Beide Kirchenbauten in Engelskirchen-Osberghausen werden am Sonntag, 29. März, mit einer Kunstaktion verbunden.
AusstellungGerd Lony nutzt die frühere evangelische Kirche in Osberghausen als Kunstgalerie

Gerd Lony präsentiert sie nicht wie in einem Museum, sondern wie bei einem Besuch im Atelier.
Copyright: Siegbert Dierke
Gerd Lony ist kaum zu bremsen. „Rede ich zu viel?“, fragt er den Besucher und schreitet schon zum nächsten Bilderstapel, um ein weiteres Werk hervorzuholen und mit Begeisterung von Motiven, Farben und Linien zu schwärmen. Lony ist zwar auch ein Kaufmann, als Gastgeber in seiner „Galeriekirche“ aber vor allem ein Kunstliebhaber. „Das hier ist keine Arbeit für mich“, sagt der 66-Jährige, „das ist ein Hobby, und ich werde es noch lange machen.“

Großformatige Malerei von Pascal Scherwitz dominiert derzeit den großen Saal der „Galeriekirche“.
Copyright: Siegbert Dierke
2007 hat die evangelische Kirchengemeinde das Mitte der 50er Jahre errichtete Gebäude im Engelskirchener Osten wegen der zurückgehenden Gottesdienstbesuche aufgegeben. 2011 kaufte es Lony, um von dort aus den Vertrieb von Produkten für Diabetiker und zur Gewichtsreduzierung zu organisieren, mit denen seine Firma handelt. Er wohnt seit 1998 gegenüber auf der anderen Seite des Aggertals und merkte auf, als er in der Zeitung davon las, dass die Kirche zum Verkauf steht. Dass er einen Teil seiner Kunstsammlung dort aufhängen könnte, war zunächst nur ein Nebeneffekt.
Gerd Lony ist in der Nähe von Braunschweig in einem kunstsinnigen Haushalt aufgewachsen, schlug nach dem Abitur eine Offizierslaufbahn bei der Marine ein, bevor er Betriebswirtschaft studierte. Mit 40 ging er nach Köln und machte sich selbstständig. Schon immer hat er Kunst gesammelt, Grundstock waren Bilder seines malenden Vaters. Bei einer Urlaubsreise nach Paris machte ihn eine Galeristin mit zeitgenössischer Malerei aus Frankreich bekannt, von nun an ein Schwerpunkt von Lonys Sammelleidenschaft. Bald lernte er die Maler auch persönlich kennen, und schließlich überzeugte ihn einer davon, sich für den Verkauf seiner Bilder in Deutschland einzusetzen. Aus dem Sammler wurde ein Galerist.

Die frühere evangelische Kirche in Engelskirchen-Osberghausen.
Copyright: Siegbert Dierke
„Emotionale Kunst von Menschen, die um ihr Leben malen“ – auf diesen Nenner bringt Gerd Lony seine Künstler. Er vertritt so verschiedene Stilisten wie Edi Dominique Dubien, Laudac und Monsieur Jamin. Dazu kommen Künstler aus der Nachbarschaft, mit dem Fotografen Wolfgang Weiss ist auch ein Oberberger dabei. Erst vor wenigen Tagen hat er den Nachlass von Gisbert Tönnis (1939-2023) bekommen. Als Professor für Malerei der humanwissenschaftlichen Fakultät der Uni Köln habe Tönnis es nicht nötig gehabt, Bilder zu verkaufen, sagt Lony. Darum könne er jetzt gleich 39 Werke präsentieren.
Dominiert wird der Kirchenraum derzeit aber von Großformaten, die Pascal Scherwitz der Osberghausener Galeriekirche anvertraut hat. Scherwitz ist im Hauptberuf Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie am Vinzenz-Pallotti-Hospital in Bensberg, seit mehr als 40 Jahren aber auch ein passionierter Maler, dessen altmeisterliche Technik an die surrealen Traumbilder von Neo Rauch erinnert, aber noch deutlicher an die barocke Tradition anknüpft. So finden sich in Scherwitz' Bildern auch viele christliche Motive, wie gemalt für diesen Raum, zu dessen Ausstattung noch immer ein großes Kreuz und eine funktionstüchtige Orgel gehören.
Die Kunst ist für Gerd Lony eine spirituelle Kraftquelle. Jeden Morgen gönne er sich eine Viertelstunde, um mit seinen Bildern allein zu sein. Auch seine Besucher lädt er ein, sich für die verabredeten Termine (Kontakt über lony.art) Zeit zu nehmen, und die Bilder mit einer Tasse Espresso in aller Ruhe zu betrachten. „Ich selbst habe immer langsam gekauft, jedes Bild vorher mindestens dreimal angesehen.“ Wer für ein Scherwitz-Triptychon 20.000 Euro und mehr ausgibt, sollte sicher sein, „dass man sich jeden Tag darauf freut, es zu sehen.“ Erst in zweiter Linie sollte man das Bild als Sachwert sehen und erst in dritter Linie als Objekt einer möglichen Wertsteigerung.
Gerd Lony ist davon überzeugt, dass hochwertige Kunst in diesen Zeiten ihr Geld wert ist: „Es gibt eine große Verunsicherung bei den Menschen, Sorge vor Krieg und Wirtschaftskrise – da braucht man etwas, was dagegen hält, was Halt und Freude gibt.“ Fast ein Wort zum Sonntag.
Kunstaktion
Beide Kirchenbauten in Engelskirchen-Osberghausen werden am morgigen Sonntag mit einer Kunstaktion verbunden. Das Programm beginnt um 15.45 Uhr mit einer Performance von Angelika Moths, Malte Lück und BBB Johannes Deimling in der katholischen CulturKirche Oberberg, Em Depensiefen 4, unter dem Titel „Suchen“. Gegen 16.30 Uhr führt eine Prozession zur ehemaligen evangelischen Kirche auf der anderen Talseite mit dem Titel „Sehen ist gehen“. Dort in der „Galeriekirche Osberghausen“ findet die Aktion ihren kreativen Abschluss in einer Ausstellung mit dem Titel „Warten“, die gegen 17.15 Uhr eröffnet wird.

