Kölner Bratschist trifft türkisches Orchester. Ein Konzert mit Rhythmus, Schwung und auch sanften Tönen.
Adanas Klangzauber in LeverkusenEin Sinfonieabend zwischen Tradition und Moderne

Unter der Leitung von Dirigent Eray Inal entwickelt das Orchester eine ganz besondere Kraft.
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„Vielleicht wird sogar geschunkelt“, sagt Gerhard Dierig, Bratschist des Gürzenich-Orchesters Köln, noch bevor das Konzert beginnt. Die Christuskirche Leverkusen ist nur zu einem Drittel gefüllt, doch die Aufmerksamkeit ist vom ersten Moment an spürbar. Die kühle Raumtemperatur und das helle Licht stören die Faszination keinen Augenblick, und die Stimmung ist erwartungsvoll.
„Ich glaube, das Orchester ist in der Überzahl“, beginnt Dirigent und Komponist Betin Güneş, den Abend selbstironisch. Seit 1988 ist er Dirigent des Sinfonieorchesters Köln und Gründer des Turkish Chamber Orchestra. Sein Repertoire: breit gefächert. Dazu zählen 25 Sinfonien, Konzertstücke für verschiedene Instrumente, Kammermusik, Solostücke und Kompositionen für elektronische Musik.
Die ersten Stücke beginnen kraftvoll, lösen sich in träumerische, fast schwebende Passagen auf und entfalten eine rhythmisch lebendige Energie, die das Publikum sofort fesselt.
Mehr Power nach der Pause
Ein Höhepunkt des Abends ist Gerhard Dierig vom Gürzenich-Orchester Köln an der Bratsche. Seit 1990 Mitglied des Orchesters, tritt er regelmäßig auch als Solist auf. „Die Bratsche hat etwas sehr Stimmliches“, betont Dierig. Besonders die sich aufbauenden, schwungvollen Stellen lassen die warme, runde Klangfarbe seines Instruments strahlen. Das Publikum hört gebannt zu.
Nach der Pause übernimmt Eray Inal die Leitung des Orchesters. Der 1983 in Ankara geborene Musiker ist Fagottist und seit 2023 stellvertretender Dirigent des Staatlichen Sinfonieorchesters Çukurova. Er komponiert Werke, in denen er türkische Volksmusik mit sinfonischen Strukturen verbindet. Unter seiner Leitung erwacht das Orchester regelrecht zum Leben. Töne „springen“, Rhythmen „tippeln“. Die Musik klingt laut und kräftig, entfaltet einen stürmischen Höhepunkt und klingt ganz ruhig fast nachdenklich, melancholisch wieder ab.
„Musik kennt keine Grenzen, keine Religion und kein Geschlecht. Sie verbindet Menschen und Kulturen und schafft Begegnung."
Musik als verbindende Kraft
Den Abschluss bildet die Zugabe „Azeri“, eines der beliebtesten Stücke von Betin Güneş, das vom Publikum begeistert aufgenommen wird. Mehr als die musikalischen Details beeindruckt die Botschaft des Abends: „Musik kennt keine Grenzen, keine Religion und kein Geschlecht. Sie verbindet Menschen und Kulturen und schafft Begegnung“. Das ist Betin Güneş' Leitsatz, der sich durch die gesamte Aufführung zieht.
Weitere Konzerttermine
Heute um 19:30 Uhr spielt das Ensemble in der Immanuelkirche Köln-Stammheim, Tickets gibt es ab 30 Euro. Am Mittwoch, 25. März, findet ein Konzert um 20 Uhr im Berufskolleg Köln Humboldtstraße/Perlengraben statt. Die Karten kosten zwischen 30 und 50 Euro und gibt es bei Anbietern wie www.koelnticket.de.
