Helga und Günter Windhoff aus Wipperfürth-Niederwipper haben ihre Eiserne Hochzeit gefeiert.
Eiserne HochzeitGefunkt hat's auf dem Schützenfest in Hämmern

Können auf 65 Ehejahre zurückblicken: Helga und Günter Windhoff aus Niederwipper.
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Es ist das Jahr 1956, Deutschland erholt sich langsam von den Folgen der Diktatur und des Zweiten Weltkriegs, das Wirtschaftswunder rollt so langsam an, die Menschen, auch im Bergischen Land, wollen wieder nach vorne blicken. Das große Weltgeschehen spielt im Kleinen sowieso bisweilen nur die zweite Geige. Und für die damals 16-jährige Helga aus Wipperfürth geht es an einem Abend dieses Jahres vor allem darum, bei den Hämmeraner Schützen eine schöne Zeit auf deren Schützenfest zu verbringen.
„Ich habe dann mit Günter getanzt, der mich vermutlich aufgefordert hat – Damenwahl gab's damals nicht so oft“, sagt die 85-Jährige schmunzelnd. Dass sie dann, 70 Jahre später, einmal mit eben diesem Günter auf dem Sofa im Wohnzimmer in Niederwipper sitzen wird und auf 65 gemeinsame Ehejahre zurückblicken würde – das hat die junge Frau damals wohl auch nicht gedacht.
Schweigsam trifft auf impulsiv
Im gemütlichen Gespräch wird deutlich, dass Helga Windhoff mit der Selbstbeschreibung ihrer Ehe und Beziehung nicht falsch liegt. „Mein Mann ist eher schweigsam, ich dagegen sehr impulsiv und ich rede gerne und viel“, sagt sie. Das sind natürlich Gegensätze, aber die ziehen sich ja bekanntlich an. Und das auch schon vor 70 Jahren, als die 16-Jährige und der damals schon 22-Jährige sich nach und nach ineinander verlieben. „Wir haben zusammen Zeit verbracht, waren in Wipperfürth gerne in einem der beiden Kinos, dort haben wir etwa den Film über die Krönung von Königin Elizabeth II. von England gesehen oder das Millowitsch-Theater“, sagt Helga Windhoff.
Eine wichtige Gemeinsamkeit ist schon früh das Singen – in ganz unterschiedlichen Chören, vom Männergesangsverein über den Kirchenchor Niederwipper bis zum Werkschor des Elektro-Unternehmens Rüggeberg in Marienheide, bei dem Günter Windhoff über 40 Jahre gearbeitet hat. Das junge Paar beschließt, das Leben miteinander zu verbringen.
Die Mutter musste der Ehe zustimmen
Helga Windhoff ist noch nicht „großjährig“, wie das damals heißt, also noch unter 21 Jahren. „Ich war 20, wir hatten die Chance, eine gemeinsame Wohnung zu beziehen, dazu musste man aber natürlich verheiratet sein. Also musste meine Mutter der Ehe zustimmen“, sagt die 85-Jährige. Am 10. Februar 1961 wird zunächst standesamtlich geheiratet, die kirchliche Trauung findet dann einige Wochen später am 15. April in der katholischen Pfarrkirche St. Nikolaus statt. „Es war damals natürlich eine kleinere Feier, eine Nachbarin hat für uns gekocht – ich weiß noch, dass es Hühnersuppe gegeben hat, denn der Günter musste am Vortag noch das Huhn schlachten“, erinnert sich Helga Windhoff lachend.
Es schließt sich ein langes, gemeinsames Leben an, in den 1970er Jahren wird ein Haus in Niederwipper gebaut, in dem die beiden bis heute leben, zwei Töchter, fünf Enkel und zwei Urenkel vergrößern die Familie. „Sie wohnen nicht alle hier in Wipperfürth, sind aber zum Glück auch nicht aus der Welt“, sagt Helga Windhoff, die viele Jahre bei der Edeka in der Hansestadt gearbeitet hat, zuletzt als Betriebsrätin.
Der eigentliche Hochzeitstag ist im kleinen Rahmen gefeiert worden. „Die Töchter waren da, wir haben schön zusammen gefrühstückt, später haben unsere Nachbarn dann die Haustür geschmückt – es war ein schöner Tag. Am Samstag werden wir dann im Pfarrheim in Niederwipper groß feiern, dann kommen auch die Enkel und Urenkel dazu“, sagt Helga Windhoff.
Natürlich lässt man es heute alles ruhiger und langsamer angehen. „Wir sind immer wieder auch gerne in Urlaub gefahren, heute reicht uns die Terrasse mit Blick ins Bergische“, sagt Helga Windhoff und wirkt dabei sehr zufrieden und dankbar. Wie man es nach einem so langen, gemeinsamen Leben auch sein kann.
Die Jubilare
Natürlich ist nicht immer alles leicht, das wissen Helga und Günter Windhoff sehr wohl. „Wir haben uns auch gezofft – ich bin durchaus nachtragend. Man sagt ja, dass man nie im Streit schlafen gehen sollte. Das habe ich aber nicht immer geschafft“, sagt Helga Windhoff. Man müsse „sich eben auch ertragen können“.
Insgesamt, so ist das Jubelpaar sich einig, hat es eben einfach gepasst. „Wenn man an einem Strang zieht, dann kommt man auch durch schwierigere Zeiten“, sagt Helga Windhoff. Ein echtes Geheimnis für eine lange Ehe, so sagt sie weiter, gibt es nicht. Zumindest nicht bei ihnen.

