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Aktueller TestDuckterath ist der schlechteste Bahnhof im Rheinland

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Das Foto zeigt den Bahnhof Duckterath

Eine S-Bahn am Bahnhof in Bergisch Gladbach-Duckterath

Nach einer Bewertung des Zweckverbands go. Rheinland ist der Bahnhof Duckterath der schlechteste im Rheinland

Wer will schon letzter sein? Abgehängt, einsam und verlassen. Der aktuellste Bahnhofstest lässt leider keinen Zweifel: Der Haltepunkt der S11 in Duckterath an der Mülheimer Straße in Bergisch Gladbach-Gronau weist den allergrößten Handlungsbedarf aller 201 Bahnhöfe im Rheinland auf (195 wurden getestet). Duckterath liegt noch hinter Quadrat-Ichendorf und Hückelhoven-Baal. O je! Was ist schlecht? Sieht ja auch nicht so toll aus hier. Der Lack ist ab, kann man sagen.

Ziemlich ungemütlich

Die Farbe blättert ab an den Sitzbänken. Die Schutzwand zum Bahnsteig hat auch schon bessere Tage gesehen. Der Wind pfeift am Dienstagnachmittag über den Bahnsteig. Die Beschilderung ist teils großflächig mit Aufklebern „verschönert“. Gemütlich ist es nicht in Duckterath, die Reisenden steigen ein, steigen aus, eilen zu ihren Zielen.

Bei Beschilderung, Wetterschutz und Sitzgelegenheiten gab es reihenweise „rote Punkte“ im Testkatalog. Heißt: Setzen, sechs. Vielleicht hatte der Bahnhof auch nur einen schlechten Tag: Es sieht an den Gleisen in Duckterath auch nicht viel anders aus als am Bahnhof Bergisch Gladbach, als in Stümpen oder Rösrath. Was ist gut? Aber es gibt auch Lichtblicke.

Blicke der Prüfer

Die Prüfer des Nahverkehrsverbands go. Rheinland haben vielleicht übersehen, dass die Kinder und Jugendlichen aus dem nahen Jugendzentrum Cross großflächig die Betonwände am Aufgang zum Bahnsteig aufgehübscht haben, im Herbst 2021 ist hier gepinselt und gesprayt worden.

Farbige Kleckse fallen auf, mit vielen Szenen aus dem Stadtteil Gronau. Die Fußballer von SV 09 Bergisch Gladbach sind verewigt (sie spielten bis in die 1950er-Jahre auf dem Sportplatz, heute Park-and-Ride-Anlage), die Pappen- und Papierfabrik Wachendorff ist abgebildet, die Gronauer und die Schlodderdicher Mühle und Haus Kradepohl, auch eine Legende im Stadtteil. Das ist alles Graffiti. Aber Graffiti, die das Herz wärmt und die Pendler erfreuen soll. Bei den Prüfern hat das nicht gewirkt.

Kein Blick für die Kunst

An diesem Nachmittag haben die Passagiere auch keinen richtigen Blick für diese Kunstwerke. Sie schauen entlang der Gleise in Richtung Dellbrück. Eine Ansage, dass der Zug in Sicht kommt, fehlt. Ein Bahnmitarbeiter, erkennbar an seiner orangefarbenen Weste, läuft mit einem blauen Müllsack über den Bahnsteig und sammelt zurückgelassene Bierflaschen ein. Immer wieder ist es in Duckterath auch zu Schäden durch Vandalismus gekommen, das hat auch zu schlechten Noten geführt.

Ausgerechnet Duckterath, mag da mancher denken. Denn hier ist das Hauptdrehkreuz für die Gladbacher Pendler, die in die Domstadt möchten. Der große Park-and-Ride-Platz liegt in Sichtweite, ein paar Meter zum Bahnsteig müssen die Reisenden aber laufen. Auch der Linienbus hält nicht direkt am Aufgang zu den Gleisen, sondern an der Mülheimer Straße.

Treppen überwinden

Und dann müssen auch noch einige Treppenstufen hinauf zum Bahnsteig überwunden werden. Das blaue Bahnhofsschild ist auch nicht mehr im besten Zustand, es könnte gut mal ausgetauscht werden. Sofern es gravierende Mängel gibt, versichert go- Rheinland, würden diese direkt behoben.

73,89 Punkte von 100 möglichen hat die Station Duckterath von den Testern erhalten, das schlechteste Resultat überhaupt. Stümpen und Rösrath, beide an der Regionalbahnstrecke 25, holen 93,00 und 91,23 Punkte, das sind Spitzenwerte. Hoffnungsthal mit 83 Punkten und Bergisch Gladbach mit 87 dümpeln im Mittelfeld. In ihren Listen sind mehr grüne als rote Testergebnisse zu erkennen.

Umbau beginnt bald

In Duckterath ist es genau anders herum. Was kommt? Glaubt man den Eisenbahnhistorikern, soll am 4. Januar 1912 in Duckterath der erste Personenzug gehalten haben. Da gab es die von Köln kommende Strecke schon über vier Jahrzehnte. Dass es zu diesen Zeiten zwei Gleise auf der Strecke gegeben hat, ist an der Breite des Gleisbetts gut erkennbar.

Das zweite Gleis ist seit langen Geschichte soll aber zurückkehren in den kommenden Jahren. Was parallel kommen soll, ist eine deutliche Aufwertung der Station. Das Image als Schmuddel-Halt soll dann der Vergangenheit angehören. Barrierefrei soll alles werden in Duckterath, und nicht abhängig sein von einem Personenaufzug, der über Monate defekt vor sich her dümpelt. Ein besserer Wetterschutz ist geplant und ein längerer Bahnsteig. Auch eine zweite Bahnsteigkante soll kommen und die neue S-Bahn-Zeit einläuten.

Die Planungen liegen seit rund zwei Jahren vor, bis auf den Meter genau ist nachzulesen, was sich wie verändern wird. Ansprechender soll es werden, das ist die Absicht. „Sag' mir wann?“ ist dabei die am häufigsten zitierte Frage. Schon ab Herbst 2030 könnte auch in Duckterath gebaut werden, das hat kürzlich der Erste Beigeordneter Ragnar Migenda kundgetan.