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Bergisch GladbachFördergelder für Grundschule drohen zu verfallen

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Ein einstöckiger Gebäudekomplex ist zu sehen.

Die GGS Gronau leidet unter akuter Raumnot und ist baulich in einem desolaten Zustand.

Obwohl die Klassenzimmer der Grundschule Gronau in einem katastrophalen Zustand sind, nutzt die Stadt das Startchancen-Programm nicht.

In der GGS Gronau in Bergisch Gladbach ist die Platznot so groß, dass Kinder auf Fluren auf dem Boden an Tablett-Tischen sitzen müssen, um für sich im eigenen Tempo lernen zu können. Gleichzeitig hat die Stadt Fördergelder, die der Grundschule aus dem Startchancen-Programm von Bund und Ländern zustehen, bislang nicht abgerufen. Die Gelder drohen zu verfallen.

Dies ist angesichts solcher Szenen, die zum Schulalltag gehören, nicht zu verstehen für Lehrer und Eltern. Es wäre Geld da, um Abhilfe zu schaffen, es wird aber nicht eingesetzt. Obwohl die Klassenzimmer baulich in einem schlechten Zustand, die Klassen mit 28 Kindern voll belegt sind und dringend Differenzierungsräume für die individuelle Förderung benötigt werden.

Budget bietet 1,3 Millionen Euro für Unterstützung von zwei Schulen

Das Chancenbudget bietet insgesamt 1,3 Millionen Euro für die Unterstützung der GGS Gronau und die Hauptschule im Kleefeld. Ausgewählt wurden die beiden Einrichtungen anhand eines Sozialindexes, der die soziale Zusammensetzung von Schulen mit einem Wert abbildet. Er reicht von 1 bis 9. Die GGS Gronau wird in der Stufe 7 eingeordnet, der höchste Wert bei den Grundschulen im Stadtgebiet. Gladbachs einzige Hauptschule hat ebenfalls einen Sozialindex von 7.

Seit dem Schuljahr 2024/25 hätte die GGS Gronau also von dieser Förderung profitieren können. Die Programm-Gelder sind genau dafür gedacht, soziale Nachteile auszugleichen, um den Bildungserfolg zu sichern. Das Geld kann für die Schulsozialarbeit, für die Unterrichtsentwicklung und für Investitionen in eine moderne Lernumgebung eingesetzt werden – in Absprache mit der Stadt als Schulträger.

Geld ist seit 2024 nicht abgerufen worden

„Es ist richtig, dass das Geld bislang noch nicht abberufen wurde“, bestätigt Pressesprecher Patrick Ortmanns. Als Grund führt er an: „Das Gebäude befindet sich bislang nicht in einem erweiterbaren Zustand.“ Was das genau bedeuten soll, führt die Stadt nicht weiter aus. Immerhin: „Es wird geprüft, ob die Mittel demnächst noch eingesetzt werden können“, sagt Ortmanns. Wenn das möglich sei, würden die Mittel eingesetzt. Wann genau das Verfallsdatum ist, dazu macht die Stadtverwaltung keine Angaben.

Die Stadt stehe jedoch im engen Austausch mit der Schule. „Bis zum Sommer kann ein Raum geteilt werden. Dies wird eine Erleichterung der Situation bringen“, so Ortmanns. Parallel liefen Prüfungen für einen anderen Raum, die aber noch nicht abgeschlossen seien.

„Wir bedauern, dass es uns in diesen Räumlichkeiten nicht möglich ist, Bildungsbiografien in kleinen Gruppen zu fordern und zu fördern, wie wir es wollen und könnten“, sagte Schulleiterin Ann-Marie Rosenberger vor kurzem im Gespräch mit dieser Zeitung. Mit ihrer Offensive, die Politik mit ins Boot zu holen, als sie vor Ort auf die gravierenden Probleme im Schulbetrieb hinwies, hat Rosenberger jetzt zumindest erreicht, dass sich die Situation etwas verbessert.

Was fehlt ist ein langfristiger Plan, eine Perspektive. Ob die Suche nach einem privaten Investor per Ausschreibung erfolgreich gewesen ist, dazu äußert sich die Stadt nicht. „Da das Verfahren noch läuft, dürfen wir leider keine Aussage dazu treffen“, sagt Ortmanns. Inoffiziell ist zu hören, dass es drei Interessenten gibt. Die Lage der Grundstücke, die sie mitbringen, und ob sie laut Bebauungsplan sofort bebaut werden können, wird sicher ein entscheidender Faktor bei der Auswahl sein.