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Zwischen „Spin“ und StärkeIm Leichlinger Poledance-Studio verbinden sich Koordination und Technik

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Philine Jansen zeigt eine Übung.

„Viele Anfänger sind überrascht, wie viel Stärke, Koordination und Technik hinter Poledance steckt“, sagt Philine Jansen.

Philine Jansen verbindet mit ihrem Studio Wonderpole in Leichlingen Sport, Gemeinschaft und Selbstbewusstsein.

Wer Philine Jansen begegnet, merkt schnell: Hier trifft Ehrgeiz auf echte Leidenschaft. Angefangen hat alles mit Fitness und Tennis. Doch vor rund zehn Jahren entdeckte sie ihre Begeisterung für Poledance, eine Sportart, die Akrobatik und Tanz an der Stange verbindet. Damals musste sie aus Bergisch Neukirchen noch regelmäßig nach Köln oder Düsseldorf fahren, um trainieren zu können. Studiert hat sie Bekleidungstechnik in Mönchengladbach. Parallel dazu absolvierte sie mehrere Fitnesslizenzen und Trainerscheine, auch für das Training mit Kindern. Aus dem Hobby wurde schließlich ein Beruf. Nun betreibt die 30-Jährige bereits seit sieben Jahren ihr Studio Wonderpole in den Räumen des Sportpalasts Leichlingen.

Das Angebot ist vielfältig. Neben Poledance gibt es Luftakrobatik am Ring, auch Aerial Hoop genannt, Tuchakrobatik und Kurse für Kinder. Acht Stangen stehen zur Verfügung, sodass bis zu zwölf Teilnehmer und Teilnehmerinnen gleichzeitig trainieren können. Unterstützt wird Philine Jansen von drei festangestellten Trainerinnen und Trainern sowie mehreren zusätzlichen Coaches. Die Kurse richten sich an alle Altersgruppen. „Neben den Kinderkursen reicht die Altersspanne von 18 bis über 50 Jahre. Sowohl Männer als auch Frauen sind dabei“, sagt Philine Jansen.

Mehr als ein Workout: Kraft, Selbstbewusstsein und Gemeinschaft

„Viele Anfänger sind überrascht, wie viel Stärke, Koordination und Technik hinter Poledance steckt.“ Trotzdem würden die meisten nach einer Probestunde weiter das Studio besuchen. „Man merkt, dass man von Mal zu Mal immer mehr Kraft aufbaut. Besonders in den Händen und den Schultern.“

Eine der ersten Übungen für Beginner sind „Spins“, die Drehung mit der Stange. Mit der Zeit verbessert sich das Körpergefühl deutlich. „Die Kleidung ist knapp, weil man den Hautkontakt zur Stange braucht, um sich festzuhalten“, erklärt Philine Jansen.

„Viele Menschen – mich eingeschlossen – lernen dabei, ihren eigenen Körper mehr zu schätzen und ein positives Körpergefühl zu entwickeln.“ Anfangs seien viele noch zurückhaltend, doch das lege sich schnell. „Es ist eine tolle Community.“

Viele Menschen – mich eingeschlossen – lernen dabei, ihren eigenen Körper mehr zu schätzen und ein positives Körpergefühl zu entwickeln.
Philine Jansen

Auch die öffentliche Wahrnehmung habe sich verändert. „Früher gab es deutlich häufiger Vorurteile gegenüber Poledance, da viele Menschen den Sport mit Nachtklubs oder bestimmten Klischees verbunden haben. In den letzten Jahren hat sich das Bild jedoch stark verändert“, sagt Philine Jansen.

Bis zu zwölf Teilnehmer und Teilnehmerinnen können gleichzeitig im Studio trainieren.

Bis zu zwölf Teilnehmer und Teilnehmerinnen können gleichzeitig im Studio trainieren.

Die sportliche Leistung ist hoch, egal ob an der Stange oder am Ring. Viele trainieren gezielt auf bestimmte Figuren hin, etwa den Handspring Dabei hängt man nur mit den Händen an der Stange und hält die Beine in die Luft. Philine Jansen legt großen Wert auf saubere Ausführung. Übungen sollen erst gesteigert werden, wenn man sie sicher beherrscht. Dazu gehören Körperspannung, gestreckte Füße und die Fähigkeit, Positionen zu halten. „Ich weiß noch, als ich den Handspring konnte, habe ich ganz viele Fotos davon gemacht.“

Neben klassischen Trainings bietet das Studio auch themenorientierte Kurse an. Besonders gefragt sind Angebote für Familien, bei denen etwa Mutter und Kind gemeinsam Tuchakrobatik trainieren. Auch Bodenakrobatik wird häufig nachgefragt. Die wachsende Zahl an Studios in NRW sieht Philine Jansen positiv. „Konkurrenz belebt das Geschäft“, sagt sie.

Wettkämpfe und Auftritte

Neben den Kursen bereitet Philine Jansen auch Sportlerinnen und Sportler auf Wettkämpfe vor, zum Beispiel für die „Pole-Sport-Organization“ in Oberhausen. Außerdem steht sie selbst auf der Bühne, zuletzt beim Matchboxtheater in Hitdorf. Bei Auftritten zeigt sie zwei Choreografien von jeweils zwei bis drei Minuten. Ihre Kostüme für die Bühne entwirft und näht sie selbst.

In der Luft fühlt sie sich ausgeglichen. Auch für viele ihrer Schülerinnen und Schüler ist das Training mehr als Sport. „Manche sagen, die Kurse sind wie eine Therapie, weil sie in der Stunde alles Negative vergessen.“

„Es gibt Risiken in der Selbstständigkeit, aber ich weiß, dass ich alles richtig gemacht habe.“ Mittlerweile lebt sie mit ihrem Mann in Köln. Ihre Eltern wohnen immer noch in Bergisch Neukirchen. Zurzeit reduziert sie ihre Arbeit, denn sie erwartet ihr erstes Kind. Die Geburt ist für Mai geplant. Sie hofft, dass alles gut klappt: „Ich möchte noch in diesem Jahr wieder sportlich durchstarten.“