Erst Ende Januar hatte Amtsinhaber Matthias Thul (CDU) im vergangenen Jahr bekanntgegeben, dass er gerne weitermachen würde.
BilanzIn Bergneustadt polarisierte 2025 vor allem die Kommunalwahl

Um Gottes Segen für die Besatzung baten Pfarrer Andreas Spierling (r.) und Kreisdechant Christoph Bersch am 18. Januar 2025 bei der offiziellen Übergabe der neuen Drehleiter und des Gerätewagens Logistik an die Bergneustädter Feuerwehr. Stationiert sind beide Fahrzeuge seither beim Löschzug in der Innenstadt, der dieses Jahr übrigens 150 Jahre alt wird.
Copyright: Siegbert Dierke (Archivfoto)
Als die Menschen zwischen Pernze und Sessinghausen auf das neue Jahr 2025 anstoßen, wissen sie, dass sie im Spätsommer zur Bürgermeisterwahl gerufen werden. Welche Namen sie dann ankreuzen können, wissen sie aber noch nicht. Erst Ende Januar gibt Amtsinhaber Matthias Thul (CDU) bekannt, dass er gerne weitermachen würde. Die SPD lässt sich noch bis Mai Zeit, bevor sie Herausforderer Christian Hannes nominiert, und UWG-Chef Jens-Holger Pütz erklärt sogar erst im Juni seine Teilnahme am Dreikampf ums Rathaus. Der Rest ist Stadtgeschichte: Die breite Mehrheit stimmt für Thul, eine Stichwahl wird überflüssig.
Überhaupt befeuert die bevorstehende Kommunalwahl den Ideenwettbewerb zwischen den Bergneustädter Parteien: Die einen möchten auf dem früheren Extramarkt-Gelände Wohnungen bauen, die anderen lieber am Schullandheim. Manche wünschen sich ein eigenes Polizeirevier, manche mehr Strom aus Sonnenenergie. Über allem thront allerdings eine lange Sparliste, denn Bergneustadt muss in die Haushaltssicherung zurückkehren. Die Steuern bleiben hoch, Hunde werden teurer, der Tourismus eingespart und die Musikschule umorganisiert, um die Haushaltslöcher zu stopfen.
Bilanz: Jägerhof Bergneustadt strapazierte im Jahr 2025 die Geduld
Die erste Zusammenkunft des neu gewählten Stadtrates im November wird zur Marathonveranstaltung – die inzwischen mit sechs Stadtverordneten um den Ex-FDP-Mann Wolfgang Lenz vertretene AfD blockiert, wo sie nur kann. Zum Jahresende wird ihre Arbeit konstruktiver – und das ist gut so, denn Baustellen, die den Zusammenhalt aller politischen Farben fordern, gibt es genug. Die medizinische Versorgung vor Ort bleibt angespannt. Und das Projekt Jägerhof scheint inzwischen den Geduldsfaden aller Fraktionen zu strapazieren. Hochmodernes in uralter Schale soll dort oben in der Altstadt entstehen, doch die Stadtverordneten bezweifeln zunehmend, ob man Gemäuer und Gebälk jemals zu bezahlbarem Preis auf Vordermann wird bringen können.
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Abseits der eher deprimierenden Haushaltszahlen gibt es 2025 an Dörspe und Othe aber auch eine ganze Menge zu feiern. Vorneweg den 724. Stadtgeburtstag, der zur Generalprobe für das runde Jubiläum wird und Ute Rink den Stadtdukaten einbringt. Jeweils ein Jahrhundert Firmengeschichte vollenden die Konditorei Gießelmann genauso wie die Gärtnerei Krumme. Und immerhin den zehnten Geburtstag feiert die Bergneustädter Kinderfeuerwehr. Die Landsknechte und Marketenderinnen des Heimatvereins schaffen es mit dem Weinfest im September sogar, dem prall gefüllten Neustädter Kulturkalender noch eine echte und vor allem gemütliche Premiere rund um das Heimatmuseum hinzuzufügen.
Den Sommer verbringen die Bergneustädter im Stau. Arbeiter sanieren die Kreisstraße 23 hinunter zur Staumauer der Aggertalsperre, sämtliche Fahrzeuge rollen jetzt über Derschlag und an der dortigen Hauptkreuzung geht zeitweise nichts mehr. Als das beendet ist, ziehen die Bagger weiter an die Bergstraße, nun geht der Umleitungsverkehr den Menschen in der Hunschlade auf die Nerven. Relativ zügig geht dagegen der Glasfaserausbau über die Bühne – so schnell, dass die Stadt dafür sogar eine Urkunde bekommt.
Vier Mal wurde 2025 in Bergneustadt der Stadtalarm ausgelöst
2025 ist in Bergneustadt auf jeden Fall auch ein Jahr der Farben. Das Grün-Weiß an Pfingsten kann allerdings nicht kaschieren, dass sich die Schützen über immer neue Vorgaben der Behörden für Fest und Umzug ärgern. Viel harmonischer ist es da am Aussichtspunkt auf die Aggertalsperre, wo ein neues Gitternetz Verliebte dazu einlädt, ihre leuchtenden Liebesschlösser einzuklinken. Ungefähr ein Jahr nach der Aufstellung oberhalb der Staumauer muss man sagen: Es füllt sich, es wird kunterbunt.
Viel Arbeit haben im abgelaufenen Jahr – wieder einmal – die Frauen und Männer in den fünf Einheiten der städtischen Feuerwehr. Vier Mal lässt Wehrchef Michael Stricker sogar Stadtalarm auslösen – im Frühjahr bei einem Waldbrand nahe Kleinwiedenest, bei den beiden Dachstuhlbränden in Wiedenest und an der Enneststraße sowie kurz vor Silvester, als in Neuenothe zwei Häuser in Flammen aufgehen. Zur Unterstützung der Ehrenamtler greift die Stadt tief in die Kasse und modernisiert den Fuhrpark weiter: Im Januar werden die neue Drehleiter und ein Gerätewagen übergeben, im Herbst kommen zwei Transportwagen für die Innenstadt und den Löschzug Hackenberg hinzu.
Noch einen großen Schritt von der Modernisierung entfernt ist dagegen die Evangelische Impuls-Kirchengemeinde Lieberhausen-Bergneustadt, die bekanntgeben muss, dass Turm und Dachstuhl der Altstadtkirche Sanierungsfälle sind. Feuchtigkeit hat sich unter die Außenhaut gemogelt und zumindest einigen statisch relevanten Hölzern zugesetzt. Für die Gemeinde kommt die Nachricht zur Unzeit, denn auch die Kirche muss sparen. Inzwischen ist ein Förderverein gegründet, der auch schon fleißig Spenden sammeln konnte. Denn da sind sich die Bergneustädter einig: Auf den Zwiebelturm, das weithin sichtbare Wahrzeichen hoch über der Altstadt, werden sie garantiert nicht verzichten. Schon gar nicht im Jahr des 725. Stadtgeburtstags.

