Abo

Statistik für 2025Weniger Verkehrstote, aber über 400 Unfälle mehr in Oberberg

3 min
Ein Auto liegt nach einem Zusammenstoß mit einem anderen Auto im Straßengraben.

Genau 7872 Verkehrsunfälle notierte die Polizei im Jahr 2025 für Oberberg – das ist ein Plus von 445 Unfällen gegenüber dem Vorjahr.

Die oberbergische Polizei hat am Mittwoch die Verkehrsunfallstatistik für das Jahr 2025 vorgelegt. Die Motorradfahrer bleiben das Sorgenkind.

Auf den Straßen zwischen Hückeswagen und Morsbach hat es im vergangenen Jahr 7872 Mal gekracht, das waren 445 Unfälle mehr als im Jahr 2024, also eine Steigerung um sechs Prozent. Und: Mit der gestiegenen Unfallstatistik ging auch eine höhere Zahl von Geschädigten einher: 2025 wurden 877 Menschen im oberbergischen Straßenverkehr mindestens leicht verletzt, also 29 Personen mehr als im Jahr davor.

Neue Statistik für Oberberg

Die neueste Unfallstatistik, die Oberbergs Polizei am Mittwoch vorgestellt hat, beweist allerdings auch allerlei positive Entwicklungen. Wichtigste Neuigkeit: Nachdem 2024 noch neun Tote zu beklagen waren, verloren 2025 fünf Menschen bei Verkehrsunfällen im Kreisgebiet ihr Leben. Streng genommen müsse man den tödlichen Zusammenstoß eines Autofahrers mit einem Baum in Engelskirchen Ende April sogar aus der Statistik streichen, sagte Carsten Röser, Direktionsleiter Verkehr, am Mittwoch.

Nach langen Ermittlungen gehe man in diesem Fall inzwischen von einem Suizid aus. „Und trotzdem gilt: Jeder Tote ist einer zu viel. Deshalb wird meine Direktion die Vision von einem Jahr ohne getötete Personen im Straßenverkehr auch nicht aufgeben“, stellte Röser klar.

Und trotzdem gilt: Jeder Tote ist einer zu viel. Deshalb wird meine Direktion die Vision von einem Jahr ohne getötete Personen im Straßenverkehr auch nicht aufgeben.
Carsten Röser, Direktionsleiter Verkehr der oberbergischen Polizei

Deutlich unter dem NRW-Landesschnitt bewegt sich auch die sogenannte Verunglücktenhäufigkeitszahl (VHZ), ein Wert, bei dem die Zahl der Verletzten mit der Einwohnerzahl verrechnet wird. Ergebnis: Für Oberberg beträgt er 320, das bedeutet den drittbesten Wert unter den 47 Kreispolizeibehörden des Landes. „Die Wahrscheinlichkeit, in Oberberg bei einem Verkehrsunfall verletzt zu werden, ist also vergleichsweise gering“, betonte Landrat und Behördenleiter Klaus Grootens bei der Statistik-Vorstellung.

Keine Erklärung haben die Beamten für die mitunter großen kommunalen Unterschiede bei der Häufigkeitszahl – für Spitzenreiter Bergneustadt weist das Zahlenwerk eine VHZ von gerade einmal 145 aus, Schlusslicht Marienheide kommt auf 517. „Wir haben uns das genau angesehen, können aber keine Unfallschwerpunkte erkennen“, berichtete Carsten Röser.

Unfallursache Nummer eins sind Vorfahrtsfehler

Unfallursache Nummer eins bei den schweren Unfällen waren im vergangenen Jahr Vorfahrtsfehler (21 Prozent) – damit unterscheidet sich das Oberbergische vom Landesschnitt, dort passierten beim Abbiegen die meisten Unfälle. Der Direktionsleiter führt das auf die relativ dünne Ampeldichte hierzulande zurück. Auch unangepasste Geschwindigkeit spielt im Kreis eine größere Rolle als anderswo – für Röser keine Überraschung angesichts der vielen Landstraßen. Dafür spielt der E-Scooter in der oberbergischen Statistik nicht annähernd die Rolle, die das Gefährt im NRW-Durchschnitt innehatt. Tragischerweise endete einer dieser wenigen Unfälle im Mai für eine 22-Jährige in Gummersbach tödlich.

E-Scooter spielen in Oberberg kaum eine Rolle

Über dem Schnitt liegt Oberberg wiederum beim Alkohol – 2025 war er in sieben Prozent der schweren Unfälle die Hauptursache (NRW: 5,6 Prozent). Eine deutliche Zunahme um fast ein Viertel (gemessen am Fünf-Jahres-Mittel) meldet die oberbergische Polizei außerdem bei „anderen berauschenden Mitteln“ als Unfallursache. Carsten Röser sieht darin die Auswirkungen der Cannabis-Legalisierung, mit dieser habe der Gesetzgeber auch höhere zulässige Werte im Blut von Fahrzeuglenkern eingeführt.

Größtes Sorgenkind bleiben die Motorräder. Im Kreis sind Kradunfälle im vergangenen Jahr doppelt so häufig gewesen, wie auf Landesebene. Die Zahl der dabei verletzten Menschen stieg auf 108 (2024: 86). 63 Prozent der Verunglückten kamen von außerhalb. Um die Zahl der Zweiradunfälle wieder merklich zu senken, will die oberbergische Polizei auf eine Mischung aus Kontrolle und Aufklärung setzen. Zum Start in die Saison am 19. April an der Bevertalsperre wollen die Beamten erstmals einen Motorrad-Airbag mitbringen, der vor Ort getestet werden kann.