Die Stadt hat vorgestellt, wie man mit den Folgen des Klimawandels umgehen will.
Konzept beschlossenWie sich Leichlingen dem Klimawandel anpassen will

Im Juli 2021 war auch die Wupper in Leichlingen über die Ufer getreten. Infolge des Klimawandels muss sich die Stadt auf immer mehr Extremwetter einstellen.
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Eine Klimastrategie hat die Stadt Leichlingen schon, jetzt soll der Rat in seiner nächsten Sitzung auch ein Klimaanpassungskonzept für die Blütenstadt beschließen. Der Unterschied? Während es in der Klimastrategie eher darum geht, was die Stadt tun kann, um den Klimawandel nicht noch mehr voranzutreiben, geht es im Anpassungskonzept darum, sich schon auf unausweichliche Folgen einzustellen. Die Mehrheit im Ausschuss für Klimaneutralität, Umwelt und Zukunftsfragen (Kuz) hat dem Konzept am Montag zugestimmt.
Im Haushaltsentwurf für 2026, der ebenfalls in der Ratssitzung am 23. März beschlossen werden soll, ist für Vorschläge aus dem Konzept noch kein Geld eingeplant, das soll für 2027 und 2028 aber geschehen. Die Fachämter unterstützen soll dabei ein Klimaanpassungsmanager, wenn dessen Stelle für die kommenden drei Jahre gefördert wird, und zwar zu 80 Prozent, wenn alles gut geht. Dazu teilt die Stadt mit: „Eine Förderzusage ist nach bislang mündlichen Aussagen des Fördergebers sehr wahrscheinlich. Sollte es wider Erwarten nicht zu einer Förderzusage kommen, wird die Umsetzung von Klimafolgeanpassungsmaßnahmen ohne gesonderten Klimaanpassungsmanager durch die jeweiligen Fachämter erfolgen.“ 20 Prozent der Kosten für den Anpassungsmanager müsste die Stadt aufbringen. Die wären über den Stellenplan des Abwasserbetriebes gedeckt.
Ziel ist es, möglichst haushaltsschonend die nächsten drei Jahre Anpassungsmaßnahmen stadtweit umzusetzen.
„Ziel ist es, möglichst haushaltsschonend die nächsten drei Jahre Anpassungsmaßnahmen stadtweit umzusetzen“, heißt es von der Stadtverwaltung. Denn eine Anpassung an den Klimawandel sei dringend erforderlich, heißt es von Klimaschutzmanagerin Monika Meves. Gerade für die Blütenstadt, die immer wieder von Extremwetterlagen betroffen war: „Alle Maßnahmen, mit denen die Bevölkerung resilienter und aktiv präventiv tätig wird, werden vom Klimaschutzmanagement unterstützt.“
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Das nun vorgelegte Klimaanpassungskonzept umfasst 19 Maßnahmen, 14 davon will die Stadt über einen Förderantrag priorisieren. Zwei Maßnahmen betreffen die Stadtplanung, sechs das Themenfeld Wasser, fünf die Biodiversität, zwei die Land- und Forstwirtschaft und weitere die menschliche Gesundheit.
In Leichlingen wird es immer wärmer. Den Daten der Stadt zufolge ist die mittlere Jahrestemperatur in Leichlingen zwischen 1953 und 2023 von 9,8 auf 11,8 Grad Celsius gestiegen. Es gibt viermal so viele Hitzetage (drei im Jahr 1953, zwölf im Jahr 2023), deutlich weniger Frosttage (68 im Jahr 1953, 51 im Jahr 2023) und im Herbst und Winter fällt mehr Niederschlag.
Leichlingen ist von Extremwettern betroffen
Die Entwicklung setzt sich den Ausführungen der Stadt zufolge fort: höhere Lufttemperatur, mehr Niederschlag, mehr Sommertage, mehr heiße Tage. All das führt zur Zunahme von Extremwetterfällen in Leichlingen: zu mehr Starkregen, Trockenheit und Hitze. Beispiele dafür muss man nicht lange suchen: das Hochwasser 2021, die Hitzewelle im Jahr 2022 und weiterer Starkregen im Jahr 2024.
Im Handlungsfeld Stadtplanung schreibt die Stadt im Konzept: „Anstelle versiegelter Flächen und monofunktionaler Gebäude können multifunktionale, durchgrünte Räume entstehen, die Aufenthaltsqualität schaffen, das Mikroklima verbessern und zur Klimaanpassung beitragen, zum Beispiel durch Entsiegelung, Begrünung oder der Integration klimaresilienter Infrastruktur.“ Als Beispiel wird die „blau-grüne Klimaachse entlang des Wilhelm-Gödders-Weges“ genannt. Grundsätzlich gelte: „Kommunen sind gefordert, die klimaangepasste Gestaltung des urbanen Raums stärker in den Fokus zu rücken. Insbesondere Aspekte wie Hitzeschutz und integriertes Wassermanagement sollen gezielt berücksichtigt werden.“
Die meisten versiegelten Flächen gebe es im Osten von Leichlingen. Im mittleren Stadtgebiet, wo es viel Wald und Landwirtschaft gibt, seien weniger Flächen versiegelt. Die Verwaltung weiß aber auch: „Das Thema Entsiegelung wird in der Stadt kontrovers diskutiert, da bestimmte Nutzungsformen insbesondere im Gewerbe und Handel einer Entsiegelung entgegenstehen. Darüber hinaus verfügt die Stadtverwaltung Leichlingen derzeit über keine eigenen städtischen Flächen zur Bebauung, womit die Einflussmöglichkeiten bezüglich Entsiegelung und klimaangepasster Bauweise begrenzt sind.“
Ganz besonders wichtig in Leichlingen ist das Thema Wasser: In der Blütenstadt gibt es „ein Netz aus Flüssen und Bächen“. Fällt viel Regen, treten die Gewässer über die Ufer, das wissen die Menschen in Leichlingen nur zu gut. Die Kanäle in der Stadt können auch nicht alles auffangen, „aufgrund des enormen kosten- und flächenmäßigen Aufwandes“ könne man aber nicht die gesamte städtische Kanalinfrastruktur dafür ausbauen. Daher gilt: „Ziel sollte es daher sein, Regenwasser zurückzuhalten und langsam an das Kanalnetz abzugeben oder komplett vom Kanalnetz abzukoppeln und auf natürlichem Weg zu versickern.“ Die Stadt will daher Bürgerinnen und Bürger aufklären, neben den eigenen Rückhalteflächen dafür, auch selbst Vorsorge für etwaige Starkregenereignisse zu treffen.

