Abo

ParalympicsBergneustädter Jano Bußmann erlebt Turnier wie eine Klassenfahrt

4 min
Deutsche Para-Eishockey-Mannschaft

Die deutsche Para-Eishockey-Nationalmannschaft mit Jano Bußmann (h., 4. v.r.) hat sich in Mailand schon eingelebt.

Der Bergneustädter Jano Bußmann startet mit der Para-Eishockey-Nationalmannschaft bei den Paralympics in Mailand.

Beim Telefongespräch mit der Heimatzeitung muss Jano Bußmann plötzlich laut lachen, im Hintergrund ertönen spitze Schreie der Teamkollegen Felix Schrader, Leopold Reimann und Simon Kunst. „Es ist ein bisschen wie auf Klassenfahrt“, berichtet Bußmann, noch immer glucksend, von seinen Eindrücken aus Mailand. „Die Stimmung ist wirklich gut.“

„Ich hab richtig Bock“: Bußmann fiebert Auftakt entgegen

Kein Wunder: Zum ersten Mal seit Turin 2006 hat sich die deutsche Para-Eishockey-Nationalmannschaft wieder für Paralympische Spiele qualifiziert – mit dabei ist er 18-jährige Bergneustädter Bußmann, als Jüngster im Team von Trainer Peter Willmann. Seit Sonntagabend ist die deutsche Auswahl in der norditalienischen Metropole.

Die Zimmer im Dorf sind bezogen –   Bußmann teilt sich eins mit seinem Wiehler Teamkollegen Marcel Malchin – die Kabine in der gut 11.000 Zuschauer fassenden Santagiulia-Arena ebenfalls. Ein Werbespot für einen Sponsor ist abgedreht, erste Gespräche mit den Spielern aus anderen Ländern wurden geführt, ein paar Trainingseinheiten und ein Besuch der Deutschen Schule   absolviert.

Am Geburtstag gegen Weltmeister USA

Nach der Eröffnungsfeier am morgigen Freitag in Verona, der das „Team D“ wegen begrenzter Kapazitäten und vor allem der Vergabe von Wildcards an russische und belarussische Sportler durch das Internationale Paralympische Komitee   fernbleiben wird, geht es am Samstag (13.35 Uhr) los mit dem Turnier. Bußmann kann es kaum erwarten.

„Ich hab richtig Bock, ich möchte gegen China gewinnen“, stellt der gebürtige Gummersbacher vor dem Auftakt gegen den Bronzemedaillengewinner von Peking 2022 klar. Bloß nicht wieder „so ein blödes 0:8 wie bei der WM, das war ja viel zu hoch“, ergänzt Bußmann. Am zweiten Spieltag gegen Weltmeister und Titelverteidiger USA (Montag, 9. März, 17.05 Uhr) feiert er seinen 19. Geburtstag. Bei der letzten Paralympics-Teilnahme der deutschen Schlitten-Eishockeyspieler war er noch gar nicht geboren.

Große Bühne in der Santagiulia-Arena

Seine Eltern und ein paar Freunde werden am Ehrentag in Mailand dabei sein. Nettigkeiten vom Gegner erwartet der Oberberger nicht – eher „eine schöne 0:10-Klatsche als Geburtstagsgeschenk“, sagt Bußmann und lacht. „Die Amis haben mehr als 300 mögliche Nationalspieler, da brauchen wir uns nichts vormachen.“ Allerdings könne die deutsche Mannschaft „was lernen“.

Der dritte Kontrahent Italien (Dienstag, 10. März, 10.05 Uhr) hingegen, der sich für die Paralympics mit dem ehemaligen US-Auswahlspieler und Ex-Doper Nikko Landeros verstärkt hat, sei schlagbar. „Ich bin mal gespannt, ob sie als Gastgeber die Halle vollbekommen“, sagt Bußmann. Diese sei wahrscheinlich die größte, in der er je angetreten sein wird, und „von innen richtig cool. Ich habe richtig Lust, da drin zu spielen.“

Poncho sorgt für Gesprächsstoff

Bei den Paralympics, die live im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und per Livestream übertragen werden, schauen mehr Menschen zu als üblich. Nervös macht das den Angreifer der Wiehl Penguins und von Pardubice/Tschechien nicht. „Darüber sollten wir nicht so viel nachdenken, und uns nicht davon verrückt machen lassen.“

Im Paralympischen Dorf gefällt es Bußmann ganz gut, obwohl „ein paar Dinge etwas unfertig wirken“, wie er berichtet. Zum Beispiel sei der Essenssaal in der rund um die Uhr geöffneten Mensa nicht gestrichen worden. Doch dafür sei das Angebot reichhaltig und schmackhaft: „Es gibt ein Buffet mit Pizza und Pasta, dazu auch Fleisch, Fisch und Gemüse sowie Getränke“, zählt er auf. „Man kann es sich schon gut gehen lassen.“ Auch ein Fitnessbereich gehört zur Anlage.

Auf dieser haben Bußmann und seine Kollegen schon die eine oder andere Runde gedreht – unter anderem gekleidet in dem Poncho der deutschen Olympia- und Paralympics-Kollektion, der wegen seines Angler-Looks vielfach kritisiert wurde. Aber auch wenn er für Rollstuhlfahrer ein bisschen unpraktisch sei: „Bei uns finden den Poncho eigentlich alle cool. Die Amis wollten sogar gerne tauschen“, erzählt Bußmann.

Überhaupt scheinen Tauschgeschäfte im Dorf ein großes Ding zu sein: Die Athletinnen und Athleten handeln eifrig mit den offiziellen Pins der Verbände und Sponsoren – auch Bußmann. Man muss eben alles mitnehmen auf so einer Klassenfahrt   nach Mailand.


Kritik von Beucher

Friedhelm Julius Beucher, Ehrenpräsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) aus Bergneustadt, hat die Entscheidung des Internationalen Paralympischen Komitees, dass russische und belarussische Athleten teilweise zu den Paralympics zugelassen werden, als einen „Skandal“ bezeichnet. In einer bundesweit beachteten Stellungnahme, die am Dienstag durch die Medien ging, verwies Beucher unter anderem auf die systematischen Verstöße der russischen Sportorganisation und zudem auf die politische Dimension des Angriffskriegs gegen die Ukraine. Der SPD-Politiker Beucher wird zitiert: „Es geht nicht nur um Sport, sondern um Werte, die hier mit Füßen getreten werden.“