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Bergisch GladbachWarum die Geburtenrate in der Stadt sinkt

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Auf einer  Neugeborenenstation liegen Babys in ihren Bettchen.

In Bergisch Gladbach kommen Jahr für Jahr weniger Babys auf die Welt.

In Bergisch Gladbach fehlen die Kinder. Die Geburtenrate ist auf dem niedrigsten Stand seit 14 Jahren. Eine Suche nach den Gründen. 

Der Rheinisch-Bergische Kreis gehört in Nordrhein Westfalen zu den Regionen, in denen die Geburtenzahlen besonders deutlich sinken. Laut einer Prognose des Statistischen Landesamts IT.NRW werden für Rhein Berg 2025 Rückgänge erwartet, die zu den stärksten in ganz NRW zählen. Genannt wird ein Minus von 10,5 Prozent. In der Kreisstadt Bergisch Gladbach ist dieser Negativtrend bei den Geburten besonders sichtbar. Die Frage ist, warum auch hier in dieser wohlhabenden, gut angebundenen Großstadt so?

Denn viele Menschen wollten bislang im Speckgürtel von Köln leben. Mit ihrer guten Anbindung an die Autobahn und den öffentlichen Nahverkehr war die Stadt in den vergangenen Jahren immer attraktiv auch für junge Familien. Und jetzt fehlen auch hier die Kinder.

Niedrigste Geburtenrate seit 14 Jahren

In Bergisch Gladbach sind im Jahr 2025 laut Einwohnermelderegister 757 Babys auf die Welt gekommen, so tief ist die Zahl der Geburten seit 2012 (830 Geburten) noch nie gesunken. 2024 waren es noch 913 Kinder, die in der Kreisstadt das Licht der Blick erblickten.

Wie viele Kinder in einem Jahr zur Welt kommen, hängt vor allem davon ab, wie viele Männer und Frauen in Familiengründungsalter in der Stadt leben. Bergisch Gladbach ist kein Magnet für Studierende oder Berufsanfänger.

Es ist eher ein Ort, an den man zieht, wenn man schon Boden unter Füßen hat: sich bereits für ein Leben im Eigenheim, für mehr Grün, für ein Pendlerleben entschieden hat. Wer ins Umland zieht, hat den Zeitpunkt für das erste Kind oft schon hinter sich oder plant es vorsichtiger oder später.

Eine Frage der Familienfreundlichkeit

Und dieses „später“ ist auch eine Frage der Familienfreundlichkeit und Infrastruktur. Wer keinen Kita-Platz bekommt oder nur Randzeiten abgedeckt hat, kalkuliert seinen Kinderwunsch nicht mit Glück, sondern rational. Stößt man beim ersten Kind schon an seine Grenzen, überlegt man seine Bereitschaft für ein zweites oder drittes Kind noch einmal ganz genau.

In den vergangenen Jahren, als sich das Defizit bei den Betreuungsplätze im Stadtgebiet auf 300 und im Jahr 2024 sogar auf über 400 Plätze summierte, gerieten viele Eltern in Not. In diesem Jahr sind es laut aktuellen Berechnungen insgesamt 100 Kitaplätze, die zum Beginn des Kindergartenjahres im August im Stadtgebiet fehlen werden – insbesondere in den Stadtteilen Bensberg, Refrath, Herkenrath, Lückerath und Moitzfeld.

Dramatische Mieterhöhungen in Neubauwohnungen

Die drei Neubauvorhaben in Modulbauweise sind schon eingerechnet, allerdings können sie erst später im Kindergartenjahr eröffnen. Bei der Präsentation der Zahlen im Jugendhilfeausschuss führte die Verwaltung ausdrücklich an, dass die sinkenden Geburtenzahlen für eine Entspannung der Situation sorgen würden.

Dann ist da noch der zweite, in Bergisch Gladbach besonders spürbare Faktor: Wohnen. Die Stadt ist von der Lage her attraktiv und teuer. Die Nähe zur Metropole plus Landschaft sorgt für eine hohe Nachfrage. Für junge Paare bedeutet das: knapper Wohnraum, hohe Mieten, hohe Kaufpreise.

Der neue Mietspiegel 2026 weist teils dramatische Erhöhungen in Neubauwohnungen, aber auch Stagnation in der Mietpreisentwicklung bei älteren Wohnungen aus. Für ein neu errichtetes Reihenhaus sind in Bergisch Gladbach durchschnittlich 711.000 Euro verlangt worden, berichteten 2025 die Landesbausparkassen.

Die niedrige Geburtenrate wird so zum Indikator dafür, wie schwer die Stadt es jungen Menschen macht, inmitten von Leistungsdruck und Preisniveaus ein Leben mit Kindern zu organisieren. Es ist die Aufgabe der Politik, dafür die Bedingungen zu schaffen: verlässliche Betreuung und schneller, bezahlbarer Wohnungsbau, der Familien nicht aus dem Markt drängt.