Im Wiehler Schauspiel Studio Oberberg feiert „Ruhe, hier stirbt Lothar“ eine starke Premiere zwischen Humor und Ernst.
Premiere in WiehlZwischen Tragik und Komik berührt „Ruhe, hier stirbt Lothar“

Lothar und Rosa freunden sich an: In den Hauptrollen glänzen Peter Schubert und Birgit Simon-Floßbach.
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Da ist sie plötzlich, die Diagnose. Eine aggressive Form von Lymphdrüsenkrebs wurde im Krankenhaus erkannt. Von einer Sekunde zur anderen verwandelt sich die Mitte des Lebens in das Ende: Lothar Kellermann muss sich seiner Sterblichkeit stellen. Er tut das konsequent. Hund Bosco kommt ins Tierheim, Firma und Haus werden veräußert, der Erlös wandert ebenfalls als Spende ins Tierheim.
Die Tragikomödie „Ruhe, hier stirbt Lothar“ von Ruth Thoma hatte am Wochenende im Wiehler Schauspiel Studio Oberberg Premiere. Unter der Regie von Jörn Wollenweber und Maike Krei verkörpert Peter Schubert einen Lothar Kellermann, der mal so richtig aus der Bahn geworfen wird. Und das gleich mehrfach. Kaum hat er sich im Hospiz eingerichtet (als schönes, regionales Detail wird in diesen Szenen das Johannes Hospiz Oberberg als Bühnenbild in den Hintergrund projiziert), kommt der nächste Schock.
Nur eine Hauterkrankung
Lothar stirbt nicht, Fehldiagnose, alles auf Anfang. Der Fan marokkanischer Fliesen hat nichts mehr. Seine Freunde, wie den Kollegen Manfred Mehnert (Lutz Schmerbeck) hat er längst vergrault, familiär herrscht Eiszeit mit Tochter Mira (Anja Holländer), deren Beziehung zu Ansgar Friedhoff (Benjamin Geppert) er ungefragt torpediert. Mittellos ist er zudem. Und dann passiert ihm doch tatsächlich auch noch die Liebe. Rosa Lüders (Birgit Simon-Floßbach) ist schnoddrig, hat aber ein riesiges, ehrliches Herz – da entdeckt sogar Misanthrop Lothar seine weiche Seite.
Das Stück, so berichtet Jörn Wollenweber, habe ihn dadurch begeistert, dass es Regisseur und Ensemble eine Möglichkeit bietet, die Grenzen zwischen Tragik und Komik auszuloten, dabei von authentischen Figuren erzählt. Als Lothar von Dr. Annette Lachmann (Marita Herrmann) eröffnet wird, dass er nur eine seltene, aber harmlose Hauterkrankung hat, ist er schockiert. Freude kommt da erstmal nicht auf, man kann es ihm absolut nachfühlen, dass er nicht jubelt.
Peter Schubert ist als Lothar ungemein glaubwürdig. Er zeigt sich einsichtig, wütend, traurig, dann doch wieder störrisch, nur um erneut zu verstehen, dass ein soziales Netz in Grenzsituationen auffängt – diesen Gefühlsslalom bekommt der Schauspieler wunderbar hin. Und Rosa? Birgit Simon-Floßbach spielt sie herzergreifend, mutig und gerade so verletzlich, dass ihre Darstellung einer Todkranken sich nicht in Sentimentalität verliert. Das ist groß und beeindruckend.
So reihen sich im Theater an der Warthstraße kleine Szenen aneinander, die gerade dadurch so wahr erscheinen, dass sie nicht gigantisch-dramatisch oder überbordend komisch sind. Ein explizites Happy End gibt es nicht, vielmehr die Gewissheit, dass hier den Figuren Raum für Weiterentwicklung gegeben wird. Auch das arbeitet das perfekt harmonierende Ensemble überzeugend heraus und erzählt so, wie Jörn Wollenweber es ja angekündigt hatte, eine Geschichte mitten aus dem Leben.
Infos und weitere Termine zu dem Theaterstück finden sich online. www.kulturkreis-wiehl.de

