Nicht nur für Oberberger: In der Selbsthilfegruppe „HörPause“ unterstützen sich Menschen mit Hörschädigung gegenseitig.
Angesiedelt in GummersbachDiese Selbsthilfegruppe arbeitet auch mit Untertiteln

Die barrierefreie Software „Inklusiva Call“ ermöglicht den Teilnehmern die Treffen. Die Gruppe ist an die Gummersbacher Selbsthilfe-Kontaktstelle angedockt.
Copyright: Matthias Pohl
Eine Reha-Maßnahme im Zentrum für Hörgeschädigte in Rendsburg war der Ursprung der Selbsthilfegruppe „HörPause“, die sich mittlerweile seit rund zwei Jahren regelmäßig trifft. Denn bei ihrem Aufenthalt in Rendsburg hatten einige der Betroffenen den Wunsch, weiterhin in Kontakt zu bleiben und am liebsten noch ein paar weitere Menschen dazu zu holen. Inzwischen ist die Gruppe über Andrea Luhnau, selbst Betroffene und Mitarbeiterin im Haus der Selbsthilfe, an die Gummersbacher Selbsthilfe-Kontaktstelle angedockt, bekam von der Kreisstadt aus Starthilfe, hat aber Mitglieder, die in ganz Deutschland verstreut leben. Denn die HörPause mit ihren rund 15 Aktiven trifft sich jeweils am zweiten Dienstag des Monats ab 19.45 Uhr digital.
Genutzt wird dabei „Inklusiva Call“, eine barrierefreie Software, die die Gespräche untertiteln kann, wenn das gewünscht wird. Markus lacht, als er davon berichtet, dass die Online-Treffen anfangs für manche in der Gruppe herausfordernd waren und sie ein bisschen suchen mussten, bis sie mit Inklusiva Call das passende Angebot fanden. Mittlerweile allerdings helfen sich alle gegenseitig, wenn es technisch irgendwo hakt, schnelle Absprachen laufen auch schon mal über eine Whats-App-Gruppe oder per Telefon.
Vier Oberberger und weitere Mitglieder aus dem ganzen Land
Natürlich kommt bei einer Selbsthilfegruppe, deren Mitglieder so weit voneinander entfernt leben, die Frage auf, wie sie sich gegenseitig helfen können. Vier Oberberger sind zwar dabei, doch der Rest lebt in Berlin, Bremen oder dem Ruhrgebiet. Andrea Luhnau sagt: „Vor allem können wir uns Mut machen. Wenn ein Hörgerät vielleicht noch nicht perfekt angepasst ist, können wir denjenigen bestärken dranzubleiben, selbst beim wiederholten Gespräch mit den Akustikern die Nerven zu behalten.“ Tipps für eine Unterstützung durch Krankenkassen bei der Finanzierung von Hilfsmitteln oder der Austausch über neue Geräte funktionieren natürlich ebenfalls digital.
Alles zum Thema Bergisches Land
Und manchmal ist es auch einfach das Gespräch, das hilft, denn Mitglieder einer Selbsthilfegruppe profitieren immer davon, sich von anderen Betroffenen verstanden zu fühlen, festzustellen, dass sie nicht allein mit ihren Gedanken sind. Die Ursachen einer Hörschädigung können vielfältig sein– sie reichen von der Kinderkrankheit über Vererbung oder einen Impfunfall bis hin zur Altersschwerhörigkeit. Gemein ist diesem Handicap, das es zunächst unsichtbar bleibt und oft auch von den Betroffenen zunächst nicht bemerkt wird. „Meist weist die Umgebung dich irgendwann darauf hin“, sagt Andrea Luhnau.
In Planung sind derzeit Fragerunden mit Experten oder Vorträge von Ärzten. Auch das lasse sich problemlos über den Inklusiva Call umsetzen, ist Andrea Luhnau überzeugt. Und einmal im Jahr trifft sich die Gruppe für ein Wochenende in Präsenz – Münster und Hannover wurden schon erkundet, in diesem Jahr geht es nach Soltau.
Wer Kontakt zur Gruppe aufnehmen möchte, kann das per E-Mail tun: hoerpause@gmx.de.

