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Jansen-Hof in HerkenrathDieser Erlebnisbauernhof macht Kinder mutig

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Eine Frau steht neben einer braunen Kuh, beide schauen in die Kamera

Ferienfreizeiten und Kurse für Kinder bietet Tina Jansen seit circa drei Jahren an. Auf ihrem Hof sind Limousin Kühe und Tiroler Grauvieh, Thüringer Waldziegen, Shetlandponys und verschiedene Arten von Hühnern zuhause. 

Der Jansen-Hof in Herkenrath zeigt, wie Kinder durch Tiere, Natur und Vertrauen wachsen können.

Die Sonne scheint, die Wiesen leuchten in sattem Grün, und von Weitem ist das tiefe Muhen einer Kuh zu hören. Tina Jansen hält kurz inne. Sie weiß sofort, welches Tier da ruft. Auf ihrem Hof tragen alle Tiere einen Namen – für sie hat jedes eine eigene Stimme, Seele und Persönlichkeit.

Der Jansen-Hof in Herkenrath ist ein pädagogischer Erlebnisbauernhof. Zwischen weiten Wiesen, alten Zäunen und offenen Flächen leben Ponys, Kühe und Ziegen. Es ist ruhig hier, nur das Rascheln im Gras, das Schnauben der Tiere und hin und wieder ein leises Gackern aus dem Hühnerstall durchbrechen die Stille. Tina Jansen betreibt den Hof gemeinsam mit ihrem Mann Michael und wird von ihren beiden Töchtern unterstützt. Schnell wird klar: Hier geht es nicht nur um Landwirtschaft oder Programme, sondern auch um Familie und Zusammenhalt.

Wie sich die Natur verändert, erleben viele Kinder über Monate hinweg

Diese positive Energie spürt man auf dem gesamten Hof. Kinder kommen hierher, um Geburtstage zu feiern, ihre Ferien zu verbringen oder regelmäßig Zeit mit den Tieren zu verbringen. Dienstags etwa treffen sich die Jüngsten im Pony- und Tier-Club. Vorsichtig nähern sie sich den Minishetlandponys, streichen über das weiche Fell, lernen, sie zu pflegen – und wachsen dabei oft über sich hinaus. „In meinen Augen sollten die Kinder wieder mehr auf ihre Urinstinkte vertrauen“, sagt Jansen. Es gehe darum zu verstehen, wie Natur funktioniert – und die „Augen aufzumachen“ für das, was draußen passiert.

Wie sich diese Natur verändert, erleben viele Kinder über Monate hinweg. Im Jahreszeitenkurs kommen sie immer wieder auf den Hof zurück und beobachten, was wächst, gepflegt oder geerntet werden muss. In den Ferien wird der Hof dann zum Abenteuerspielplatz: Kinder basteln, streifen durch die Natur und verbringen ihre Tage draußen. Beim Zeltlager schlafen sie auf einer großen Wiese, sitzen abends am Lagerfeuer und erleben den Hof noch einmal ganz anders.

Ohne Scheu kommen die Kühe näher und lassen sich streicheln

Während Jansen die Kühe ans Geländer ruft, setzen sich die Tiere langsam in Bewegung. Ohne Scheu kommen sie näher und lassen sich streicheln. Auch die Ziegen drängen neugierig nach vorne. Es sind Thüringer Waldziegen, eine vom Aussterben bedrohte Rasse. „Ich bin froh, dass wir sie hier halten können“, sagt Jansen. Ein paar Schritte weiter gackert es aus dem Hühnerstall. Hier leben verschiedene Rassen, das sieht man auch an den Eiern. Mal braun, mal weiß, manchmal sogar leicht grünlich gefärbt liegen sie in den Körben. Nicht nur zu Ostern, sondern das ganze Jahr über. Ein Teil davon landet im kleinen Verkaufsstand am Hof. Dort gibt es hofeigene Produkte, die sich Besucherinnen und Besucher selbst nehmen und auf Vertrauensbasis bezahlen.

Was die Arbeit für Jansen besonders macht, zeigt sich im Umgang mit den Kindern. Viele kommen anfangs unsicher, haben Angst vor den Tieren oder der ungewohnten Umgebung. Doch oft dauert es nur Stunden, bis sie mutiger werden. „Am Ende sind sie stolz, dass sie sich getraut haben“, erzählt sie. Manchmal beginne das schon mit kleinen Schritten, etwa ein Pony selbst durch den Wald zu führen.

Auf Anfrage kommen auch Menschen mit Demenz auf den Hof

Auch ältere Menschen finden hier einen Zugang zur Natur. Auf Anfrage kommen Seniorinnen und Senioren, auch Menschen mit Demenz, auf den Hof. Ein festes Programm gibt es nicht. Stattdessen geht es um Erinnerungen und eine entspannte Zeit. Die Tiere hätten eine beruhigende Wirkung auf Menschen mit Demenz. „Die Tiere spüren das“, sagt Jansen. „Man merkt den Menschen die Krankheit in dem Moment gar nicht mehr an.“

Was Jansen antreibt, sind vor allem die Reaktionen der Kinder. Gerade nach den Ferienfreizeiten wollten viele gar nicht mehr gehen. „Manche verstecken sich am letzten Tag“, sagt sie und lächelt. Oft kämen sie noch einmal zurück, um sich zu bedanken. „Dafür mache ich das – um anderen Menschen eine tolle Zeit zu schenken.“