Ersatzbusse auf zwei Linie, Leihräder und eine Radpendlerroute: Diese Angebote gibt es für Pendler, wenn ab 10. April die S-Bahn stillsteht
BauarbeitenGladbach müssen drei Monate ohne S-Bahn auskommen

Eine S-Bahn der Linie S11 hält am Mittwoch (18. März) am Bahnhof in Bergisch Gladbach
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Die Bahnkunden sollen sich auch aufs Fahrrad schwingen und in die Pedale treten. Wenn ab dem 10. April abends der S-Bahnverkehr zwischen Bergisch Gladbach und Köln-Mülheim bis zum 3. Juli eingestellt wird, rollen nicht nur die Busse im Schienenersatzverkehr.
Es stehen an den fünf Bahnhöfen an der Strecke auch jeweils zehn „S11-Bikes“ zum Ausleihen parat. Die violettfarbenen Fortbewegungsmitteln, gesponsert von Kreis und Nahverkehrsverbund go.Rheinland und nach Registrierung über den Anbieter Nextbike nutzbar, sollen Pendlerinnen und Pendlern ein rasches Fortkommen in Richtung Köln ermöglichen.
Ausgeschilderte Strecke
Knapp über 30 Minuten dauere die Fahrt auf der ausgeschilderten Strecke, berichtete am Mittwoch Dr. Norbert Reinkober (go. Rheinland) bei der Präsentation. Das Ganze sei ein Pilotversuch und eine Premiere sogar für Deutschland. Die Leihräder, und da muss man aufpassen, dürfen nur bis zum Bahnhof Köln-Mülheim genutzt werden. Dort sollen die Radler umsteigen auf den Zug.
Es ist ein Großprojekt, was auf alle Nutzer der S11 zukommt. Am Bahnhof in Mülheim entsteht in den kommenden Jahren: ein digitales Stellwerk, die Bahn investiert 85 Millionen Euro bis zur Inbetriebnahme im Jahre 2030 – Voraussetzung für den Bau des zweiten Gleises nach Bergisch Gladbach, aber auch für das europäische Zugsystem „European Train Control System“ zur Steuerung der bei Mülheim verlaufenden Hauptzugrouten. 15 Kilometer Kabel werden erneuert, 70 Kabelschächte ausgehoben, 20 Gleisquerungen vorgenommen, diverse Signale ausgetauscht. 2027 wird das noch genutzte Stellwerk an der Tannenbergstraße in der Gladbacher Stadtmitte stillgelegt, Mülheim übernimmt dann.
Logistik ist schon da
Am Bahnhof in Bergisch Gladbach ist bereits ein großes Baubüro mit Logistik entstanden, direkt an den Gleisen. Die allermeisten Reisenden werden auf die Ersatzbusse zurückgreifen. Zwei Linie werden eingerichtet: Die Linie SEV S 11A fährt alle Bahnhöfe an, also Bergisch Gladbach, Duckterath, Dellbrück, Holweide und Mülheim. Alle zehn Minuten zur Hauptverkehrszeit, ansonsten alle 20 Minuten.
In Mülheim besteht Anschluss an die in diesem Zeitraum in Richtung Leverkusen und Köln verkehrende S11 oder an weitere Regionalzüge. Und: Mit der Linie SEV S 11B verkehrt eine zweite Ersatzbuslinie. Diese fährt ab Bergisch Gladbach über Duckterath zur Stadtbahnhaltestelle „Dellbrück Mauspfad“, alle 20 Minuten werktags beziehungsweise alle 30 Minuten am Sonntag. In Dellbrück haben Pendler Anschluss an die Stadtbahnlinie 3 und 13 mit Verbindung nach Mülheim und Deutz. Auch davon versprechen sich die Akteure einiges.
Busse fahren viel länger
Die Ersatzbusse brauchen allerdings deutlich mehr Zeit als die Bahnen. Gladbachs Straßen sind oft voll, das ist die Folge. Im Regelfall sind es 20 Minuten, die die S-Bahn von Bergisch Gladbach bis Köln Hauptbahnhof benötigt. Während der Bauzeit müssen die Reisenden in Mülheim aussteigen und in die S11 nach Köln wechseln, Gesamtfahrzeit 53 Minuten.
Andererseits werde das Fahrtsystem nach den Bauarbeiten weniger störanfällig, versprechen die Fachleute bei der Bahn. Am Bahnhof Dellbrück, in Sichtweite der Gladbacher Stadtgrenze, sollen dann künftig alle drei Gleise genutzt werden, mit einer neuen Weiche können dort demnächst auch Gleise gewechselt werden. Für die Städte Bergisch Gladbach und Köln spielt auch die „Radpendlerroute 2“ (RPR) eine große Rolle. Grüne Routenschilder sind bestellt und sollen in den kommenden Tagen montiert werden, berichtet Mobilitätsmanager Jonathan Benninghaus.
Route wird ausgeschildert
Aktuell ist diese Radroute noch in Vorplanung bei der Stadt, befahrbar ist sie bereits. Das will sich die Stadt zunutze machen. Grüne Hinweisschilder, deutlich erkennbar mit dem Logo der Radpendlerrouten, sollen den Weg in die Innenstadt von Köln weisen. An den vorhandenen roten Radmarkierungen wird es grüne Einschübe (Ergänzungen) geben, auch so sollen die Wegeverbindungen deutlich erkennbar sein.
Ab der Radstation am Bahnhof in Bergisch Gladbach bis zum Bahnhof Köln Messe/Deutz wird ausgeschildert, eine, so Benninghaus, leistungsstarke Radverbindung, die weiter mit hohen Standards ausgebaut werde. Nach der Sperrung ist vor der Sperrung, das gilt auch für die S11. Nächtliche Arbeiten soll es zusätzlich von 7. August bis 4. September an der Strecke geben, dies beeinträchtigt nicht den Zugverkehr. 2027 rollen dann wieder die Ersatzbusse.
Neu ist eine einwöchige Sperrzeit vom 7. Mai bis 14. Mai. Vom 9. Juli bis 15. Oktober 2027 steht dann ie nächste Großsperrung an, alles im Zusammenhang mit der neuen Digitaltechnik. Das eigentliche Großprojekt für Bergisch Gladbach könnte nach 2030 folgen, der Bau des zweiten Bahngleises. Die Sperrzeit dafür soll 16 Monate betragen.

