Die Pläne für die City wurden einen Abend lang im Forum diskutiert.
WiesdorfLeverkusens zweite Innenstadtgründung

Das ist einer der Siegerentwürfe für die City C: Die Architekten aus der deutschen Niederlassung des dänischen Büros Moeller haben einen Innenhof vorgesehen und viel Terrassen.
Copyright: Moeller Architekten
Geht das? Eine 130 bis 150 Millionen Euro teure Innenstadtreparatur in einer überschuldeten Stadt? Auf diese Frage gab es ein klares Ja vom Oberbürgermeister. Stefan Hebbel, der die Leverkusener Immobiliengesellschaft, kurz Levi, seit ihrer Gründung begleitet, will die städtische Tochterfirma weiterhin mit genügend Kapital ausstatten, um das Projekt City C zu Ende zu bringen. In den laufenden Gesprächen mit der Bezirksregierung über Leverkusens Investitionsplanung habe das frühere Einkaufszentrum höchste Priorität, sagte der OB am Dienstagabend im Forum. Dort veranstaltete der Opladener Geschichtsverein gemeinsam mit der Volkshochschule den nächsten „Bürgerdialog Lev“. In dem ging es diesmal ausschließlich um die Wiesdorfer Innenstadt und das, was die Levi dort umsetzt. Also City C, die Neuvermietung des früheren Kaufhofs und ein Bahnhofsgebäude.
Das interessierte durchaus eine Menge Leute. Unter ihnen waren auch Menschen mit einer Nähe zur Stadtplanung oder zum Projekt City C: Hans-Eckart Krajewski, Baudezernent in Zeiten, als in Leverkusen noch im großen Maßstab etwas bewegt wurde, saß im Publikum. Oder der frühere Kämmerer Rainer Häusler, der gewissermaßen im Ehrenamt den ersten Versuch unternommen hatte, die brach liegende Einkaufspassage zu revitalisieren. Häusler versuchte gemeinsam mit seinem Kollegen Gert Geiger, die härteste Nuss zu knacken: die Eigentümergemeinschaft, in der konstruktionsbedingt völlig gegensätzliche Interessen herrschten. Besitzer günstiger Eigentumswohnungen trafen auf Ladeninhaber und die Sparkasse, und unter allem gab es noch die Stadt als Besitzerin der Tiefgarage mit ihren 1000 Plätzen.
Geschäfte – das ist vorbei
Den Durchbruch in der Sache konnte dann erst Levi-Chef Björn Krischick feiern. Die Auflösung der alten Eigentümergemeinschaft ist Voraussetzung dafür, dass überhaupt großflächig abgebrochen werden kann in der City C. Die wird mit Ausnahme der Sparkasse, des Ärztehauses, eines geplanten Supermarkts und einer Kita ein reiner Wohnstandort werden. Läden, das war einmal und kommt nicht wieder. Was vernünftig klingt angesichts der um sich greifenden Leerstände um den und am Wiesdorfer Platz. Krischick hält es für ratsam, die Nachfrage in der City zu stärken, und das gelinge, wenn man Platz schaffe für an die 1000 neue Bewohner. So viele können es werden, weil auch eine ganze Menge Mikro-Apartments geplant sind.
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So weit waren wir noch nie.
Ob sich das mit dem Boarding-Haus verträgt, von dem auf dem Postgelände die Rede ist, war eine der Fragen aus dem Publikum, die dann der Oberbürgermeister beantwortete. Stefan Hebbel gab sich optimistisch. Möglicherweise auch, weil die etwaige Konkurrenz in weiter Ferne liegt: Nichts deutet derzeit auf einen Baustart auf dem Areal zwischen Europaring und Bahn hin. Das einzige Lebenszeichen hat zuletzt die Stadt gesendet, indem sie die vorgesehene Kreuzung auf dem Europaring angelegt hat. „Wir sind vorbereitet auf das, was kommen mag“ – diese Formulierung wählte der Oberbürgermeister mit Blick auf das Postgelände. Es wurde schon weniger vage über das Großprojekt geredet. Der Umbau der City C ist da weitaus konkreter. „So weit waren wir noch nie“, unterstrich der OB.

Björn Krischick, VHS-Chef Günter Hinken, Stefan Hebbel und Jürgen Mittag (von links) stellten sich auf dem Podium den Fragen der Bürgerinnen und Bürger zur Entwicklung der City.
Copyright: Thomas Käding
Trotzdem dürfte es noch ein halbes Jahrzehnt oder länger dauern, bis aus der leer stehenden Einkaufspassage eine erstaunlich grüne Landschaft geworden ist. Bei der City C brauchen Krischick und sein Team von der Levi einen sehr viel längeren Atem, als sie sich beim früheren Kaufhof leisten können.
Der Bau kostet leer 45.000 Euro im Monat, verriet Krischick. Und weil eine eigens gegründete Levi-Tochter den Bau auf Geheiß der Stadt übernommen hatte, „tickt da eine Zinsuhr: Ich hab’ keine Zeit“, so der Levi-Chef. Also wurde möglichst schnell geplant und umgebaut, um die 20.000 Quadratmeter vermietbar zu machen. Erste Erfolge konnte die Levi schon vermelden. Dass Decathlon sich den Verzicht auf die Lage im Erdgeschoss kompensieren lässt, ließ Krischick auch durchblicken.

So soll die Vorderfront des Corner 82, der früheren Kaufhof-Filiale, nach der Vorstellungen der Stadtentwicklungsgesellschaft Levi einmal aussehen.
Copyright: Leverkusener Immobiliengesellschaft
Mit dem Untergeschoss ist die weitaus problematischste Fläche auch schon vermietet; und am Montag sah ein weiterer Vertrag unterschrieben worden. 1170 Quadratmeter werden nach Informationen des „Leverkusener Anzeiger“ an den schnell wachsenden Non-Food-Discounter Action gehen. Das wäre ein naher Ersatz für den Center Shop, der die Luminaden verlassen hat, was von einer Wiesdorferin am Dienstagabend lebhaft bedauert wurde.
Aus Levi-Sicht – und da gab es von den Anwohnern auch keinerlei Widerspruch – leidet Leverkusens City auch darunter, dass nach Geschäftsschluss nichts mehr läuft. Das Angebot von Cosmo Sports, zudem auch das spektakuläre Axtwerfen gehören soll, könne Abhilfe schaffen. Belebend könnte auch die gewünschte Gastronomie am westlichen Eingang der Fußgängerzone wirken. Spätestens dort gibt es Berührungspunkte mit der Kirchengemeinde, die ihre Pavillons gegenüber ja auch verändern will. Es sei klar, dass aus einem Guss geplant werden muss.
Fehlt nur noch ein wiederbelebter Wochenmarkt. Eine Anwohnerin zeigte sich negativ überrascht, dass in Wiesdorf überhaupt nicht läuft, was in Schlebusch immer größer wird. Ein Mangel, den auch Stefan Hebbel verspürt. Wochenmärkte können ein schwieriges Thema sein. Das merkt man an vielen Stellen in der Stadt.
Erholungshaus muss gerettet werden
Mindestens genauso schwierig wird es sein, das Erholungshaus zu erhalten. Bewohner der Kolonie wünschen sich das sehr. Der Oberbürgermeister konnte immerhin mitteilen, dass intensiv an dem Thema gearbeitet wird. Ein gemeinsames Team von Stadtverwaltung und Bayer AG müsse binnen 90 Tagen ein Konzept erarbeiten, berichtete Stefan Hebbel. Kultur, das betonte auch VHS-Chef Günter Hinken als Moderator, sei überaus wichtig für die City.

Das Kürzel Hbf ist keine Idee, sondern eine Forderung für den künftigen Leverkusener Bahnhof. Im Vordergrund: Teile des Fahrradparkhauses.
Copyright: blrm
Der aber mangelt es nach dem Umbau des Bahnhofs umso mehr an einem angemessenen Entrée. Womit das dritte Levi-Projekt zur Sprache kam: Leverkusen Hauptbahnhof. Einen Architektenentwurf gibt es längst. Ein Reisezentrum im Erdgeschoss wird von Wupsi und Verkehrsverbund garantiert. Dass man 3000 Quadratmeter Bürofläche in der Innenstadt leicht vermietet bekommt, davon zeigte sich Björn Krischick am Dienstagabend überzeugt.
Dass ihn das Stichwort Fahrradparkhaus in Erklärungsnot brachte, war nicht weiter verwunderlich angesichts der Lage in Opladen. In Wiesdorf soll das besser funktionieren, allein wegen der viel höheren Frequenz am Bahnhof und der strikt ebenerdigen Bauweise.
Die Zuhörerschaft zeigte sich etwas weniger optimistisch, aber insgesamt fanden die Pläne durchaus Anklang. Wären sie nur besser bekannt: Versuche der Leverkusener Immobiliengesellschaft, Öffentlichkeit herzustellen, waren auch nach Einschätzung von Björn Krischick allenfalls mittelmäßig erfolgreich. Gut möglich, dass sie zum Beispiel auf dem nächsten Koloniefest vorgestellt werden. Das wäre wohl gut. Schließlich „machen wir hier so etwas wie eine zweite Innenstadtgründung“. Das ist die Einschätzung von Jürgen Mittag vom Opladener Geschichtsverein.

