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„Swingin’ Ladies“Jazzklarinettist Engelbert Wrobels Tour führt zum letzten Mal nach Burscheid

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Die „Swingin’ Ladies plus zwei“ um Engelbert Wrobel kommen am 5. Mai 2026 nach Burscheid.

Die „Swingin’ Ladies plus zwei“ um Engelbert Wrobel (r.) kommen am 5. Mai nach Burscheid.

Der Burscheider Musiker hört zwar nicht ganz auf, aber die großen Touren wird er nicht mehr organisieren.

Den Gedanken hatte Engelbert Wrobel eigentlich schon vor zwei Jahren. Schon damals sollte es die letzte Tour sein, die der Burscheider Jazzklarinettist organisiert. Doch er ließ sich noch einmal umstimmen: Die Betreiber der Läden, in denen er mit seiner Band gespielt habe und die er schon lange kenne, hätten ihn nicht gehen lassen. „Und auch die Musiker hatten zwei Monate Zeit, mich zu bearbeiten“, sagt Wrobel und lacht.

Aber jetzt ist es so weit, der 66-Jährige geht ein letztes Mal auf große Tour. Und kommt somit voraussichtlich ein letztes Mal – zumindest was eigene Konzertreisen angeht – auf eine Burscheider Bühne: am Dienstag, 5. Mai, ins Kulturforum.

Aus der musikalischen Welt sei er damit aber nicht, betont Wrobel, der seit Februar auch offiziell Rentner ist. Denn Klarinette spielen, Konzerte geben – das werde er immer noch vereinzelt. Allerdings fällt mit dem Ende der jetzt anstehenden Tour ein sehr großer Teil seines Musikerlebens weg. Und zwar ein Teil, den er nicht vermissen werde, ist sich Wrobel sicher: das Organisieren von Touren.

Seit Jahrzehnten auf Tour

Seit Ende der 90er-Jahre macht er das nämlich für seine Bands – zum Beispiel für das „International Hot Jazz Quartet“, das „International Swing Quartet“ oder eben für die „Swingin’ Ladies plus zwei“. Die Touren, bei denen Dutzende Konzerte mal in größeren, mal in kleineren Sälen und Läden stattfinden, stellt Wrobel komplett alleine auf die Beine: Der Burscheider übernimmt die Kommunikation mit den Betreibern, kümmert sich um die Logistik, um die Gagen, um die Hotels. „Es ist ein bisschen wie ein Puzzle, von dem man nicht weiß, ob man alle Teile hat“, versucht er zu erklären. Will heißen: All das hängt zusammen und er hängt letztlich in der Verantwortung.

Während der Pandemie zum Beispiel seien auf Tour nacheinander Konzerte weggebrochen – und auch wenn seine Mitmusiker sich natürlich so kooperativ gezeigt hätten wie möglich, blieb Wrobel auf vielen Kosten sitzen. In aller Regel habe das Organisieren immer funktioniert, sonst hätte er das wohl nicht so lange gemacht. Aber es sei inzwischen auch sehr anstrengend, sagt er. Das gelte auch für das Auf-Tour-Sein. Seine Frau habe er zeitweise selten gesehen, inzwischen habe er auch zwei Enkel, mit denen er Zeit verbringen möchte.

Es sei einfach an der Zeit, sagt Wrobel. Vor zwei Jahren sei er noch nicht bereit gewesen, zu akzeptieren, dass die Band ohne die Touren vermutlich nicht mehr existiere. Jetzt habe er das verarbeitet.

Ich wusste gar nicht, was eine Klarinette ist
Engelbert Wrobel

Auf die fast 30 Jahre auf Tour blickt Engelbert Wrobel mit großer Freude zurück, das ist nicht zu übersehen und zu überhören, wenn er erzählt. Er berichtet von den zahlreichen nationalen und internationalen Musikerinnen und Musikern, mit denen er habe zusammenspielen dürfen. „Ich habe mit Musikern gespielt, mit denen ich sonst nie zusammengespielt hätte“, schwärmt Wrobel. Und das habe natürlich auch seinem Klarinettespiel gutgetan: „Man wird selbst natürlich auch besser.“

Zum ersten Mal Klarinette gespielt habe er mit zehn Jahren, sagt Wrobel. In der Eifel, wo sein Vater die örtliche Kapelle leitete. Zuvor hatte er schon Blockflöte und Klavier ausprobiert. „Ich wusste gar nicht, was eine Klarinette ist“, sagt er. Aber er und seine Altersgenossen hätten, weil sie noch jünger waren und filigranere Finger hatten als viele andere im Eifel-Dorf, das Instrument in die Hand gedrückt bekommen. Für Wrobel eine glückliche Fügung.

Die „Swingin’ Ladies plus zwei“ on Tour, es wird zumindest die letzte große sein.

Die „Swingin’ Ladies plus zwei“ on Tour, es wird zumindest die letzte große sein.

Mit 14 habe er dann seine erste Dixieland-Platte gehört. Und von da an war alles, was mit Jazz zu tun hatte, seine Musik, während im Hause Wrobel eher Klassik und Chormusik aufgelegt wurden. Er gründete seine erste Schülerband, die „Happy Jazzmen“. Den amerikanischen Jazz – also die Klassiker um Louis Armstrong oder Benny Goodman – entdeckte Engelbert Wrobel mit 18 oder 19 Jahren, über Leute aus Bonn, die er kannte. Dieser klassische Swing sei auch das, was er heute noch am liebsten höre – und spiele.

Und das tat er von dann an stundenlang. Die Platten, die er hatte, habe er fünfmal am Tag gehört und mitgespielt. „Ich kannte jeden Ton“, erinnert er sich. Etwas, das in Zeiten von Streaming und dem Aussterben von Alben verloren gegangen sei. Schade, findet Wrobel. Denn das sei eine gute Schule – das bestätigten ihm auch immer wieder andere Musikerinnen und Musiker seiner Generation.

Engelbert Wrobel studierte zwar klassische Klarinette in Düsseldorf, aber der Jazz sei immer sein Ding geblieben. Während des Studiums wurde er Mitglied von „Rod Mason’s Hot Five“, mit der Hot-Jazz-Band tourte Wrobel dreieinhalb Jahre durch Europa. Das Touren hat er seitdem im Grunde nicht mehr aufgehört – bis jetzt.


Konzert in Burscheid

„Engelbert Wrobel präsentiert Swingin’ Ladies plus zwei“, Dienstag, 5. Mai, 19.30 Uhr (19 Uhr Einlass), Kulturforum Burscheid, Höhestraße 5. Karten für 28 Euro plus Vorverkaufsgebühren gibt es bei Bergisch Live, beim Burscheider Kulturverein (Rathaus), in der Buchhandlung Ute Hentschel und im kleinen Hilgener Dorfladen. (nip)