Das Mobilitätsverhalten in Bergisch Gladbach hat sich verändert. Umweltfreundliche Fortbewegungsmittel sind im Kommen.
Neue StudieWeniger Autofahrten, mehr Rad- und Fußverkehr in Bergisch Gladbach

In Bergisch Gladbach nutzen immer mehr Menschen ihr Fahrrad für ihre Strecken durch die Stadt.
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Mit welchen Verkehrsmitteln kommt man in Bergisch Gladbach von A nach B und welche Veränderungen gibt es? Antworten darauf gibt eine neue Studie zum Verkehrsverhalten. Zentrales Ergebnis: Umweltfreundliche Fortbewegungsarten sind in der Stadt im Kommen. Die Bürgerinnen und Bürger gehen häufiger zu Fuß und fahren öfter mit dem Fahrrad.
An der repräsentativen Haushaltsbefragung im Herbst 2025 haben sich 1527 Personen, alle zufällig aus dem Melderegister ausgewählt, beteiligt. Es ist die erste große Umfrage nach der Mobilitätsbefragung im Jahr 2014. Die Befragung erfolgte unter einer vergleichbaren Methodik, um eine belastbare Vergleichbarkeit zu ermöglichen. Die Ergebnisse hat das beauftragte Aachener Ingenieurbüro Helmert im Ausschuss für Infrastruktur und Mobilität in seiner jüngsten Sitzung im März vorgestellt.
Hat sich das Mobilitätsverhalten der Gladbacher grundlegend verändert?
Die neue Studie zeigt deutliche Verschiebungen im Vergleich zur früheren Haushaltsbefragung. Ein zentraler Indikator der Untersuchung ist der sogenannte Modal Split, ein Kennwert der Auskunft gibt über die prozentuale Verteilung der zurückgelegten Wege auf die verschiedenen Verkehrsmittel gibt. Zu erkennen ist, dass die Gladbacher verstärkt mit dem Fahrrad und zu Fuß unterwegs sind. Gleichzeitig geht der motorisierte Individualverkehr zurück. .

Modal Split (Anteile der Verkehrsarten am gesamten Verkehr) für die Jahre 2025 und 2014 im Vergleich. Angaben in Prozent.
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Welche Zuwächse verzeichnet der Fußverkehr?
Immer mehr Menschen sind in Bergisch Gladbach zu Fuß unterwegs. Im Vergleich zu 2014 hat der Fußverkehr von 15 Prozent im Jahr 2014 auf 19 Prozent im Jahr 2025 zugelegt. Damit liegt Bergisch Gladbach bereits 2 Prozentpunkte über dem selbst gesetzten Zielwert für das Jahr 2030.
Fahren die Leute mehr Rad trotz des schlechten Zustands der Radwege?
Obwohl sich 66 Prozent bessere Radwege und 52 Prozent ein größeres Radwegeangebot wünschen, setzen die Bergisch Gladbacher bei der Fortbewegung immer mehr auf ihr Fahrrad. Die Fahrten mit Fahrrad, E-Bike und Pedelec haben sich von 13 auf 18 Prozent erhöht. Das ist ein Zuwachs von 5 Prozent. In absoluten Zahlen bedeutet dies einen Anstieg von 43.000 auf 64.000 tägliche Wege. 77 Prozent der Haushalte besitzen mindestens ein Fahrrad. Bereits ein Drittel der Haushalte fährt mit einem Elektrofahrrad.
Die Bergisch Gladbacher lieben doch ihr Auto. Lassen sie es öfter stehen?
Der Anteil, der mit motorisierten Fahrzeugen zurückgelegt wird, sinkt von 59 Prozent auf 51 Prozent. Die absoluten Autofahrten reduzieren sich moderat von 157.000 auf 151.000 täglich. Das ändert aber nichts daran, dass noch die Hälfte aller zurückgelegten Entfernungen auf den motorisierten Individualverkehr entfällt. In der Studie werden keine Angaben über die Elektrifizierungsquote der Fahrzeuge gemacht.
Wie viele Menschen in der Stadt besitzen überhaupt ein Auto?
Der Motorisierungsgrad ist sehr hoch. 88 Prozent der Haushalte besitzt mindestens ein Auto. Jeder dritte Haushalt verfügt über mindestens zwei Autos. 89 Prozent der fahrberechtigten Bevölkerung besitzt einen Führerschein.
Wie sind die Voraussetzungen für die Nutzung des ÖPNV?
Laut Studie sind sie gut. Etwa 70 Prozent der Haushalte erreichen eine Bushaltestelle in fünf Gehminuten vom Wohnort. Die Zahl der täglichen Wege mit Bus und Bahn steigt aber nur leicht von 43.000 auf 45.000. Besonders auffällig ist die hohe Zeitkartennutzung bei jungen Menschen: Bei den unter 30-Jährigen nutzen rund 60 Prozent regelmäßig eine ÖPNV-Zeitkarte.
Wo wollen die Menschen mit ihren jeweiligen Verkehrsmitteln hin?
Ein Viertel aller Wege führen zum Arbeitsplatz, die Strecken betragen im Mittel 15,5 Kilometer. Die Wege zum Einkaufen sind im Durchschnitt 3,2 Kilometer lang. Jeder fünfte Weg wird zu Freizeitzwecken zurückgelegt.
Wo sieht die Stadtverwaltung die Aufgabe für die kommenden Jahre?
Bürgermeister Marcel Kreutz bewertet die Ergebnisse der Mobilitätsbefragung als Erfolg der bereits umgesetzten Projekte wie Fußverkehrscheck in Gronau, Radverkehrsnetz, das Programm „Rad macht Schule“. „Die Ziele des Mobilitätskonzepts möchte ich daher weiter entschlossen verfolgen und Projekte künftig noch schneller umsetzen“, kündigt er an. Auf der städtischen Hompage finden sich weitere Informationen zur Haushaltsbefragung.
