Nach fast fünf Jahrzehnten braucht der Bergische Löwe mehr als eine Frischzellenkur oder Schönheitsreparaturen. Der aktuelle Stand.
GeneralsanierungIn Gladbach wird der bauliche Zustand des Bergischen Löwen ermittelt

Das Bürgerhaus Bergischer Löwe ist ein Blickfang für die Stadtmitte.
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Das Jahresprogramm ist gut gefüllt. Konzerte, Messen, Karnevalssitzungen, Tagungen, das Bürgerhaus Bergischer Löwe hat sich in den vergangenen Jahren von einem Haus des Theaters gewandelt zu einem Veranstaltungsraum für viele Angebote. Geschäftsführer Norbert Pfennings freut es, wenn sein Haus gebucht wird. Im Jahr 2024, so weist es die Theaterstatistik aus, kamen 31.000 Besucherinnen und Besucher ins Bürgerhaus – in den Großen Saal und in den kleineren Spiegelsaal.
Das von Meisterarchitekt Gottfried Böhm über dem abgerisssenen Mariensaal geschaffene Bauwerk wird in diesem Jahr 46 Jahre alt. 1980 feierten die Gladbacherinnen und Gladbacher die Einweihung. Das denkmalgeschützte Haus mit seinen zahlreichen Fenstern, mit seinen Arkaden und Giebelchen prägt den Konrad-Adenauer-Platz, als gleichwertiger Solitär neben der Stadtkirche St. Laurentius und der Villa Zanders. Die Farbgebung im auffallenden Rotton ist stilbildend für den modernen Architekturklassiker. Im Innernen gibt es auch Grüntöne bei den Fliesen, „Schwimmbad“ (wegen der Ähnlichkeit der Fliesenmuster) sagt mancher liebevoll zum Bergischen Löwen.
Eine Machbarkeitsstudie ist geplant
Aber nach fast fünf Jahrzehnten braucht der Bergische Löwe mehr als eine Frischzellenkur oder Schönheitsreparaturen. Seit seiner Fertigstellung sei das Gebäude bis auf geringfügige Änderungen im gleichen Zustand geblieben, berichtet auf Nachfrage Patrick Ortmanns, Sprecher der Stadt. „Die Notwendigkeit einer Generalsanierung ist gerechtfertigt“, berichtet er weiter. Nur mit einer grundlegenden Sanierung werde die Funktionsfähigkeit erhalten und das Gebäude als attraktives, zukunftsfähiges und nachhaltiges kulturelles sowie soziales Zentrum für Stadt und Region bewahrt. Dass in der Tat vieles zu tun ist, können Besucher bei genauem Blick erkennen. Der Dauerbetrieb hat Spuren hinterlassen.
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Eine Machbarkeitsstudie soll kommen, aber zuvor eine detaillierte Grundlagenermittlung. Nur mit diesem Fundament sieht sich die Stadt in der Lage, die Kostenfrage seriös anzugehen. Die Sanierung der Kölner Bühnen, mit einer Kostensumme weit jenseits einer Milliarde Euro ist da ein abschreckendes Beispiel für die Verantwortlichen im Gladbacher Rathaus. Diese Grundlagenuntersuchung umfasst eine Bestandsaufnahme der Situation mit Verzahnung technischer Aspekte, aktueller Nutzung, Fragen des Urheberrechts und des Denkmalschutzes. Nur auf diesem Weg seien tiefergehende Aussagen über Maßnahmen und auch Konsequenzen einer Generalsanierung möglich. Bürgerschaft und Politik sollen ausführliche Unterlagen als Machbarkeitsstudie vorgelegt werden.
Für die Sanierung können mehrere Jahre angesetzt werden
Erstellt wird dafür auch ein digitaler Zwilling, eine dem Bergischen Löwen nachgeformte Kubatur im digitalen Raum. Veranstaltungsräume werden dabei über ein Datenprogramm nachgeformt, Folgen einer Sanierung abgeschätzt. Auch von mehreren Fachgutachten berichtet die Stadt. Erst wenn alle diese Studien zusammengeführt sind, soll es in die Umsetzung gehen. Wegen der Komplexität gehen die städtischen Planer davon aus, dass das Ergebnis der Machbarkeitsstudie innerhalb on drei Jahren vorliegt. Für die Sanierung können mehrere Jahre angesetzt werden.
Und was dann? Vorstellbar sind mehrere Optionen: Sanierung im laufenden Betrieb, Bau eines Interimgebäudes als Ausweichstätte oder Nutzung einer anderen städtischen Immobilie. Manch einer denkt dafür an die Zentralwerkstatt auf dem Zanders-Gelände, die mit rund 10 Millionen Euro Fördergeld ab dem Jahresende saniert wird; entschieden ist dazu bislang nichts. Der Löwen-Chef ist optimistisch: „Wir freuen uns trotz der anstehenden Sanierungsarbeiten auf diese und die kommenden Spielzeiten.“

