Autofahrer und Tankstellen müssen sich wegen des neuen Gesetzes umstellen.
SpritpreiseUm 12 Uhr mittags wurde es ruhig an den Tankstellen in Leverkusen

Dieses Foto entstand kurz nach 12 Uhr, nachdem der Diesel um sechs Cent und E10 um sieben Cent gestiegen war. Zum ersten Mal durften Tankstellen am Mittwoch ihre Preise nur noch einmal am Tag um 12 Uhr mittags erhöhen.
Copyright: Ralf Krieger
12 Uhr mittags hatte schon immer eine besondere Bedeutung, früher begannen in dieser besonderen Sekunde im ganzen Land die Glocken zu läuten, heute nicht mehr überall. Zurzeit hat der Mittag eine neue Bedeutung bekommen: Streng genommen dürfen Tankstellen nur noch in dieser besonderen Sekunde des Tages ihre Benzin-, Diesel-, und sonstige Kraftstoffpreise erhöhen. Andernfalls droht ein Bußgeld von bis zu 100.000 Euro. So sieht es das neue Gesetz vor. Wir waren am Mittwochmittag in Wiesdorfer Tankstellen unterwegs.

Dieses Foto entstand kurz vor zwölf Uhr.
Copyright: Ralf Krieger
Erwartbar war um kurz vor 12 Uhr der stärkere Ansturm. An der Oil-Tankstelle an der Bundesstraße 8 gegenüber dem Chempark mussten Kunden auch mal warten, bis eine Zapfsäule frei wurde. Der Dieselpreis lag zu der Zeit bei 2,309 Euro. Eine Frau kam um fünf vor 12 Uhr so schnittig aufs Tankstellengelände gefahren, dass sie fast einen Radfahrer erwischte. Mit dem Zeitpunkt habe das nichts zu tun, sagte sie, es sei Zufall, dass sie jetzt tanke. So äußerten sich auch andere Kunden, der sichtbare Andrang sprach aber eine andere Sprache. Immerhin: Ein Mann im Wohnmobil gab zu, die letzten Minuten zu nutzen, um den Dieseltank noch einmal randvoll zu füllen.

Um kurz vor zwölf Uhr standen Autos vor Zapfsäulen Schlange, wie hier bei Shell in Wiesdorf, wenn auch nicht bis auf den Willy-Brandt-Ring.
Copyright: Ralf Krieger

Nach 12 Uhr herrschte Ruhe.
Copyright: Ralf Krieger
Die Preise mehrerer Tankstellen in der Umgebung wirkten kurz vor Mittag nahezu gleichgeschaltet wie in einer Planwirtschaft: Shell und Aral am Willy-Brandt-Ring boten beide den Diesel für 2,299 Euro an.
Die Spannung steigt: 12 Uhr, und es dauerte kaum zehn Sekunden, bis Preise in die Höhe sprangen wie in einer Welle: Diesel kostet bei Oil jetzt 2,369, Aral und Shell waren wieder mit 2,359 Euro für Diesel einen Cent günstiger, was ungewöhnlich ist, denn oft haben sie etwas höhere Preise als die kleine Tankstelle am Werk. Auffällig war der einheitliche Sprung um sechs Cent bei allen, er wirkte wie abgesprochen. Beim zweiten Hinsehen: Oil hatte offenbar die Preise für Super und Super Plus nicht sofort erhöht, vielleicht war’s ein Fehler, denn andere Tankstellen in der Umgebung erhöhten auch diese Preise.

Tankstellen-Inhaberin Milena Güleryüz auf ihrem Betrieb an der Friedrich-Ebert-Straße an der B8 gegenüber dem Chempark.
Copyright: Ralf Krieger
„Krass“, sagt Milena Güleryüz , als sie um kurz nach Mittag auf die Preistafel blickt. Gemeinsam mit ihrem Vater ist sie Inhaberin der Oil-Tankstelle in Wiesdorf. Sie sagt, sie sei froh, dass sie mit den Benzin- und Dieselpreisen gar nichts zu tun habe. „Die werden von der Zentrale in Hamburg eingestellt“, sagt die 28-Jährige. Zuletzt sei es mit den Preisen hoch und runtergegangen, fast alle Kunden hätten geschimpft. „Manche haben so getan, als ob ich daran schuld gewesen wär“, sagt sie, die letzten Wochen seien ziemlich anstrengend gewesen. Sie müsse sich jetzt wohl umstellen, demnächst werde es am frühen Nachmittag nach dem Preissprung vermutlich ruhig an der Tankstelle, am Abend wieder voller, nimmt sie an.

Vor 12 Uhr
Copyright: Ralf Krieger

Nach 12 Uhr
Copyright: Ralf Krieger
Um 12 Uhr wird es schlagartig ruhig auf den Tankstellen
Heute, am Mittwoch, sei es den ganzen Morgen schon voll gewesen. Erwartungsgemäß wird es nach 12 Uhr schlagartig ruhig, zwei Wohnmobilfahrer füllen noch Luft in die Reifen, denn die bekommt man an der Tankstelle am Werk noch gratis zum Tanken dazu.
Bei der Aral-Tankstelle am Willy-Brandt-Ring ist es um 12.15 Uhr auch relativ ruhig geworden. Ein Geschäftsführer einer städtischen Tochtergesellschaft füllt trotz der ungünstigen Zeit den Tank seines großen Geländewagens auf und sagt: „Ich bin ziemlich entspannt, denn das ist ein Firmenwagen.“
Über den Tag bröckelten einige Preise langsam wieder, man kann die Entwicklung live im Netz auf Benzinpreis-Portalen beobachten. Die Seiten und Apps waren am Mittwoch allerdings zeitweise überlastet.

