In der Debatte über die Zukunft des Industriemuseums Sensenhammer meldet sich eine Schulleiterin zu Wort.
Leverkusener IndustriemuseumSensenhammer hat große Bedeutung als außerschulischer Lernort

Schüler der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule im Jahr 2016 während eines Projekts im Sensenhammer
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Am Freitagmittag erreichte die Redaktion des „Leverkusener Anzeiger“ zur Debatte über die Zukunft des Industriemuseums Sensenhammer ein Brief einer Leserin, der aufhorchen ließ. Mareen Lethaus, Leiterin der Theodor-Wuppermann-Schule, meldete sich zu Wort. „Der Sensenhammer ist weit mehr als ein historischer Ort – er ist ein lebendiger Lernraum“, heißt es darin. Und weiter: „Gerade für unsere Schülerschaft bietet dieser Ort eine unverzichtbare Ergänzung zum Unterricht.“
Der Brief lenkte den Blick auf die immense Bedeutung, die der Sensenhammer als Unterrichtsangebot, als außerschulischer Lernort seit vielen Jahren hat. Diesen Aspekt, den auch Bernhard Marewski schon in seinem Protest gegen die geplante Streichung der drei städtischen Stellen im Sensenhammer vor Tagen hervorhob, unterstreicht die Leiterin der Manforter Hauptschule in ihrem Schreiben detailliert aus Expertinnensicht. Wir drucken ihren Leserbrief auf der letzten Seite des Lokalteils der heutigen Ausgabe vollständig ab.
Der Brief war für die Redaktion Anlass, bei Jürgen Bandsom, dem Leiter des Schlebuscher Industriemuseums, nachzufragen, um die Bedeutung des Sensenhammers für den Schulunterricht einordnen zu können. Seinen Angaben zufolge besuchen jedes Jahr 1200 Schülerinnen und Schüler das Industriemuseum, um dessen Räume und Angebote für den Schulunterricht zu nutzen. Sie kommen aus vielen Stadtteilen, so Bandsom, „quer durch die Schullandschaft“: von der Theodor-Wuppermann-Hauptschule genauso wie von der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in Rheindorf, vom Landrat-Lucas-Gymnasium in Opladen und vom Freiherr-vom-Stein-Gymnasium oder der Gesamtschule in Schlebusch – und darüber hinaus von vielen Grundschulen.
Wir machen zum Beispiel Physikkurse zum Thema Mechanik. Da lernen die Kinder mit unseren Flaschenzügen etwas über Hebelkräfte.
Der Sensenhammer bietet lehrplanorientierte Programme in den MINT-Fächern. Bandsom: „Wir machen zum Beispiel Physikkurse zum Thema Mechanik. Da lernen die Kinder mit unseren Flaschenzügen etwas über Hebelkräfte.“ Anstatt sich eine Zeichnung im Buch über die Wirkung dieser Kräfte anzuschauen, können die Jungen und Mädchen selbst ausprobieren, wie ein Flaschenzug funktioniert. „Wo kann man das besser lernen als bei uns?“, fragt Bandsom.
Ebenfalls für den Physikunterricht bietet der Sensenhammer kleine Dampfmaschinen an, die die Schüler jeweils zu zweit betreiben und so deren Funktionsweise verstehen können. Ein weiteres Angebot betrifft die Elektrik. „Wir basteln mit den Kindern Elektromotoren“, berichtet der Museumsleiter.

Kinder bauen Elektromotoren im Sensenhammer, hier während eines Osterferienprogramms 2024.
Copyright: Jessy Schmidt
Mit Blick auf die Grundschulen hält er fest: „Unser Ziel ist, dass alle Mädchen und Jungen in ihrer Grundschulzeit mindestens einmal bei uns sind.“ Die Grundschüler können zum Beispiel Mini-Versionen der Schmiedehämmer in der historischen Halle nachbauen. Vor zwei Wochen seien zum ersten Mal Vorschulkinder mit ihren Erzieherinnen im Sensenhammer zu Gast gewesen. Bandsom: „Das hat gut geklappt.“
Aber nicht nur für den Physikunterricht kommen Kinder und Jugendliche in den Sensenhammer. Kunstprojekte im Rahmen des Schulunterrichts bietet das Museum ebenso an wie historische Lernstunden etwa zum Thema Industrialisierung. Wo ginge das besser als an einem Geburtsort der Industrialisierung im deutschsprachigen Raum, dessen Ursprünge auf das Jahr 1778 zurückgehen?
Bandsom ist dabei wichtig zu betonen, dass das Team des Museums, neben ihm sind das Michael Schmidt für die Technik und Anne-Kathrin Harscher als Museumspädagogin, seine Angebote für die Schülerinnen und Schüler ständig weiterentwickelt. „Wir hatten hier mal eine Schülergruppe, von denen viele während eines Vortrags zur Geschichte des Sensenhammers ständig am Handy hingen. Da haben wir gesagt: Okay, vielleicht erreichen wir die ja übers Handy und planen jetzt eine Geo-Cachingtour durchs Gebäude, eine Art Schnitzeljagd mit GPS.“
Ungeachtet der aktuellen Debatte über den Stellenplan für das Museum richten die drei Museumsmacher und die vielen Ehrenamtler, die zum Beispiel das Konzertprogramm im Sensenhammer komplett alleine stemmen, den Blick nach vorne. Zur Debatte selbst möchte Bandsom sich nicht detailliert äußern, nur so viel: „Wir bekommen in diesen Tagen wahnsinnig viel Rückmeldung von Menschen, die uns helfen wollen, angefangen bei Henning Krautmacher.“ Der frühere Sänger der „Höhner“ ist über seine Familiengeschichte eng mit dem Sensenhammer verbunden.
Schulleiterin Lethaus definiert in ihrem Brief den Sensenhammer als kulturelles Erbe, aber „vor allem eine wichtige Bildungsbrücke für viele junge Menschen in unserer Stadt“. Sie appelliert an die Stadtspitze in Verwaltung und Politik, „diesen wertvollen Lernort zu erhalten“.

