Die Abstimmung im Morsbacher Gemeinderat verfolgten am Dienstag rund 50 gespannte Zuhörer.
EntscheidungSolarpark im Morsbacher Asbachtal wird nur halb so groß

Fraglich ist, wie der Energieversorger unter diesen Voraussetzungen die Wirtschaftlichkeit des Projekts beurteilt.
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Eine gespannte Atmosphäre herrschte am Dienstag im Morsbacher Rathaus. Rund 50 Zuhörer waren gekommen, um die Abstimmung über den geplanten Solarpark im Asbachtal zu verfolgen. Einige von ihnen hatten zuvor schriftlich ihre Bedenken gegen die Anlage im Rahmen der Beteiligung der Öffentlichkeit zum Ausdruck gebracht.
Bereits beim Tagesordnungspunkt „Einwohnerfragen“ erkundigte sich Peter Friese, ein Bürger aus dem Asbachtal, bei Bürgermeister Jan Schumacher, ob diese Eingaben der Bürger auch an die Öffentlichkeit gelangten. Schumacher beruhigte: „Jede Eingabe ist im Ratsinformationssystem der Gemeinde anonymisiert abrufbar und auch die Stellungnahme der Verwaltung dazu.“ Das war aber nicht ganz einfach angesichts einer Vorlage für diese Sitzung von mehr als 1350 Seiten.
In Ausschüssen vorbesprochen
Grundsätzlich ging es jetzt um die Änderung der Flächennutzungspläne für die drei Parzellen des Solarparks zur Umwandlung von „landwirtschaftlicher Fläche“ in „landwirtschaftliche Fläche, überlagert mit erneuerbaren Energien“, parallel zur Aufstellung des Bebauungspläne nach der frühzeitigen Bürgerbeteiligung. Bereits im Dezember 2023 hatte der Umwelt- und Entwicklungsausschuss die Aufstellungsbeschlüsse dafür gefasst. Anfang März hatte der Bauausschuss dieses Thema wieder auf dem Tisch.
Dabei schilderte Clara Ukat, Projektentwicklerin bei dem Energieversorger Rheinenergie, einen Überblick über die inzwischen angepasste Planung, bei der die ursprünglich angedachte Fläche des Solarparks – unter anderem nach einer Begehung mit dem Nabu Morsbach – von knapp 20 nun auf etwa 17 Hektar reduziert wurde (wir berichteten).
Ist das Projekt noch wirtschaftlich?
Einzeln beschrieb sie die Bereiche Asbachtal I an der L344 von Erdingen zum Sengelbuschkreisel, Asbachtal II direkt oberhalb der Ortschaft Oberasbach und Asbachtal III an der L336, die von der „Stippe“ nach Denklingen führt. Der Bauausschuss hatte alle drei Bereiche mehrheitlich befürwortet, allerdings hatte sich die BFM-Fraktion ausdrücklich nur für Asbachtal I ausgesprochen.
Nun war die entscheidende Frage, ob der Rat dem Votum des Ausschusses folgen würde. Gleich zu Beginn der Sitzung beantragte Johannes Schlechtingen, Fraktionsvorsitzender der Grünen, eine geheime Abstimmung und bekam eine deutliche Mehrheit. Die Spannung im Ratssaal stieg, nachdem Asbachtal I mit 16 Ja- und sieben Nein-Stimmen eine Zweidrittelmehrheit verbuchen konnte. Als das ablehnende Ergebnis für Asbachtal II feststand (neun Ja, 14 Nein), applaudierten die Gäste und es gab laute Ausrufe „Dankeschön“. Asbachtal III bekam danach eine knappe Mehrheit mit 13 Ja- und zehn Neinstimmen.
Nach diesen Entscheidungen hat sich die Gesamtfläche der Anlage von 16,8 Hektar auf 8,3 Hektar auf die Hälfte reduziert. Die von der Rheinenergie in Aussicht gestellte Beteiligung der Gemeinde nach dem EEG-Gesetz in Höhe von rund 30.000 Euro jährlich halbiert sich auf jeden Fall ebenfalls. Fraglich ist allerdings, wie der Energieversorger unter diesen Voraussetzungen die Wirtschaftlichkeit des Projekts beurteilt. Clara Ukat war für eine Nachfrage dieser Zeitung bislang nicht zu erreichen. Der Netzbetreiber Westnetz verlegt jedenfalls bereits eine neue Leitung zum geplanten Einspeisepunkt zwischen Erdingen und Wendershagen.

