Hochzufrieden sind die Morpheus-Logistiker nach den ersten Starts ihrer Transportdrohne in Wehnrath. Am Montag hob der Gleiter erstmals ab.
DrohnenErste Tests für Luftbrücke zwischen Reichshof und Bergisch Gladbach erfolgreich

Die Morpheus-Drohne, fotografiert beim ersten Start am Montag auf dem Gelände der Firma Med-Union Labor in Reichshof-Wehnrath.
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Oberberg-Premiere für die Langstrecken-Drohne: Die ersten Teststarts und -landungen der Transportdrohne, die demnächst mehrmals täglich ärztliche Laborproben aus Bergisch Gladbach nach Reichshof-Wehnrath bringen soll, sind am Montag erfolgreich in Reichshof absolviert worden. „Das hat alles echt gut geklappt“, berichtet Alexandra Potthoff von der Firma Morpheus Logistik GmbH im Anschluss zufrieden.
Langstreckengleiter hob in Reichshof senkrecht ab
Wie berichtet, möchte das heute in Dortmund ansässige Unternehmen in den kommenden Monaten in den Regelbetrieb übergehen und dann beispielsweise Blutproben zwecks Analyse zur Med-Labor Union in Wehnrath schicken – effizient mit Drohnen statt mit Autos. Jetzt also erste Tests über oberbergischem Boden: Am Montag hob der orangefarbene Langstreckengleiter mittags zum ersten Mal auf dem Betriebsgelände der Labor Union in Wehnrath ab – senkrecht, wie es ihre Art ist.

Ende März hatten Alexandra Potthoff und Christopher Bergau (r.) von Morpheus im Beisein von Bürgermeister Jan Gutowski die Pläne vorgestellt.
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Dann ging sie in den Flächenflug, zog ein paar Bahnen über Wehnrath, ehe sie sich schließlich in immer engeren Kreisen wieder dem Start- und Landeplatz näherte, um eine optimale Position für die senkrechte Punktlandung einzunehmen. Nachmittags wiederholte sich das Prozedere. „Das hat perfekt geklappt“, so das Resümee der Morpheus-Sprecherin.
Und wie geht es jetzt weiter? „Jetzt folgen noch weitere Tests, erst in Reichshof, dann auch in Bergisch Gladbach, und dann folgt irgendwann der erste Testflug über die gesamte Route.“ Auch die Mitarbeiter der Labor Union, die bei der Abfertigung der Drohne helfen, müssen noch geschult werden: Sie sollen beispielsweise die Akkus austauschen und müssen das professionelle Be- und Entladen beherrschen. „Die werden ganz eng von uns begleitet“, verspricht Alexandra Potthoff, die mit ihrem Kollegen Christopher Bergau bei der Bürgerinformationsveranstaltung vor einigen Wochen das ganze Projekt erstmals öffentlich vorgestellt hatte.
Jetzt folgen noch weitere Tests, erst in Reichshof, dann auch in Bergisch Gladbach, und dann folgt irgendwann der erste Testflug über die gesamte Route.
Dort hatte auch Reichshofs Bürgermeister Jan Gutowski das Projekt begrüßt: „Ich bin auch ein bisschen stolz darauf, dass wir als Gemeinde Reichshof hier als Pilotregion dabei sein dürfen.“ Er lobte das transparente Vorgehen der Morpheus Logistik GmbH und ihr Angebot an die Bürgerinnen und Bürger, ihren Fragen Rede und Antwort zu stehen. Alexandra Potthoff gab das Lob jetzt zurück und betonte, die Kommunikation mit dem Rathaus sei „perfekt“.
Luftbrücke zwischen Reichshof und Bergisch Gladbach ist echtes Neuland
Wann der erste „echte“ Drohnenflug mit echter Zuladung zwischen Bergisch Gladbach und Reichshof-Wehnrath stattfinden wird, ist zurzeit noch offen. Weil das Logistikunternehmen mit dieser Luftbrücke und dem Einsatz von Drohnen (Spannweite: drei Meter) Neuland betritt, gibt es noch keine eingespielten Routinen. „Es gibt keinen, der das vor uns gemacht hat. Wir sind Pioniere und wir wissen, dass wir eine große Verantwortung tragen“, sagt Alexandra Potthoff, „deshalb machen wir uns keinen Zeitdruck und brechen nichts übers Knie. Sicherheit geht vor Zeitplänen.“
Morpheus ist nach eigenen Angaben das einzige Unternehmen in ganz Europa, das die Regelbetriebsreife hat und „bietet schnelle, sichere und nachhaltige Drohnen-Transporte für Güter in Europa – als erstes Unternehmen mit einer SAIL III EU-Zulassung für Drohnen-Logistik- Transporte“, heißt es auf der Unternehmenshomepage.
Flugroute von und nach Reichshof vom Luftfahrtbundesamt genehmigt
Welche Routen die Drohnen fliegen dürfen, das entscheidet in Deutschland das Luftfahrtbundesamt (LBA). Auf Anfrage dieser Zeitung teilt die in Braunschweig ansässige Behörde mit, dass sie in der Risikoklasse, in welcher sich der Flugbetrieb der Firma Morpheus Logistik befindet (SAIL III), in Deutschland insgesamt 34 ähnliche Flugrouten für verschiedene Unternehmen genehmigt habe. Der mehrheitliche Teil dieser Flugrouten befinde sich in Nordrhein-Westfalen. „Die Firma Morpheus Logistik besitzt mehr als die Hälfte aller genehmigten Flugrouten und die meisten dieser Routen befinden sich in NRW“, heißt es wörtlich in der Antwort des LBA.
Und die Nachfrage nach Genehmigungen für Routen, die mit Drohnen beflogen werden, steigt immens an, heißt es beim LBA: „Die Anträge in dieser Risikokategorie und bezüglich Langstrecken BVLOS Flügen steigen massiv an. 2025 hatten wir knapp 50 Prozent mehr Anträge als 2024. Im Vergleich zu 2023 sind es 400 Prozent mehr.“
BVLOS steht dabei für den englischsprachigen Begriff „Beyond visual Line of Sight“. Das bezeichnet eine Betriebsart, bei der die Drohnenpiloten während des Fluges keinen ununterbrochenen Sichtkontakt zur Drohne haben. Das gilt auch für die Luftbrücke nach Wehnrath. Die Morpheus-Piloten steuern die Langstreckenflieger von Dortmund aus.

