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Nach der PleiteWie es den einstigen Mitarbeitern von Fasana in Stotzheim heute geht

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Das Luftbild zeigt das Fasana-Werk in Euskirchen-Stotzheim, das im November geschlossen wurde.

Das Fasana-Werk beendete im November die Serviettenproduktion.

Nach mehr als 100 Jahren wurde der Traditionsbetrieb in Euskirchen-Stotzheim geschlossen. 261 Mitarbeiter waren von der Insolvenz betroffen.

Früher war es hier derart laut, dass man kaum sein eigenes Wort verstand. Jetzt herrschte eine gespenstische Ruhe. Die große Halle war fast menschenleer. Heike Hohberg kamen die Tränen, als sie die wenigen Kollegen sah, die noch an ihrem Arbeitsplatz ausharrten.

So schildert die 49-Jährige ihren letzten Rundgang durch das Fasana-Werk in Stotzheim. Sie war gekommen, um Abschied zu nehmen von der Firma, bei der sie knapp ein Vierteljahrhundert beschäftigt war. Zum 1. November hatte die Firma sie freigestellt.

Der Hacker-Angriff im Mai, der Insolvenzantrag im Juni, das Ende der Serviettenproduktion am 7. November und damit das Aus für alle Hoffnungen, es könne vielleicht doch noch weitergehen: Die 2025er-Krise war die mit Abstand schlimmste in der weit mehr als 100-jährigen Geschichte der Fabrik. Sie mündete schließlich in der Schließung des Traditionsbetriebs, der in seinen besten Zeiten unter dem Gründungsnamen Halstrick an die 1000 Beschäftigte hatte.

Am letzten Arbeitstag bei Fasana in Stotzheim flossen die Tränen

Auch Nicole Hendrikx weinte, als ihr letzter Arbeitstag in Stotzheim gekommen war. „Ich habe nur geheult.“ Heike Hohberg und sie erzählen im Gespräch mit der Redaktion von ihrer langen Zeit in dem Betrieb, der zwischenzeitlich auch Metsä Tissue und keeeper tableware hieß. Und sie berichten, wie es ihnen nach dem Verlust ihrer Stelle ging.

Nicole Hendrikx hatte am 1. Juli 2000 bei Metsä mit einem Zeitarbeitsvertrag begonnen, der nach einem halben Jahr in eine Festanstellung mündete. Zuletzt war sie stellvertretende Leiterin der Abteilungen Customer Service und Logistics.

Zwei Frauen sitzen nebeneinander auf einer Bank in einem Café. An der Wand steht eine Gitarre als Dekoration.

Erzählen von ihrer Zeit bei der Firma Fasana in Stotzheim und ihren neuen Arbeitsstellen: Nicole Hendrikx (l.) und Heike Hohberg.

Das Bild zeigt den Eingangsbereich und das verschlossene Tor des Fasana-Werks in Euskirchen-Stotzheim, das im November geschlossen wurde.

Nach 100 Jahren ist der Traditionsbetrieb geschlossen.

Die 60-Jährige ist eine Belgierin, die in Deutschland aufwuchs. Sie beherrscht fünf Sprachen, neben Niederländisch und Deutsch auch Französisch, Englisch und Italienisch. „Bei Fasana habe ich die ausländischen Kunden betreut. Die waren immer froh, wenn sie in ihrer Muttersprache mit mir telefonieren konnten.“ So ist es auch jetzt, bei ihrem neuen Arbeitgeber, Marston-Domsel in Zülpich, einem Klebstoffhersteller. Dort ist sie ebenfalls im Customer Service, also im Vertrieb tätig.

Ein ehemaliger Marston-Mitarbeiter, der zu Fasana gewechselt war, habe sie gefragt, ob sie vielleicht nach Zülpich wechseln wolle, erzählt Nicole Hendrikx. Als sie sich in dem Betrieb vorstellte, dauerte es gerade einmal eine Stunde, bis sie den Zuschlag erhielt. Zum Jahresbeginn begann sie mit ihrem neuen Job, nachdem Fasana sie für den Dezember freigestellt hatte, „damit ich einmal Luft holen konnte“.

261 Mitarbeiter waren von der Fasana-Pleite betroffen

„Wer weiß, wo ich sonst eine gleichwertige Stelle bekommen hätte? Und ich bin wieder nahe an meinem Wohnort. Das ist wie ein Sechser im Lotto“, sagt die Euenheimerin, der es bei Marston-Domsel hervorragend gefällt: „Die Leute sind alle sympathisch.“

Sie weiß von einer Reihe anderer Ex-Kollegen, die eine neue Stelle gefunden haben, aber auch von solchen, die noch suchen. Einen kompletten Überblick hat niemand. Nach Hendrikx' Angaben sind alles in allem 261 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von der Fasana-Pleite betroffen. Viele hätten sich schon im Herbst bei anderen Unternehmen beworben.

Oft habe ich Arbeit mit nach Hause genommen, damit wir die Deadline einhalten konnten. Wenn dann alles pünktlich für einen Auftrag fertig war, war das ein gutes Gefühl.
Heike Hohberg

Heike Hohberg, die in Königswinter zu Hause ist, hatte am 1. Juli 2001 als Junior-Designerin bei Metsä Tissue begonnen. Die Servietten-Motive wurden damals noch mit der Hand gezeichnet. Zwischenzeitlich leitete sie die Design-Abteilung, ehe sie in der Repro die Motive digital für den Druck aufbereitete. Nach einem weiteren Umbruch wurde sie in der Personaleinsatzplanung eingesetzt. „Zum Schluss war ich dann gleichzeitig auch wieder in der Repro“, erzählt sie.

Als klar war, dass die Fasana-Schließung unabwendbar war, liefen die Abteilungen nach und nach aus. Heike Hohberg erhielt ein Angebot von einem anderen Serviettenhersteller. „Die Branche ist mir aber zu riskant geworden. Und ich wollte nach 24 Jahren etwas anderes sehen.“ Seit dem 1. Februar arbeitet sie in Sankt August in der Disposition der KSK-Real Estate Management, einer Tochter der Kreissparkasse Köln, wo sie sich in ihrem Kollegenkreis nach eigenem Bekunden auf Anhieb wohlfühlte.

Die Mitarbeiter haben gekämpft, aber am Ende vergeblich

„Bei Fasana waren wir auch ein zusammengewachsenes Team. Es ist sehr traurig, dass das alles zu Ende ist“, sagt Heike Hohberg. Sie berichtet aber auch von stressigen Zeiten: „Oft habe ich Arbeit mit nach Hause genommen, damit wir die Deadline einhalten konnten. Wenn dann alles pünktlich für einen Auftrag fertig war, war das ein gutes Gefühl.“

Die Loyalität zum Arbeitgeber war auch in schlechten Zeiten stark ausgeprägt. Viele Kolleginnen und Kollegen hätten nicht nur oft auf die Mittagspause verzichtet und regelmäßig Überstunden gemacht, auch samstags, sondern auch mehrere Jahre lang „auf viel Geld verzichtet, auf Urlaubsgeld, auf Weihnachtsgeld, auf Teile des Gehalts“, sagt Nicole Hendrikx. „Jede und jeder Einzelne hat für die Firma gekämpft“, fügt Heike Hohberg hinzu. Am Ende war der Kampf vergebens.

Wie es mit dem großen Fasana-Areal an der Adolf-Halstrick-Straße in Stotzheim weitergeht, ist ungewiss. Der Insolvenzverwalter und der Immobilieneigentümer ließen Fragen dieser Redaktion unbeantwortet.

Nicole Hendrikx erzählte, dass einige ihrer Ex-Kollegen aus der Buchhaltung noch bis Ende März für Fasana tätig gewesen seien, allerdings im Homeoffice. Danach war sie vorbei, die lange Zeit erfolgreiche Geschichte des Traditionsunternehmens.