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VerdienstkreuzInge Lemke aus Weilerswist engagiert sich für Geflüchtete

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Landrat Markus Ramers (l.) und Inge Lemke sthen hinter einemRednerpult. Sie hält eine Mappe in der Hand.

Mit dem Bundesverdienstkreuz wurde Inge Lemke ausgezeichnet. Landrat Markus Ramers überreichte den Orden.

Inge Lemke aus Weilerswist ist mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt worden. Sie organisiert seit viele Jahren Sprachkurse für Geflüchtete.

Sie hat gehandelt, als andere noch überlegten, was zu tun sei. Hat Verantwortung übernommen, als die anderen noch zögerten. Inge Lemke ist eine Frau der Tat, bis heute, auch mit 86 Jahren noch. Ihr Engagement für Geflüchtete und Zugewanderte ist jetzt mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland gewürdigt worden. In einer Feierstunde im Kreishaus überreichte Landrat Markus Ramers ihr die Auszeichnung.

Viele Weggefährten aus der evangelischen Kirchengemeinde und aus der Flüchtlingshilfe waren gekommen, um Inge Lemke zu gratulieren, darunter auch Menschen, die vor vielen Jahren von dem Sprachunterricht profitiert haben, den die Frau aus Weilerswist organisiert hat. Begonnen hat alles in den 90er-Jahren. Menschen aus Osteuropa flüchteten vor dem Kosovo-Krieg. Inge Lemke kümmerte sich vor allem darum, dass Kinder und Jugendliche und deren Mütter Unterkunft fanden. Markus Ramers sagte: „Sie wussten schon damals, dass Flucht kein neues Phänomen unserer Zeit ist, sondern zur Menschheitsgeschichte gehört.“

Da habe ich gelernt, dass es keine Unterschiede gibt außer der Sprache.
Inge Lemke

Berührungsängste mit den Menschen aus der Fremde kennt Inge Lemke nicht. Sie sei jahrelang Sales Managerin gewesen, erzählt die gelernte Industrie- und Bankkauffrau, habe international gearbeitet: „Da habe ich gelernt, dass es keine Unterschiede gibt außer der Sprache.“ Und sie habe gelernt, diplomatisch vorzugehen, um Dinge durchzusetzen. Ein Talent, von dem unzählige Menschen profitiert haben. Die Sprachförderung hat ihr immer besonders am Herzen gelegen, vor allem die für Frauen.

Frauen und Kinder liegen Inge Lemke besonders am Herzen

Sie habe Lernangebote organisiert, lange bevor es zertifizierte Kurse gab, berichtete Ramers. Besondere Aufmerksamkeit richtete Lemke auf ältere Frauen aus muslimisch geprägten Ländern, motivierte viele, die bisher weder lesen noch schreiben konnten, die Herausforderung anzunehmen und zu lernen. Die Frauen hatten oft nur abends Zeit, wenn die Arbeit für die Familie erledigt war. Dass die Unterrichtgruppen trotzdem gut besucht waren, zeigte, dass dennoch Bedarf und auch Bereitschaft herrschten.

Sprache lernen ist der erste und wichtigste Schritt zur Integration. Doch Inge Lemke ging es nicht nur um Vokabeln und Grammatik. Sie wollte auch Orientierung im Alltag bieten, Wissen über demokratische Grundwerte und Sicherheit im Umgang mit Behörden vermitteln. Und vor allem Räume schaffen, in denen Geflüchteten Ruhe und Geborgenheit erleben konnten.

Die Liebe zum Menschen treibt die Ordensträgerin an

Seit 2015 gilt ihr Engagement in hohem Maße der Flüchtlingsinitiative in Weilerswist. Sie initiierte Sprachcafés und begleitete viele der meist aus Syrien Geflüchteten über eine lange Zeit auf ihrem Weg in ein geregeltes Leben in der neuen Heimat. „Erfahrung, Empathie und eine klare Haltung“ bescheinigte ihr Landrat Ramers.

Was treibt eine Frau an, die seit mehr als 30 Jahren so viel Zeit und Kraft für andere einsetzt. Inge Lemkes Antwort ist schlicht: „Die Liebe zu den Menschen. Und die Religion.“ Sie erklärt es mit einem Spruch zunächst auf Englisch: Let all what you do be done in Love – tu alles was du tust aus Liebe. Seit den 90er-Jahren engagiert sie sich auch in der evangelischen Kirchengemeinde. Judith Weichsel, Pfarrerin der Sophiengemeinde, dankte Lemke für das, „was du getan hast und weiter tust“. Unaufgeregt und gleichzeitig herzlich sei die Geehrte, vorbildlich und zupackend.

Die wiederum bedankte sich bei Kirchengemeinde, die Räume zur Verfügung gestellt habe und Eine Tafel. Denn das Schreiben an der Tafel sei interessanter als digitales Lernen. Die junge Gitarristin Viktoria Weber verlieh der Feier im Sitzungssaal mit zwei Musikstücken einen stilvollen Rahmen. Erwin Jakobs, stellvertretender Bürgermeister von Weilerswist, hatte der neuen Ordensträgerin ein Gemälde des Swister Turms mitgebracht.

Die bedankte sich tatsächlich beeindruckend unaufgeregt und bewies auch gleich besagtes diplomatisches Geschick. „Das waren tolle Reden. Ich erkannte mich selbst kaum“, sagte sie. Ganz ohne Koketterie beschied sie den Rednern kurz und bündig: „Zu viel des Lobes.“ Da gab es Protest von den Gästen der Feier.