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Impro-Show„Springmäuse“unterhielten Publikum im Euskirchener Stadttheater erstklassig

3 min
Die Akteure der Springmaus bewegen auf der Bühne die Arme von Menschen aus dem Publikum wie die von Marionetten.

Immer wieder durfte sich auch das Publikum aktiv am Geschehen auf der Bühne beteiligen.

Ob als Pollenallergiker, Bienen oder Stichwortgeber: Das Publikum wurde wieder direkt mit in das Improvisationstheater eingebunden. 

Die meisten Theatergruppen pflegen kurz vor ihren Auftritten liebgewonnene Rituale, bevor sie vor ihr Publikum treten. Ein kleiner Schnaps, um die Nerven zu beruhigen, oder kurze, mutmachende Ansprachen gegen die aufkommende Nervosität sind keine Seltenheit. Auch das Aufwärmen von Stimme und Muskeln gehört insbesondere bei artistischeren Auftritten zum Alltag.

Letzteres schienen die Akteure des Bonner Improvisationstheaters „Springmaus“ bei ihrem Besuch im Euskirchener Stadttheater am Samstagabend direkt auf die Bühne verlagert zu haben. Gut gelaunt sprang und tanzte das Quartett hin und her und erfüllte damit zeitgleich den Effekt, auch die Zuschauer im ausverkauften Saal zum Mitmachen zu animieren.

Fragebogen zum Ausfüllen spielten eine wichtige Rolle

Auf Zuruf schlüpften diese in die Rollen von Pollenallergikern oder durch die Lüfte fliegenden Bienen mit entsprechender Geräuschkulisse und waren somit von der ersten Minute an dem spaßigen Geschehen auf der Bühne beteiligt.

Tatsächlich trugen die Theaterbesucher schon vor dem Öffnen des Vorhangs zum Ablauf des Abends bei. Kaum hatten sie ihre Eintrittskarten abgegeben, erhielten sie im Gegenzug einen kleinen Fragebogen. Dieser verlangte kurze Informationen über das liebste Urlaubsziel oder hielt Aufgaben bereit. Beispielsweise einen begonnenen Satz auf möglichst kreative Art und Weise zu beenden. Dabei handelte es sich keineswegs um eine Beschäftigungstherapie, um die Gäste bis zum Beginn des Programms bei Laune zu halten, sondern um die Grundlage für die Sketche, die die Improvisationskünstler kurz darauf zum Besten gaben.

Ein Blick auf die niedergeschriebenen Stichworte genügte und innerhalb von wenigen Sekunden strickten Norbert Frieling, Christina Stephan und Markus Fiege eine dazu passende Geschichte. So fanden sich Akteure und Besucher plötzlich am Strand in Griechenland wieder, und schon im nächsten Augenblick wurde sich lauthals über die fehlende Luxusausstattung im Inneren eines Krokodils beschwert, das die unglücklichen Touristen kurzerhand verspeist hatte. Begleitet von Paul Hombach am Klavier, wurden einige Sketche auch als Musikstück vorgetragen.

Trotz wild wechselnder Szenerien gab es einen roten Faden

Da das Springmaus-Quartett mit der Improvisation anscheinend noch immer nicht ausgelastet war, setzte es sich selbst regelmäßig zusätzliche Hürden. Der ausgedachte Hollywoodfilm „Western Spaghetti“ bekam dabei eine zweite Tonspur verliehen, und auf Zuruf wechselten die Schauspieler zwischen der deutschen Sprache und einem grob an den spanischen Wortschatz erinnerndes Kauderwelsch.

Innerhalb eines Wimpernschlages machten dadurch auch die dargestellten Charaktere eine Wandlung durch und verwandelten sich von mexikanischen Revolverhelden in überambitionierte Mitglieder der Virnicher Schützenbruderschaft.

Auch das Publikum wurde dabei immer wieder in das Geschehen einbezogen und wirkte zwischenzeitlich sogar als Puppen mit, die die „Springmäuse“ auf der Bühne hin und her bewegten.

Zwischen Streicheleinheiten für das hungrige Krokodil und einem Beichtstuhl inmitten einer Psychiatrie verschlug es die Zuschauer im Stadttheater und die Schauspieler von einer skurrilen Situation in die nächste. Trotz dieser scheinbaren Willkür gelang es dem Bonner Ensemble immer wieder, bereits erlebte Szenen aufzugreifen und somit dem herrlich chaotischen Humor dennoch einen roten Faden zu verleihen, der das Publikum durch einen spaßigen Theaterabend begleitete.