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BaumängelKein Plan B für marode Grundschule in Bergisch Gladbach

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Ein zweistöckiges Gebäude ist von außen zu sehen.

Die GGS Gronau hängt weiter in der Luft. Der bauliche Zustand ist desatrös, bestätigt die Verwaltung.

Schulleitung der GGS Gronau fordert schnelles Handeln und weist auf soziale Ungerechtigkeit hin. Stadt kann keine Abhilfe zusagen.

Eine Lösung für die GGS Bensberg ist nicht in Sicht – obwohl seit Langem bekannt ist, dass die Schule dringend saniert und ausgebaut werden muss. Nach der Sitzung des Schulausschusses ist jetzt sogar die Hoffnung auf einen Containerbau auf dem Schulhof zur kurzfristigen Linderung der akuten Raumnot dahin – und die Frustration groß. Schulleiterin Ann-Marie Rosenberger will den Kampf um mehr Bildungsgerechtigkeit aber nicht aufgeben: „Schulen wie unsere brauchen Unterstützung. Schnell.“

„Baulich ist es das schlimmste Gebäude, das wir haben“, bestätigt Fachbereichsleiterin Alexandra Meuthen den dringenden Handlungsdruck. Die Gebäude, sie stammen zum Teil aus den 1960er Jahren, sind in einem desolaten Zustand. Und es besteht ein großer Platzmangel.

Stadt genehmigt Modulbau nicht

„Trotzdem können wir einen Erweiterungsbau auf dem Schulhof nicht genehmigen“, bedauert Meuthen. Der Grund: Der Modulbau müsste an die Versorgungsleitungen des Hauptgebäudes angeschlossen werden: „An dieser Stelle dürfen wir das nicht. Wenn wir in die Elektrik eingreifen, ist die Schule zu.“

Dramatisch ist, dass das jahrzehntelang praktizierte Flickwerk nicht mehr funktioniert, wie Meuthen sagt. Stattdessen spricht sie von einem „kreativen Vorschlag“, um der Schule zu helfen. Konkretes könne sie aber nicht versprechen. Ihr Vorschlag kommt im nicht öffentlichen Teil der Sitzung auf den Tisch. Auf die Nachfrage dieser Zeitung, worum es dabei geht, gibt die Verwaltung am Donnerstag keine Antwort. Die Schule hängt weiterhin in der Luft.

Im Stadtteil Gronau leben viele sozialschwache Familien. Wenig überraschend ist es da, dass der GGS Gronau der höchste Sozialindex im ganzen Stadtgebiet zugeordnet wurde: Stufe 7 von 9. Das Instrument misst Faktoren wie Kinderarmut im Einzugsgebiet der Schule, Familiensprache oder Zuzug aus dem Ausland. „50 Prozent unserer 190 Kinder müssen die erste oder zweite Klasse wiederholen“, sagt Rosenberger.

Wir haben nicht genug Platz, um unsere Schüler bestmöglich in kleinen Gruppen zu fördern
Ann-Marie Rosenberger, Schulleiterin

Sie sieht Kinder, die keinem Gespräch folgen, keinen Stift halten, sich nicht selbst anziehen, ihren Ranzen nicht selbst packen können. Dabei ist der Schulleiterin wichtig zu betonen, dass diese Probleme nicht ausschließlich Kinder mit Migrationshintergrund beträfen. Die Klassen sind aktuell mit 28 Kindern maximal belegt, das verschärft die räumliche Situation. „Wir haben nicht genug Platz, um unsere Schüler bestmöglich in kleinen Gruppen zu fördern.“

Was das für ihr Kollegium und die Schüler bedeutet, macht Rosenberger im Gespräch mit dieser Zeitung deutlich. Es ist ein Plädoyer für Bildungsgerechtigkeit und das sinnstiftende Arbeiten unter erschwerten Bedingungen. Für Kinder, die eine kurze Auszeit brauchen, müssen Schulleiterin und Sekretärin regelmäßig ihre Büros räumen.

Auf den Fluren sitzen Jungen und Mädchen auf Filzunterlagen auf dem Boden, um an eigens angeschafften Tablett-Tischen in ihrem eigenen Tempo lernen zu können. Ehrenamtliche kommen in die Schule, um Kinder individuell zu fördern: „Aber wir wissen nicht wohin mit ihnen“, berichtet die Schulleiterin. Entscheidend sei auch ob sich Eltern in dem Schulsystem zurechtfänden.

Privater Investor wird gesucht

Bei der Suche nach einer dauerhaften Lösung für die Schule steht die Verwaltung immer noch mit leeren Händen da. Obwohl der GGS Gronau laut Beschluss bereits 2020 allerhöchste Priorität bescheinigt wurde. Das Ausschreibungsverfahren, bei dem seit Juni 2025 nach einem privaten Investor und einem Grundstück gesucht wird, ist inzwischen abgeschlossen.

Ob realistische Angebote dabei waren, dazu gibt die Verwaltung im öffentlichen Teil der Ausschusssitzung keine Informationen. Hinter den Kulissen ist zu hören, dass es wohl zwei oder drei ernstzunehmende Rückmeldungen gegeben habe.

Bis ein Investor gefunden sei, könne die Verwaltung die Situation nur abmildern. „Dass wir mit dem Investorenmodell die teuerste und schnellste aller Möglichkeiten auf den Weg gebracht haben, zeigt aber, wie wichtig die GGS Gronau uns ist“, betont Dezernent Thore Eggert.

Robert Talmon (Volt/FWG) fragt, ob die Verwaltung einen Plan B habe, falls die Schule geschlossen werden müsse? „Die Personensicherheit ist mir wichtig. Das ist unser Ziel, das ist unser Plan“, antwortet Meuthen.

Das ist zu wenig für Rosenberger: „Es kann nicht sein, dass diese Schule immer wieder hinten anstehen muss.“