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Haus HeideAus einer Scheune wurde ein Wohnhaus - Neues Gebäude im Lindlarer Freilichtmuseum

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Das Haus Heide im LVR-Freilichtmuseum.

Das Haus Heide im LVR-Freilichtmuseum.

Die Handwerker sind noch damit beschäftigt, die rekonstruierte Tapete anzubringen, aber es ist fast fertig, das Haus „Heide“ im LVR-Freilichtmuseum.

Tiny Houses sind keineswegs eine Erfindung aus neuerer Zeit, sondern es war Jahrhunderte lang eher der Normalfall, mit sehr wenig Wohnraum auszukommen.

Ein ganz besonderes Beispiel für ein Kleinhaus steht im LVR-Freilichtmuseum Lindlar und wird in Kürze auch zu besichtigen sein. Noch sind Handwerker zugange. Die Fenster sind eingebaut, die Wände verputzt und in der guten Stube hängt die Untertapete. Der Maler ist gerade dabei, die eigens für das Haus Heide, so der Name des im Museum wieder errichteten Gebäudes,   aus alten Tapentenresten rekonstruierte Tapete zu kleben.

Scheune zu Wohnhaus umgebaut

Das schmale, langgestreckte Gebäude war einmal eine Scheune, genauer gesagt eine Doppelscheune, die in Radevormwald-Heide gestanden hat. Auf dem Urkataster von 1828   ist sie dem Haupthaus Nummer 36/38 zugeordnet. 2022 wurde das Gebäude abgebaut und ins Museum gebracht, wo es wieder aufgebaut wurde. Was eine Menge Arbeit bedeutete, denn es mussten nicht nur die Fenster ersetzt, sondern auch die Treppe saniert und ertüchtig und auch die äußere Holzverkleidung erneuert werden, berichtet Museumsleiter Michael Kamp. Intensiv mit der Geschichte des Gebäudes hat sich LVR-Volontär Martin Schinken beschäftigt.

Er fand auch interessante Unterlagen über die Bewohner des Hauses und ihre Familien- und Einkommensverhältnisse. Wahrscheinlich wurde der Fachwerkbau im 16. Jahrhundert errichtet. Darauf deuten jedenfalls die Ergebnisse der Jahrringuntersuchung verschiedener Holzbalken hin. Die Bäume wurden laut Gutachten um das Jahr 1540 gefällt, die kleine Doppelscheune wahrscheinlich kurz darauf errichtet. Für die Nutzung als Doppelscheune spricht nach Ansicht der Fachleute nicht nur die Bauart, sondern auch, dass das Haupthaus entsprechend in zwei Bereiche geteilt war. Wann der zum Hof gerichtete Scheunenteil zu einem Wohnhaus umgebaut wurde, steht nicht genau fest.

Umfangreiche Arbeit in den Archiven

Schinken vermutet, dass das zwischen 1828 und 1873 erfolgt ist. Belegt ist aber, dass die Giebelseite spätestens 1876 fertiggestellt war. Aus dem Archivmaterial geht auch hervor, dass der weiter als Scheune genutzte hintere Teil 1892 repariert wurde. Das Strohdach wurde durch ein Hartdach ersetzt, erläutert Kamp. Auch die Teilunterkellerung des Hofhauses sei erst mit der Wohnnutzung im 19. Jahrhundert erfolgt.

Die Arbeit in den Archiven förderte zutage, dass 1828 die Witwe Peter Adolf Osenberg und Johann Peter Grafe Senior die Besitzer waren. Danach gehörte das Gebäude bis 1869 der Familie Bornewasser, die es an den Schreiner Caspar Mils versteigerte. Er errichtete den Vorbau mit Treppe, um das Obergeschoss zugänglich zu machen, mauerte das Gefache aus, deckte das Dach mit Ziegeln, unterteilte die Räume, baute, Fenster, Dachgauben und den Kamin ein. Wasser und Strom gab es zu diesem Zeitpunkt nicht.

1881 wird das Haus verkauft, an August und Emilie Bransch, die zwei Töchter haben. Es ist eine Arbeiterfamilie, die in der Nähe in der Tuchfabrik arbeitet. Auf einem Firmenfoto sind die Eltern mit Namen und Funktion im Unternehmen verzeichnet. Es sei bemerkenswert, dass sich eine Arbeiterfamilie ein wenn auch kleines Häuschen leisten konnte, sagt Kamp. Er sieht in der Historie des Hauses eine Analogie zur Industriegeschichte an der Wupper. Mit der Industrialisierung wurde dringend Wohnraum benötigt, der Umbau einer Scheune zu einem Wohnhaus sei ein sehr schönes Beispiel. Wie die Arbeiter gewohnt und gelebt haben, das zeige das Haus Heide, das noch bis 2005 bewohnt wurde, exemplarisch auf.

Auch Werner Hütt, Geschäftsführer des Fördervereins des Museums, freut sich über das neue Gebäude, denn der hintere Teil, der immer als Scheune diente, wurde zu einem Aufenthaltsraum für die ehrenamtlichen Helfer des Museums umgebaut.