Wegen eines Fehlers in der Preiseinstellung waren zu günstige Preise angezeigt worden. Die Tanken wurden überrannt und am Nachmittag dicht gemacht.
Zu günstige SpritpreiseTotales Chaos am Ostermontag an mehreren Tankstellen in Engelskirchen

Hinweisschilder an den Zapfsäulen wiesen auf den technischen Defekt hin.
Copyright: Thielen
Weit reichten die Autoschlangen am Ostermontag an mehreren Tankstellen im Engelskirchener Gemeindegebiet, darunter bei Avia in Osberghausen und Wiehlmünden, bei Jäger in Büchlerhausen und bei bft Wedding in Engelskirchen. Grund für den Ansturm auf diese Tankstellen waren überraschend günstige Spritpreise ab dem Mittag. Super für 1,98 Euro, E10 sogar nur für 1,92 Euro und 2,18 Euro kostete der Diesel. Solche Preise standen in den Tank-Apps. Das wollten viele nutzen und reihten sich in die langen Autoschlangen ein. Wer früh da war, der hatte Glück.
Ein Ostergeschenk? Wohl kaum! „Wohl ein technischer Defekt“, vermutet am Montag ein Tankstellenmitarbeiter bei Jäger in Büchlerhausen. Als er seine Schicht am Nachmittag begonnen habe, sei in Büchlerhausen bereits alles dicht gewesen. „Wir mussten die Säulen sperren und müssen nun bis morgen abwarten. Es ist alles leergetankt“, sagt er schulterzuckend. Auch an den anderen Tankstellen, wo die Preise zuvor noch auffällig günstig waren, sah es am Montagnachmittag ähnlich aus. Überall waren die Schotten vor den Kassenhäusern dicht und die Anzeigetafeln ausgeschaltet. Auf einem Zettel im Fenster der Avia-Tankstelle in Osberghausen steht: „Die Tankstelle öffnet erst wieder am 7. April ab 12 Uhr.“

Lange Staus bildeten sich an den Tankstellen, so wie hier vor der bft-Tankstelle in Engelskirchen.
Copyright: Thielen
Ein Mann ärgert sich. „Eigentlich haben die doch bis 21 Uhr auf“, sagt er und schaut in seine Tank-App. Dort hatte der Dieringhausener die günstigen Preise gesehen und sich ins Auto gesetzt. Um halb sieben am Abend ist er jedoch längst zu spät, da ist in Osberghausen und Wiehlmünden bereits alles dicht. „Darüber bin ich wirklich enttäuscht“, sagt er.
Ebenso geht es Andrea Bujock aus Engelskirchen und Lena Klein aus Köln. Auch sie waren per App auf die günstigen Preise aufmerksam geworden und stehen in Osberghausen vor verschlossenen Türen. „Die hohen Spritpreise sind eine finanzielle Belastung. Natürlich hätten wir gerne die Chance genutzt, so günstig zu tanken“, sagt Bujock, die nur noch 50 Kilometer Reichweite im Tank ihres Wagens hat. Lena Klein geht es nicht anders. Auch der Tank ihres Autos ist fast leer und sie muss an diesem Abend noch zurück nach Köln fahren.
In Wiehlmünden schüttelt eine junge Frau den Kopf. Sie habe es bereits an mehreren Tankstellen im Gemeindegebiet versucht. „Alle zu“, sagt auch sie und zückt ihr Handy, um das Schild an der verschlossenen Türe des Kassenhauses zu fotografieren, das darauf hinweist, dass wegen des technischen Defekts momentan kein Verkauf möglich sei.

Am Nachmittag wurde die Jäger-Tankstelle in Büchlerhausen abgesperrt.
Copyright: Thielen
In Büchlerhausen ist derweil gegen kurz vor acht am Abend wieder etwas Ruhe eingekehrt. Nur noch wenige Autofahrer kommen vorbei und drehen gleich wieder ab, weil das Team der Jäger-Tankstelle den gesamten Tankbereich mit Flatterband abgesperrt hat. Einige Schaulustige beobachten das ganze.
So friedlich sei es kurz zuvor nicht gewesen. Der junge Tankstellenmitarbeiter von Jäger berichtet: „Einige haben teilweise eine Stunde lang in ihren Autos gewartet, und dann mussten wir sperren. Die waren natürlich sauer und sind teilweise richtig aggressiv geworden.“ Er fügt hinzu: „Es ist verrückt, das ganze.“
Am nächsten Tag erklärt Dorothe Hoffmann von der bft-Tankstelle Wedding in Engelskirchen: „Was die Ursache für den Fehler ist, wissen wir leider immer noch nicht, aber es gab definitiv einen Fehler bei der Preiseinstellung. Und da wir und auch andere Tankstellen uns an den Preisen der Mitbewerber um uns herum orientieren, sind die Preise an mehreren Tankstellen parallel runtergegangen.“ Seit Inkrafttreten der neuen Tank-Regel (siehe Kasten), darf nur noch einmal am Tag, um 12 Uhr, eine Preiserhöhung erfolgen und danach nicht mehr händisch erhöht werden. So nahm das Chaos am Montag seinen Lauf.
„Wir sind komplett überrannt worden, mussten irgendwann sogar jemanden abstellen, der den Verkehr auf unserem Gelände versucht hat zu regeln. Aber irgendwann ging nichts mehr“, berichtet Hoffmann. An einer anderen Tankstelle sei es sogar zur Prügelei an der Tanksäule gekommen. „Wir haben nachmittags die Reißleine gezogen, um eine Massenpanik zu verhindern“, so Hoffmann weiter. Als die Polizei wegen des Verkehrschaos nach Engelskirchen ausrückte, sei die bft-Tanke schon geschlossen gewesen und die Lage hatte sich beruhigt, berichtet Polizeisprecher Marc Leporin.
Am Dienstag blieben die betroffenen Tankstellen aus diesen Gründen bis 12 Uhr und zur nächsten Preiseinstellung geschlossen. Mit Preisen von 2,46 Euro für Diesel und 2,20 Euro für Super E10 war am Dienstagmittag wieder alles beim alten.
Neue Preisregelung für Tankstellen
Der Deutsche Bundestag hat jüngst zum 1. April 2026 mit großer Mehrheit eine neue Tankregel beschlossen. Festgehalten ist diese Regelung im Kraftstoffpreisanpassungsgesetz, auch Spritpreis-Paket genannt. Demnach haben die Tankstellen nur noch einmal am Tag, um 12 Uhr, die Möglichkeit, die Tankpreise zu erhöhen. Dabei orientiert man sich an Österreich, wo diese Regelung bereits besteht. Günstiger dürfen die Preise dagegen jederzeit werden. Damit soll laut Bundestag der extremen Schwankung der Spritpreise seit Beginn des Krieges im Iran entgegengewirkt werden. Zudem soll die Regel für mehr Transparenz an der Zapfsäule sorgen.
Die neue Preisgestaltung soll für „sämtliche Otto- und Dieselkraftstoffe“ gelten. Verstöße sollen mit Bußgeldern bis zu 100.000 Euro geahndet werden, heißt es auf der Seite des Deutschen Bundestages zum Thema. Dort heißt es weiter: „Das Vorhaben soll zunächst zeitlich befristet gelten und nach ,einem Jahr evaluiert' werden.“

