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Kampf gegen die Staude ist eine Herkules-Aufgabe„HerkuleX“ vernichtet am Aggerufer den Riesenbärenklau

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Im Kampf gegen die gefährliche Pflanze: Petra Voll und Hans-Jürgen Keck graben eine Herkulesstaude aus.

Im Kampf gegen die gefährliche Pflanze: Petra Voll und Hans-Jürgen Keck graben eine Herkulesstaude aus.

Die Herkulesstaude ist eine invasive Pflanze, die gefährlich ist. Dem Kampf dagegen hat sich die Gruppe „HerkuleX“ verschrieben.

„Erfolge gibt es, aber es wird wohl nie enden“, sagt Hans-Jürgen Keck beim Saisonauftakt der Gruppe „HerkuleX“ am Samstagvormittag am Bahndamm in der Engelskirchener Ortschaft Osberghausen. Die Nabu-Ortsgruppe hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Ausbreitung der Herkulesstaude, eine invasive Pflanzenart aus dem Kaukasus, weitestgehend einzudämmen.

Keck hat mit seiner Frau Petra Voll die Patenschaft über die Aggerufer vom Damm der Stauanlage Wiehlmünden bis zur Dörrenberg-Brücke übernommen. Seit drei Jahren rückt das Paar den auch Riesen-Bärenklau genannten Pflanzen zu Leibe. Nicht nur Familien mit Kindern würden ihnen diesen Einsatz danken, auch Angler, die dadurch besser ans Wasser kommen: „Einer hat mir einmal eine richtig große Forelle geschenkt.“

Pflanze wird bis zu vier Meter hoch

„Es ist unglaublich, was diese Pflanzen an Biomasse produzieren“, schildert Christian Buresch, der Koordinator der Gruppe. Er beschreibt, dass sie im Sommer bis zu vier Meter hoch werden. Nachteilig sei, dass sie durch ihr ausladendes Blattwerk heimische Arten beschatten und verdrängen würden. Die eigentliche Gefahr gehe jedoch vom giftigen Saft der Pflanze aus – insbesondere bei Sonnenschein. Das betreffe vor allem spielende Kinder und Haustiere.

Während der Aktion am Samstag hat es permanent geregnet. Das war zwar ungemütlich, aber ungefährlicher für die Mitglieder der Gruppe, die die Wurzeln der Herkulesstauden mit Spaten und Grabegabeln aus dem Boden holen. Noch sind sie klein, an ihrem dichten, gezackten Blattwerk aber deutlich zu erkennen. Buresch erklärt, dass diese frühzeitige Bekämpfung die wirksamste Methode ist. Die Pflanzen seien zweijährig und produzierten im ersten Jahr nur Grün, was die Speicherknolle im Boden mit ausreichend Energie versorgt, um im zweiten Jahr den Blütenstängel, der bis zu einem Meter im Durchmesser habe, hervorzubringen.

Frühzeitige Bekämpfung ist wichtig

In früheren Jahren hatte die Gruppe darauf gesetzt, diese Stängel mit Tausenden von Samen abzusensen: „Diese Strategie mussten wir ändern, denn dann hat die Pflanze neue Blüten erzeugt – mit noch mehr Samen.“ Erst ab Juli funktioniere das wieder. Da gebe es zwar keine Notblüten mehr, dafür sei dann aber Eile geboten, um den Blütenstand vor der Samenreife zu vernichten. Christian Buresch betont, dass diese keinesfalls kompostiert werden dürften, was eine weitere Verbreitung fördert: „Die Samen sind bis zu zehn Jahre lang keimfähig.“

Dankbar ist er dem Bergischen Abfallverband, der HerkuleX in diesem Jahr 70 Abfallsäcke für den Transport in die Müllverbrennungsanlage genehmigt hat. „Wie der Name schon sagt, ist die Bekämpfung der Staude eine Herkulesaufgabe“, schmunzelt Buresch. Mut macht ihm das Vorbild im Kreis Siegen-Wittgenstein, wo die Pflanze nach 15 Jahren konsequenter Beseitigung nahezu als ausgerottet gilt: „Dranbleiben ist alles.“ Auch an der Lindlarer Sülz hätte die Biostation Oberberg bereits gute Erfolge erzielt.

Durch eine Ankündigung in dieser Zeitung sind auch Claudia Feldhoff und ihr Sohn Oliver aus Hohkeppel auf die Aktion aufmerksam geworden. Neben der Unterstützung der Helfer war ihnen wichtig, etwas über den Umgang mit der Herkulesstaude zu lernen. Oliver ergänzt: „Wenn HerkuleX auch Zuspruch von außerhalb erfährt, stärkt das die Moral der Gruppe.“


Tipps zum Umgang

In allen Pflanzenteilen der Herkulesstaude ist das Gift Furocumarin enthalten, das auch noch Tage später nach dem Kontakt in Kombination mit UV-Strahlung eine chemische Reaktion auf der Haut auslöst, die zu verbrennungsähnlichen Schäden führt. Nach einer Berührung der Pflanze: Die betroffene Stelle sofort mit Wasser und Seife gründlich waschen, in den Tagen danach die Sonne meiden und in den Folgemonaten Sonnencreme auftragen. Noch Jahre nach dem Kontakt kann die Haut empfindlich auf Sonnenstrahlung reagieren.Bei der Bekämpfung der Herkulesstaude spritzdichte Schutzkleidung, Schutzbrille und wasserundurchlässige Handschuhe tragen, wegen der Spritzgefahr keine Motorgeräte einsetzen, die Arbeiten bei bedecktem Himmel oder in den Abendstunden durchführen. Die Pflanzenteile, egal ob Wurzeln oder Blüten, als Restmüll entsorgen – keinesfalls in der Bio-Tonne.