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Kramerhaus-EröffnungAn Burscheids neuem Ort der Begegnung drehte sich früher alles um Füße

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Kramerhaus Eröffnung während der Umweltwoche Burscheid  Bild: Ralf Krieger

Der Andrang war groß, als Bürgermeister Dirk Runge das Kramerhaus in Burscheid eröffnete.

Am Sonntag, 3. Mai 2026 eröffnet Bürgermeister Dirk Runge das Kramerhaus als Begegnungsort mitten in Burscheid.

Der Termin am Sonntag war günstig, denn die Straßen um die evangelische Kirche waren wegen des Auftaktfests zur 28. Burscheider Umweltwoche ohnehin voll. Folglich nahmen viele Burscheiderinnen und Burscheider ihr Kramerhaus neben der Stadtbücherei in Betrieb. Im Zentrum von Burscheid entsteht mit den vielen Freiwilligen ein neues Bürgerhaus, in dem man vielfältig tätig werden kann und nützliche Dinge tun oder erlernen kann: zum Beispiel nähen, philosophieren, neue Bekanntschaften machen, Kleider reparieren, oder an einem 3-D-Drucker etwas ausdrucken, um nur einige Dinge zu nennen. Das Kramerhaus wird der Maker-Space der Burscheider Stadtbücherei, ein „dritter Ort“, also ein Treffpunkt in der Nachbarschaft, der Gemeinschaft neben Familie und Arbeitsstelle bietet.

Kramerhaus Eröffnung während der Umweltwoche Burscheid  Bild: Ralf Krieger

Im Hinterhof kann man sitzen.

Dirk Runge zerschnitt gemeinsam mit Nathalie Kelder vom Förderverein Stadtbücherei, Michael Corts, dem Vorsitzenden des Tri-Cafés, und weiteren Gästen ein Band und gab das Haus frei. 

Timm Gatter in Burscheid  Bild: Ralf Krieger

Viele Gäste waren gekommen; sie füllten die Straßen von Burscheid.

Runge lobte die Zusammenarbeit zwischen der Stadtverwaltung und den vielen Ehrenamtlern, die die eigentlichen Initiatoren der Erweiterung der Stadtbücherei sind. Nathalie Kelder vom Stadtbücherei-Förderverein sagte: „Das Haus ist mein Baby, die Eröffnung ist ein ganz großer Tag für uns.“ Der Förderverein hat jetzt im Haus ein Büro. Zentral fürs Gelingen sei auch Martina Boden von der Stadtverwaltung gewesen.

Kramerhaus Eröffnung während der Umweltwoche Burscheid  Bild: Ralf Krieger

Das Tri-Café ist eingerichtet.

Keimzelle und heute das vielleicht wichtigste Standbein derer, die das Kramerhaus künftig bespielen, ist die Gruppe aus dem alten Tri-Café (Tri steht für  „Interkulturell, inklusiv und intergenerativ“). Das alte Café-Haus an der Bürgermeister-Schmidt-Straße hatte man von Goetze und den Nachfolgern gemietet.

Kramer-haus Foto: Ralf Krieger

Das Kramerhaus im Jahr 2021 vor der Renovierung.

Das neue Café in den frisch renovierten Räumen im Kramerhaus ist schon eingerichtet, bis die Gruppe mit Sack und Pack von ihrem alten Standort umgezogen sein wird, dauert es noch – der Mietvertrag im alten Haus läuft Ende Juli aus. Runge beschrieb die Gründung des Tri-Cafés: Der Burscheider Kardiologe Bernhard Rappert suchte ein Büro für seine Indianerhilfe und habe ein ganzes Haus an der Bürgermeister-Schmidt-Straße angeboten bekommen. Im überschüssigen Platz entwickelte sich das Tri-Café, etwa mit seinem Reparaturcafé.

Kramerhaus Eröffnung während der Umweltwoche Burscheid  Bild: Ralf Krieger

Einer der „Makerspaces“: Eine Nähstube, Mary Knipp-Knipper gibt hier Anleitung.

2022 hatte die Stadt Burscheid das denkmalgeschützte Gebäude des ehemaligen Schuhhauses der Familie Kramer erworben und umgebaut. Dort drehte sich bis 2007 noch alles um Schuhe und Füße. Dann gab es einen langen Stillstand. Noch 14 Jahre später, 2021, klebte an der Schaufensterscheibe die Werbung mit dem lachenden Fuß: „Sixtuwohl Für Fuß- und Beinpflege“. Bei Familie Kramer drehte sich seit Ende der 1920er-Jahre in der Hauptstraße 42 alles um Füße und Schuhe, auch 1981, als die Stadt das Fachwerkhaus in die Denkmalliste aufnahm. Im Haus sind Hölzer aus dem Jahr 1684 verbaut. 

Die Fassade ist jetzt einzigartig: Geblieben sind die vier hohen Schaufenster, die die Baumeister  harmonisch links und rechts neben der  und eine helle Fassade, die aussehen soll, als wäre sie mit großen massiven Steinblöcken gemauert worden. Aber die Steine sind gut gemachte Attrappen: Wenn man vorsichtig dran klopft, hört man, dass die Fassade aus Holz ist. Denn das Kramerhaus ist ein Fachwerkhaus. Die obere Etage ist fein verschiefert und das fügt sich wunderbar an die Stadtbücherei an, mit der das alte Fuß- und Schuhhaus jetzt auch mit mehreren Durchgängen verbunden ist.