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Leverkusen-RheindorfMieterinnen wollen in den Sternhäusern bleiben

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Monika Mosal und Manuela Bohley wohnen in den Sternhäusern und wollen in ihren Wohnungen bleiben. Die Sternhäuser in Rheindorf am Königsberger Platz sind dem Abbruch geweiht, wenn es nach der WGL geht. Bild: Ralf Krieger

Monika Mosal (links) und Manuela Bohley wohnen in den Sternhäusern – sie würden nicht gerne umgesiedelt werden und wollen bleiben. Die Sternhäuser in Rheindorf am Königsberger Platz sind dem Abbruch geweiht, wenn es nach der WGL geht.

Die WGL plant, die Siedlung in Rheindorf abzubrechen und dort neu zu bauen.

Die Rechnung der WGL (Wohnungsgesellschaft Leverkusen) für Rheindorf Nord ist klar und kommt mit einem guten Argument: 180 zusätzliche und komplett neue Wohnungen sollen am Königsberger Platz gebaut werden. Dagegen kann eigentlich niemand etwas haben, dennoch formieren sich Gegner der Pläne seit dem ersten Tag, an dem die WGL das Projekt vorgestellt hatte. Im Anschluss beginnt eine erste Widerspruchsmöglichkeit. Das große Problem an der Sache: Bevor die neuen 320 Wohnungen gebaut werden können, müsste die WGL bestehende Bausubstanz vernichten: insgesamt 140 Wohnungen. 128 dieser Wohnungen befinden sich in den Sternhäusern, die wegen ihres Grundrisses so genannt werden. Die Mieter sollen in andere WGL-Wohnungen umgesiedelt werden.

Leverkusen-Rheindorf: Alle müssten raus, wenn der Bau kommt

In einer dieser Wohnungen lebt Monika Mosal, die mit ihrem Hund eine Runde dreht. „Ich bin hier 1968 eingezogen und jetzt sollen wir hier alle rausgeworfen werden, das ist ein starkes Stück!“, sagt sie spontan. „Warum kann man die eigentlich nicht einfach renovieren?“ Frau Mosal zeigt auf das gerade frisch renovierte Hochhaus neben dem Penny-Markt am Königsberger Platz: „Da ging das doch auch!“ In genau das frisch renovierte Hochhaus könnte sie vielleicht auch umziehen, aber sie hat gehört, dass die Mieten für neue Mieter nicht gerade gering seien: In dem frischgemachten alten Wohnblock müsse man mit 1100 Euro warm rechnen. „Wenn Sie eine kleine Rente haben, dann war es das“, sagt sie.

Zu der kleinen Runde mit Hund und Reporter gesellen sich schnell weitere Frauen, darunter eine 82-jährige Mieterin, die seit fast 50 Jahren in einem Sternhaus wohnt. Sie steigt täglich mehrfach über Treppen in die vierte Etage hoch. „Das geht eigentlich, aber ich wünsche mir schon einen Aufzug.“ Für sie haben die Kinder den Umzug ins Hochhaus schon organisiert. Eine grundlegende Renovierung halten alle für notwendig, die sich äußerten, den Abbruch lehnen alle ab. Einige Gesprächspartner trauen sich nicht, ihre Namen zur Veröffentlichung freizugeben.

Nachbarin Manuela Bohley möchte nicht aus den Sternhäusern ausziehen. „Wo sollen wir denn alle hin?“ Sie hat festgestellt, dass viele der Nachbarn nicht gut informiert seien.

Das Atrium eines der Sternhäuser in Rheindorf am Königsberger Platz. Sie sind dem Abbruch geweiht, wenn es nach der WGL geht. Bild: Ralf Krieger

Das Atrium eines der Sternhäuser in Rheindorf am Königsberger Platz.

Die Sternhäuser auf dem ausgesuchten Bauplatz stehen seit den 1960er-Jahren zwischen dem Königsberger Platz und der Solinger Straße. Falls sie abgebrochen werden, fiele auch ein Großteil des alten Baumbestands weg und der Freiraum zwischen den Häusern würde versiegelt.

Die Sternhäuser in Rheindorf am Königsberger Platz sind dem Abbruch geweiht, wenn es nach der WGL geht. Bild: Ralf Krieger

Die Sternhäuser haben eine Glaspyramide auf dem Dach, dadurch fällt Licht ins Atrium. In jedem Haus befinden sich 16 Wohnungen.

Bisher positionierte sich in erster Linie die Rheindorfer CDU gegen die Baupläne, Rüdiger Scholz, gebürtiger Rheindorfer und CDU-Landtagsabgeordneter, wird nicht müde, gegen die Bauinvestition zu schießen: Zu viel Verdichtung, immer in seinem Stadtteil, kritisiert er. Der CDU-Mann bekommt jetzt Schützenhilfe aus einer ganz anderen politischen Richtung: Am Donnerstag steckten die „Parents for Future“ Flugblätter in die Briefkästen am Königsberger Platz, mit denen die Mieter dort auf die Veranstaltung am Dienstag hingewiesen werden.

Jacqueline Blum verteilt Flugblätter der Parents for Future. Die Sternhäuser in Rheindorf am Königsberger Platz sind dem Abbruch geweiht, wenn es nach der WGL geht. Bild: Ralf Krieger

Jacqueline Blum verteilt Flugblätter der Parents for Future.

Jacqueline Blum beklagt, dass ein Abbruch und Neubau von Bausubstanz eine miserable CO₂-Bilanz habe, verglichen mit Erhalt und Renovierung. Dass für den Bau viele alte Bäume gefällt werden müssen, findet sie nicht tragbar. Die Nachbarinnen bestätigen, dass es durch die Bäume im Sommer kühl ist. Es sei besser, neuen Wohnraum woanders zu bauen, wo keine bestehende Substanz vernichtet werde: Die Stadt oder Investoren hätten etwa Wohnungen bauen können, statt immer wieder Eigenheimsiedlungen zuzulassen, sagt Blum, etwa in Hitdorf.

Die Häuser sind ungewöhnlich gebaut: Sie haben im Zentrum einen großen Lichthof mit Galerien und oben eine Glaspyramide. Blum ist entzückt: „Welche Verschwendung! Richtige Architekten könnten aus den Häusern viel herausholen“, sagt sie, „in dem Lichthof hätte ein ganzer Baum Platz.“


Am Dienstag, 10. Februar, will die WGL das Projekt in der Kirche Zum Heiligen Kreuz in der Memelstraße öffentlich vorstellen und erläutern: die sogenannte frühzeitige Bürgerbeteiligung. Die WGL hat die Nachbarn mit Flugblättern eingeladen. Einsprüche gegen den Plan oder Anregungen zum Bebauungsplan sind ab sofort bis zum 4. März 2026 möglich. Ein zweites Einspruchsverfahren wird später durchgeführt. Die WGL hat damit begonnen, die Wohnungen leerzuziehen, es sollen schon einige leer stehen. (rar)