Nach 48 Jahren spielt Grobschnitt wieder in Gummersbach – mit Klassikern, Jubiläum und vielen Erinnerungen.
KrautrockDie Hagener Band Grobschnitt tritt in Gummersbach auf

Weniger lange Haare, aber immer noch lange Songs (v.l.): Lupo, Willi und Sohn Nuki spielen die Klassiker jetzt mit Akustikgitarren.
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Ausufernde Improvisationsorgien wie der Hit „Solar Music“ dauerten schon einmal eine halbe Stunde. Oder eine ganze. Dazu gehörten theatralische Elemente und Fackelshows. Die Konzerte von Grobschnitt sind den Rockfans, die damals dabei waren, unvergesslich. Etwa das Spektakel im November 1978 in der Gummersbacher Stadthalle. „Die Bude war rappelvoll“, erinnert sich Gitarrist Gert-Otto „Lupo“ Kühn . „Wir hatten gerade unser Album ,Solar Music Live' veröffentlicht. In dem Jahr haben wir 99 Konzerte gegeben“, sagt Kühn. „Das wäre heute unvorstellbar, damals war es normal.“
Die Band Grobschnitt hat schon 14 Alben veröffentlicht
48 Jahre später kommt Grobschnitt wieder. Am Samstag, 25. April, 20 Uhr, spielt die Band in Triobesetzung in der Halle 32. Anders als damals ist der Saal bestuhlt. Die Fans werden eben auch nicht jünger.
Die Band begeht 2026 gleich zwei Jubiläen, nämlich das 55-jährige Bestehen und 50 Jahre „Jumbo Deutsch“ Album. Aus diesem Anlass erschien in der vergangenen Woche zum Record-Store-Day eine Jumbo-LP-Edition. „Ja, und dann gibt es Grobschnitt auch noch im Kino auf großer Leinwand zu sehen“, berichtet Lupo. Der multimediale „Solar Music Live“-Remix sei „eine audiovisuelle Fantasiereise“ mit Livesequenzen etwa vom Rockpalast-Auftritt von 1978 in der Westfalenhalle und Bildanimationen. Premiere hatte der Film in diesem Monat im Hagener Cinestar-Kino.
Grobschnitt: Unterwegs zwischen Bühne und Kultstatus
Grobschnitt spielten in den 70ern laut eigener Zählung mehr als 1000 Konzerte und veröffentlichten 14 Alben und acht Singles. Das Bergische Land hat die Hagener Band rauf und runter beackert. Schon am zweiten Weihnachtstag 1970 sind die jungen Musiker im Ründerother Café Dannenberg noch unter dem Namen Charing Cross aufgetreten.
Ein Jahr später ging Grobschnitt an den Start. Lupo Kühn hat im Bandarchiv Auftritte unter anderem in Bergneustadt, Waldbröl, Wipperfürth und Hückeswagen gefunden. „Gummersbach und die gesamte Region waren schon immer eine Grobschnitt-Hochburg mit Heimspiel-Prädikat, da werden unglaublich viele Erinnerungen wach.“
„Grobschnitt und das Bergische Land sind eine lange Geschichte“, sagt Lupo Kühn. „Hier im südlichen Bergischen Land, in Neunkirchen-Seelscheid, hatte Soundguru Conny Plank sein Studio und hat die internationale Crème de la Crème der Rockmusik abgemischt“, berichtet der Musiker. Dazu gehörten Produktionen von Kraftwerk und später Ultravox und die Eurythmics. Aber eben auch die Grobschnitt-Alben „Jumbo“ (1975), „Rockpommel's Land“ (1977) und „Solar Music Live“ (1978).
Letztere Aufnahme hat die Band im vergangenen Jahr als Remix veröffentlicht. Denn die Krautrock-Veteranen sind längst wieder da. Seit 2019 sind Lupo Kühne und Sänger Stefan Danielak alias „Willi Wildschwein“ mit dessen Sohn Stefan junior („Nuki“) als Trio unterwegs und führen die Klassiker akustisch auf. Die Aufnahme des Programms von 2022 ist das 15. Grobschnitt-Album und hat es immerhin auf Platz 25 der Deutschen Album-Charts geschafft, berichtet Kühn.
„Eine Musik, die eigentlich für eine orchestrale Band geschrieben wurde, akustisch zu spielen, war ein schwieriges Unterfangen, aber es macht einen Riesenspaß“, sagt der Gitarrist. „Und ich kann versichern: Das ist alles andere als Lagerfeuerromantik.“
Sänger Willi verspricht: „Wir rocken die Säle. Es gibt auch noch so viele Geschichten zu erzählen, dass wir locker weitere 50 Jahre spielen könnten.“

