Die Nümbrechter hatten Berufung gegen ihre Disqualifikation im Saisonfinale eingelegt. Nun liegt die Entscheidung des Gerichts vor.
SeitenwagenNümbrechter Rennstall Steinhausen verliert den WM-Titel nach Urteil endgültig

Siegessicher waren Harry Payne und Kevin Rousseau bei der Zieleinfahrt in Oschersleben. Doch dann kam alles anders.
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Die Disqualifikation des Nümbrechter Rennstalls Steinhausen beim Saisonfinale der Seitenwagen-WM Anfang Oktober in Oschersleben war rechtens. Das hat das Berufungsgericht des Motorradweltverbandes FIM entschieden. Durch das Urteil verliert Steinhausen die in Oschersleben im Haupt- und dem Sprintrennen geholten WM-Punkte – und rutscht in der Gesamtwertung auf Platz drei ab. Die Titelverteidigung der Oberberger ist damit endgültig misslungen, der Weltmeistertitel 2025 geht an die Briten Tom und Sam Christie aus dem Hannafin-Team.
Nümbrechter Rennstall reagiert enttäuscht
Rennstallchef Maik Steinhausen reagierte am Donnerstag enttäuscht auf die Entscheidung aus Frankreich: „Das gesamte Team ist natürlich am Boden zerstört, weil wir unseren Weltmeistertitel nicht so verteidigen konnten, wie wir es uns erträumt hatten.“ Zugleich verteidigte er den Entschluss, Berufung eingelegt zu haben. Die Anrufung des Gerichtes habe sich niemals gegen die Konkurrenz gerichtet. „Wir haben Berufung eingelegt, weil wir der Meinung waren, dass wir dafür starke und berechtigte Gründe hatten. Nicht, um Drama zu erzeugen oder die Schuld auf andere abzuwälzen, sondern weil wir der Meinung waren, dass die Situation eine ordnungsgemäße Überprüfung und Behandlung verdient“, heißt es in der offiziellen Stellungnahme des Teams.
Nockenwelle im Nümbrechter Gespann war das Problem
Wie berichtet, hatte die FIM-Jury nach der Zieleinfahrt in Oschersleben die im Steinhausen-Dreirad verbaute Nockenwelle beanstandet. Die daraufhin eingeleitete Untersuchung der Welle durch ein Institut der italienischen Universität Padua bestätigte, dass das Bauteil nicht den FIM-Regeln entsprach. Steinhausen hatte vor Gericht argumentiert, dass die Wissenschaftler zwar die Oberflächenbeschaffenheit beanstandet hätten, Durchmesser, Hubhöhe und Gewicht seien dagegen korrekt gewesen – und damit habe es weder einen Leistungsgewinn noch sonst einen Vorteil an der Maschine gegeben. „Wer, der absichtlich betrügen will, wäre so dumm, dies mit den Nockenwellen zu tun – dem ersten Teil, das man sieht, wenn man den Motor öffnet?“, fragt der Rennstall in seiner Mitteilung.
Das gesamte Team ist natürlich am Boden zerstört, weil wir unseren Weltmeistertitel nicht so verteidigen konnten, wie wir es uns erträumt hatten.
Ziemlich schockiert hat die Teammitglieder, allen voran den britischen Pilot Harry Payne und seinen französischen Beifahrer Kevin Rousseau, der regelrechte Shitstorm, der nach Bekanntwerden der Vorwürfe in den Sozialen Medien über Steinhausen hereingebrochen ist. „Da gab es Kommentare der übelsten Sorte, das ging bis zur Androhung von körperlicher Gewalt“, berichtet Maik Steinhausen. An die Saison 2025 wollen die Nümbrechter nun schnell einen Haken machen. Und sie kündigen an, in diesem Jahr stärker zurückzukehren. „Wir befinden uns bereits in der tiefsten Vorbereitung für 2026“, gibt sich Steinhausen kämpferisch.
Einige Bauchschmerzen bereitet ihm allerdings noch die Sponsorensituation – einige seien durch die seit Oktober unklare WM-Hängepartie abgesprungen. „Dabei geht es gar nicht um die Vorwürfe gegen uns, sondern darum, dass die Lage lange so unklar war. Inzwischen sind viele Budgets der Sponsoren schon anders verplant“, bedauert Maik Steinhausen.

