, blieb es trocken, erst später wurde es ungemütlicher, was die Stimmung am Wegesrand und im Zug aber nicht weiter trübte. Getreu dem Motto „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung“ vertrauten die Jecken auf Zwiebellook und Regencapes. Und besonders Clevere hatten einfach den Gartenpavillon mitgebracht und machten es sich darunter gemütlich.
Wäre der Zoch ein Wettbewerb, dann hätte die rund 30-köpfige Fußgruppe „Jecke Höhner“ auch in diesem den ersten Preis hochverdient. Seit 1994 laufen sie in Euskirchen mit, jedes Mal mit neuen fantastischen Kostümideen. „Jeck GPT – Et wit jetz mit KI jefiert“ lautete das Motto für die Session. In der Umsetzung wurde eine Menge Elektroschrott zu Hüten, Perücken, Masken und in Kleidungsstücke verwandelt. Platinen, Computermäuse, Glasfaserkabel und Schrauben mischten sich mit kleinen Botschaften wie „Error 404 – Ernsthaftigkeit not found“ ab und brachten die Zuschauer zum Staunen und Lachen.
63 Gruppen gingen mit, und die Zahl war ordentlich gepimpt
63 Gruppen reihten sich aneinander. Im Vergleich zu anderen Jahren also ein eher kleiner Rosenmontagszug in Euskirchen. Und dabei hatten die städtischen Karnevalsvereine die Gesamtzahl der Gruppen regelrecht gepimpt: Allein die Prinzengarde zählte neun Gruppen, die Narrenzunft fünf, Alt Oeskerche drei. Woran der Schwund liegt? Zum Teil gewiss an den hohen Sicherheitsstandards und den gestiegenen Kosten.
Ein Umstand, der die Kinder am Straßenrand nicht die Bohne interessierte. Alles, was sie wollten, waren Kamelle, und davon reichlich. Schon nach kurzer Zeit mussten Eltern Zweit- oder Drittbeutel ausgeben. Auffallend viele Kids hatten sich in Superhelden-Kostüme gehüllt. Im besten Fall ein Hinweis dafür, dass die Kleinsten daran arbeiten, die Welt zu einer besseren zu machen.
Kateryna aus der Ukraine ging als menschliche Discokugel
Eine echt ausgefallene Maskerade präsentierte Zugbesucherin Kateryna, die sich mit unzähligen Spiegelplättchen in eine Art menschliche Discokugel verwandelt hatte. Eineinhalb Stunden habe sie für das Make-up gebraucht, so die 22-Jährige aus der Ukraine. So etwas Verrücktes wie Karneval gebe es in ihrer alten Heimat nicht: „Mich macht es sehr glücklich, hier dabei zu sein.“ Ein Stück weiter thronten auf eigens mitgebrachten Stühlen rund 700 Jahre pure Lebensfreude: „Wir sind die Sonntagsrentnerinnen, keine von uns ist jünger als 80“, erklärte eine der gut gelaunten Damen, die sich jeden Sonntag zum Kaffeeklatsch in der City treffen. Von ihren Logenplätzen aus genossen sie die Sicht auf die vorbeiflanierenden Zuggruppen. Auch manch ein Schokolädchen und Strüßjer landeten bei den jecken Ladys.

Pinke Pudel – im Zoch der Kreisstadt ging es auch recht tierisch zu. Euskirchen Wau-Wau, Euskirchen Alaaf.
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Mit 63 Gruppen fiel der Zoch in Euskirchen etwas kleiner aus, dennoch waren wieder wahre Massen unterwegs.
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Hübsch anzusehen war auch die pinke Pudel-Gang, eine Freundinnengruppe rund um Petra Schmitz, die bereits seit 30 Jahren im Euskirchener Zoch mitgeht. „Wir sind immer als Tiere unterwegs, als Zebras, Feuervögel, Giraffen – wir haben schon eine Menge Tiere durch“, sagte Pudeldame Nicole.
Emil-Fischer-Gymnasium und Thomas-Eßer-Berufskolleg am Start
Auch zwei Schulen aus dem Stadtgebiet hatten sich eingereiht in den Zoch. „Für uns ist das heute der Auftakt zu unserem Jubiläumsjahr“, freute sich Barbara Scholz, Lehrerin am Emil-Fischer-Gymnasium, das dieses Jahr sein 175-jähriges Bestehen feiert. Die Emilianer hatten sich mit Umhängetafeln geschmückt, auf denen unter anderem Matheformeln und Vokabeln zu lesen waren. „Im Juni gibt's dann ein großes Schulfest und ein Ehemaligentreffen“, verriet Scholz.
Zum ersten Mal am Start war das Thomas-Eßer-Berufskolleg. „Diesmal nur mit Teilnehmenden aus dem Kollegium. Wir wollten es erstmal testen“, erklärte Schulleiterin Carolin Holzhüter. Dass sich die Gruppe die Baustelle in der Schule zum Thema machte, lag auf der Hand. „Schull hück, Baustell morje“ titelte ein Plakat, zudem hatten sich die mit Bauhelmen und Westen Kostümierten Zitate aus dem rheinischen Grundgesetz angeheftet. Wat wellste maache? Oder: Wat fott es, es fott! Wenn das TEB im nächsten Jahr tatsächlich seine Schülerschaft für den Euskirchener Rosenmontagszug mobilisiert, könnte daraus eine bemerkenswert große Gruppe werden: Das Berufskolleg zählt immerhin 2100 Schülerinnen und Schüler.
Prinzessin Colette, die ihre im Endspurt befindliche Session als „superanstrengend, aber auch supergeil geil“ bezeichnete, schaufelte die Kamelle mit vollem Körpereinsatz vom Tollitätenwagen in die jubelnde Menge. Dass dies so kräftezehrend sei, habe ihr vorher keiner erzählt, so die Regentin erschöpft und glücklich zugleich. Die Wetterkapriolen am Rosenmontag hatte Colette nach eigener Aussage auch mit Telleraufessen und Kerzchenanzünden in der Kirche nicht abwenden können. Sie nahm's gelassen. Nur die zwei Stunden, die sie am Morgen beim Friseur zugebracht habe, hätte sie sich komplett sparen können, sagte sie.

