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Sprachkünstler Konrad BeikircherWie der Kölsche Kölsch spricht, ohne Kölsch zu sprechen

4 min
Konrad Beikircher

Der Kabarettist spielt auf seiner Abschiedstournee im März im Scala Opladen.

Der Kabarettist spielt auf seiner Abschiedstournee im März im Scala Opladen.

Konrad Beikircher hat für alles ein Beispiel: „I ho e E ü.“ Was für Hochdeutsch sprechende Menschen komplett unverständlich ist, ist für ein Kind aus Würzburg Alltassprache. Diesen Satz habe er im Zug aufgeschnappt und gleich den Vater des Kindes gefragt, was dieser Satz denn heiß: „Ich habe ein Ei übrig“ heiße das, habe ihn der Mann aufgeklärt.

Dass der Kabarettist, der im vergangenen Dezember seinen 80. Geburtstag gefeiert hat, nachfragen musste, was es denn mit diesem eigentümlichen Satz auf sich habe, liegt in seinem Naturell. Und berufsbedingt musste er diese Frage auch stellen, schließlich ist die humoristische Auseinandersetzung mit Sprache, mit Dialekt das, wofür Beikircher seit Jahrzehnten bekannt und beliebt ist. Am Freitag, 13. März, sagt er jetzt aber auch den Leverkusenerinnen und Leverkusener „Arrivederci“.

Konrad Beikircher geht in den Ruhestand, zumindest in den beruflichen. Wie er im Gespräch mit dem „Leverkusener Anzeiger“ erzählt, werde er aber noch gut mit Kunst beschäftigt sein. Er und seine Frau sind einmal im Jahr Gastgeber und Gastgeberin für eine Ausstellung. Und die zu organisieren, das sei schon viel Arbeit. Er ist aber froh, dafür demnächst mehr Zeit zu haben.

Beikircher unterscheidet zwischen Dialekt und Regiolekt

Dennoch: „Es fällt mir schon auch schwer aufzuhören“, sagt er. Denn wie die meisten seiner Kolleginnen und Kollegen sei er süchtig nach der Bühne. Immerhin trage er im Zuge der Ausstellung hier und da auch noch was vor. Aber beruflich ist am 21. Dezember 2026 Schluss, im Senftöpfchen in Köln gibt er seine letzte Vorstellung, am 22. Dezember wird er 81 Jahre alt.

Er ist sich allerdings sicher, dass es tatsächlich sein Abschied sein werde. Mehrere Aufwiedersehen-Touren werde es nicht geben. Und das Übernachten im Hotel, das Zugfahren – das werde er sicher nicht vermissen. Wobei er dort, wenn er auf verschiedene Menschen mit verschiedenen sprachlichen Einfärbungen trifft, offensichtlich immer wieder Stoff für seine Programm findet. Siehe „I ho e E ü.“

Dass Beikircher aber mit der Sprache keinen Klamauk treibt, zeichnet ihn seit jeher aus. Seine Ausführungen haben Substanz, teilweise sogar ein wissenschaftliches Fundament. So habe er seinen älteren Bruder, einen renommierten Altphilologen gefragt, ob es im deutschen Sprachraum eine Realtivverschränkung gibt, so wie im Lateinischen. Im Hochdeutschen gebe es sie nicht, auch in den Dialekten eigentlich nicht, habe ihm sein Bruder bestätigt.

Dat, wo wir von drüvver dran woren, da wollte ich mal eben wat wegen fragen.
Die Rheinische Relativverschränkung

Eigentlich. Denn im Rheinischen gebe es sie tatsächlich, sagt der Sprachen-Kabarettist und liefert natürlich gleich ein Beispiel: „Dat, wo wir von drüvver dran woren, da wollte ich mal eben wat wegen fragen.“ Für jeden Sprachwissenschaftler ein Albtraum, für den Rheinländer ganz klar.

Die „Musikalität, der Klang, die Aussprache“, das sei das, was ihn an der Sprache fasziniere. Für das Rheinische habe er ein Paradoxon aufgetan, das er sich allerdings nicht erklären könne: Das wirklich Kölsche – oder das Rheinische – das gebe es kaum noch. Trotz Karneval, trotz Nachwuchsbands. Er nennt das, was Kasalla und Co. singen eher einen „Regiolekt“. Zudem nehme die Art der Aussprache zu: Der Kölner bilde Wörter häufig nämlich vorne in der Mundhöhle. Und dieses Phänomen wachse durch die Nutzung des „Regiolekts“ sogar.

An Leverkusen und das Scala hat Beikircher nach eigener Aussage nur gute Erinnerungen: „Das Publikum liebt mich und ich liebe das Publikum“, habe er festgestellt. Die Atmosphäre im Opladener Club sei schon anders als in den üblichen Theatern. „Und ich drücke Leverkusen im Fußball auch weiterhin die Daumen“, verspricht der 80-Jährige für seinen Ruhestand.


Weiteres Programm in Opladen

„Nicole Nau & Luis Pereyra mit company“ (Tanz, Sonntag, 1. März), „Astor Piazzolla Quintett“ (Streichquintett, Montag, 2. März), Bora (Comedy, Donnerstag, 5. März), „MAMAGEHTTANZEN“ (Party, Freitag, 6. März), „Marc Broussard“ (Konzert, Mittwoch, 11. März), „Hans Gerzlich“ (Comedy, Donnerstag, 12. März), „It´s All Pink“ (Tribute-Band, Samstag, 14. März), Kraan (Konzert, Sonntag, 15. März), Marco Gianni (Comedy, Donnerstag, 19. März), „Bounce“ (Tribute-Band, Freitag, 20. März), „Vier gewinnt“ (Tribute-Band, Samstag, 21. März), Lars Redlich (Comedy, Sonntag, 22. März), Kay Ray (Konzert/Comedy, Dienstag, 24. März), „True Crime Magic“ (Show, Donnerstag, 26. März), Christian Schulte-Loh (Comedy, Freitag, 27. März).