In Oberberg gibt es immer weniger Lehrstellen: Der Ausbildungsmarkt ist aus Expertensicht „im Griff der Wirtschaftskrise“.
AusbildungsmarktIn Oberberg gibt es weniger Stellen für mehr Azubis

Die Blockade der Straße von Hormus sorgt auch in der Region Oberberg für eine Krise der Wirtschaft.
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Die Zahl der guten Nachrichten vom Ausbildungsmarkt in der Region ist überschaubar. Es gibt sie noch und die Verantwortlichen sind auch ein wenig stolz darauf, doch der Trend aus dem letzten Jahr setzt sich leider fort: Die Zahl der von Unternehmen gemeldeten Ausbildungsstellen wird immer geringer. Und gleichzeitig steigt die Zahl von jungen Menschen, die eine Ausbildungsstelle suchen und sich an die Agentur für Arbeit wenden, wie die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit, Nicole Jordy, am Dienstag beim Pressegespräch berichtet.
Dabei klagen die Unternehmen seit Jahren über den Fachkräftemangel. Ohne Ausbildung dürfte dieser weiter zunehmen, wie auch Michael Sallmann, Leiter der Geschäftsstelle Oberberg der IHK zu Köln, einräumt. Allerdings, so betont er, sei der aktuelle Druck auf die Unternehmen so groß, dass sie auch im Bereich Ausbildung sparen würden.
„Im Griff der Wirtschaftskrise“
Sei es, dass sie nur jedes zweite Jahr einen Auszubildenden nehmen oder im schlimmsten Fall ganz darauf verzichten. „Ausbildungsmarkt Oberberg im Griff der Wirtschaftskrise“ ist dann auch das Handout überschrieben, das die Ausbildungsinitiative Oberberg mit den aktuellen Zahlen vorbereitet hat. Marcus Otto, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bergisches Land, sagt klipp und klar, dass sich bis bis Mai der Krieg am Golf geklärt haben müsse. „Sonst wird es dunkel hier“, lautet seine Befürchtung.
Doch zurück zu den reinen Zahlen der Arbeitsagentur: In Oberberg haben die Unternehmen bisher 1158 Ausbildungs- und duale Studienplätze gemeldet. Das sind 40 Stellen bzw. 3,3 Prozent weniger als vor einem Jahr. Rein rechnerisch kommen damit auf 100 Stellen 120 Bewerberinnen und Bewerber. Es blieben 765 Ausbildungs- und duale Studienplätze unbesetzt. Bis zur Halbjahresbilanz des Ausbildungsmarktes haben sich in Oberberg insgesamt 1376 Interessierte für eine Ausbildungsstelle oder ein duales Studium bei der Berufsberatung gemeldet. Das sind 173 Personen (14,4 Prozent) mehr als vor einem Jahr.
Viele Ausbildungsverträge werden erst später abgeschlossen
„Keinen Grund zur Sorge“, sieht aktuell auch Sina Schmelz, Leiterin Ausbildung der IHK Köln. „Es zeigt sich zunehmend, dass viele Ausbildungsverträge erst später abgeschlossen werden.“ Doch die aktuellen Zahlen für Oberberg, die Sallmann vorstellte, zeigen schon den Abwärtstrend: Zum Stichtag 30. März lagen der IHK 203 Ausbildungsverträge vor. Das sind 10,3 Prozent oder 23 Verträge weniger als im Vorjahr. Für Sallmann ist das einmal mehr der Beleg dafür, wie stark der industriell geprägte Wirtschaftsraum Oberberg von der aktuellen Wirtschaftskrise betroffen ist.
„Nach dem Minus von insgesamt acht Prozent im Ausbildungsjahr 2024/25 bei allen Ausbildungsberufen macht uns besonders der erneute Rückgang bei den gewerblich-technischen Industrieberufen (nochmals 19 Prozent minus) Sorgen“, so Sallmann. Für die IHK ist klar: Ohne einen Aufschwung der Wirtschaft mit Investitionen in Maschinen und Menschen werde auch die Berufsausbildung nicht aus der Abwärtsentwicklung rauskommen.
Stabil zeigt sich allerdings der Ausbildungsmarkt im Handwerk. Otto berichtete von einem Plus von 15,6 Prozent bei den unterzeichneten Ausbildungsverträgen im Vergleich zum Vorjahr. Er beklagte, dass nach wie vor an Gymnasien die Offenheit dafür fehle, nach dem Abitur eine Ausbildung im Handwerk zu absolvieren. Dabei biete gerade das Handwerk Perspektiven, Sicherheit und Stabilität.
Otto berichtete allerdings auch von Kurzarbeit und Insolvenzen im Handwerk. Beides führte er darauf zurück, dass es viele Handwerksbetriebe gebe, die zu einem hohen Prozentsatz für Industrieunternehmen arbeiteten.

