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Tag der offenen TürReichshofer Verein „Werde KitzretterIn“ warb für Mitglieder

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Bei einer Vorführung zeigte der Verein, wie Rehkitze mithilfe von Drohnen aufgespürt werden.

Bei einer Vorführung zeigte der Verein, wie Rehkitze mithilfe von Drohnen aufgespürt werden. 

Verein informiert in Reichshof-Wehnrath über Einsätze, Technik und den Bedarf an neuen Helfern.

Zum Saisonstart veranstaltete der Verein „Werde KitzretterIn“ am Samstag einen Tag der offenen Tür am Dorfhaus in der Reichshofer Ortschaft Wehnrath. Zahlreiche Interessierte nutzten die Gelegenheit, sich über die Arbeit der Ehrenamtlichen zu informieren und einen Einblick in die bevorstehende Saison zu erhalten. In seiner Begrüßung schilderte Kassenwart Rainer Neveling, dass nun die 8. Kitzrettungssaison des Vereins bevorstehe: „Jetzt geht die Arbeit los und wir suchen noch weitere Piloten und Wiesenläufer.“ Rettungsarbeit wächst weiterDie Vorsitzende Angelika Bonsch blickte in ihrer Ansprache auf die Entwicklung der vergangenen Jahre zurück und zeigte sich erfreut darüber, dass das Projekt kontinuierlich gewachsen ist und immer mehr Unterstützer findet.

In 2025 hatte der Verein an 118 Einsatztagen von Anfang Mai bis Ende August insgesamt 265 Rettungsaktionen organisiert, bei denen nicht nur knapp 300 Rehkitze vor dem Mähtod gerettet, sondern als Nebeneffekt auch fast ebenso viele Ricken und Hasen in den Wald gescheucht werden konnten. Dafür haben rund zehn Piloten mit acht Drohnen eine Fläche von annähernd 3000 Hektar abgesucht, am Boden waren mehr als 500 Wiesenläufer und Koordinatoren aktiv. „Der Erfolg von Allem auf der Welt ist Kommunikation“, sagte Bonsch über die intensive Vernetzung als Voraussetzung für die Bewältigung der Mammutaufgabe. Zudem gebe es keine Hierarchien im Verein: „Dafür haben wir ein Wir-Gefühl.“

Verein benötigt unbedingt neue Drohnenpiloten

Sie verheimlichte nicht, dass es dennoch ein Generationenproblem gebe: „Wir benötigen unbedingt neue Drohnenpiloten, damit dieses Projekt weitergeht.“ Interessierte könnten dabei auf Unterstützung zählen, etwa bei der Erlangung der notwendigen Drohnenlizenz. In ihrer Ansprache beschrieb die Vorsitzende die enorme Belastung, die Kitzrettung vor der regulären Berufsarbeit zu stemmen, zumal die Landwirte mit modernerer Technik zunehmend schneller auf eine passende Witterung mit ihren Mäharbeiten reagieren würden. Vielen sei nicht wirklich bewusst, dass sie beim Mähen ohne vorheriges Absuchen eine Straftat nach dem Tierschutzgesetz begehen und bei bewusster Missachtung auch ihre Tierhaltungserlaubnis riskieren. Angelika Bonsch verriet auch ihre Vision: „Wir brauchen eine Kitzrettung wie die Freiwillige Feuerwehr.“ Das hätte zur Folge, dass die Aktiven von ihrem Arbeitgeber freigestellt werden.

Die Kitzrettung habe jahrelang nicht so sehr im Fokus gestanden, sei aber dennoch ein Aufgabe der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Daher sei eine andere Bewertung der Kitzrettung erforderlich: „Wir können nicht als Hobby Staatsaufgaben organisieren.“ Technik im EinsatzAuf eine Sicherheitsbelehrung für die mehr als 50 Gäste folgte eine Demo-Kitzsuche. Dafür war auf einer angrenzenden Wiese eine Wärmflasche versteckt worden. Diese hatte Drohnenpilot Mathias Giering innerhalb kürzester Zeit gefunden. Während der Suche beschrieb Markus Pieper, ebenfalls Pilot, die mannigfaltige Ausrüstung der Drohne mit einer Weitwinkel-, einer Zoomoptik und einer Wärmebildkamera. Gleichzeitig erklärte er das koordinierte Vorgehen, mit dem die am Boden eingesetzten Wiesenläufer gezielt zum Fundort geleitet werden.

Zuvor hatte Pieper mit Christoph Dielmann, Ausbilder beim Bielefelder Drohnendienstleister U-Rob, eine Nachschulung für die Drohnenpiloten organisiert: „Nach einem halben Jahr Pause gerät vieles in Vergessenheit.“ Ein besonderer Schwerpunkt habe auf der Auffrischung der rechtlichen Grundlagen gelegen. Pieper betonte: „Eine Drohne ist kein Spielzeug, sondern ein Luftfahrzeug.“ Neue Helfer willkommenIndira Conrad und ihr Partner Marcel Rottmann aus Wiehl zeigten sich beeindruckt von der Arbeit des Vereins und waren begeistert von dem Tag der offenen Tür: „Wir sind das erste Mal dabei und haben gleich tolle Menschen getroffen.“ Die beiden Mittzwanziger sind durch eine Bielsteiner Jägerin auf diese Veranstaltung aufmerksam gemacht worden und haben sich bereits in der Infogruppe in den sozialen Medien registriert: „Auf jeden Fall werden wir bei einem der nächsten Einsätze mit auf die Wiese gehen.“