Eine neue Bundesregel beschleunigt seit Ende Oktober den Wohnungsbau. In Bergisch Gladbach stehen drei Projekte kurz vor der Entscheidung.
WohnungsbauturboIn Bergisch Gladbach ist der Turbo von Zanders bis Lochermühle möglich

Im Gewerbegebiet Strundepark an der Lochermühle soll mit dem Bauturbo ein gewaltiges Wohn- und Geschäftshaus entstehen.
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Ist ja alles weit weg in Berlin. Bis Entscheidungen des Bundes bei den Bürgern ankommen, dauert es.
Falsch gedacht beim Wohnungsbauturbo, einer seit Ende Oktober geltenden Vereinfachung beim Bauen. In Bergisch Gladbach drängt der Bauturbo nach vorne. Schon sind mehrere Bauprojekte in Sicht, die das Stadtbild an der unteren und an der oberen Hauptstraße/Kürtener Straße nachhaltig verändern könnten. Nach den Karnevalstagen hat die Politik zu beraten.
Auf dem Baugrundstück ist keine aufwendige Bebauungsplanänderung mehr erforderlich.
Sofern alles den Buchstaben des neuen Baugesetzes entspricht, könnten die Fraktionen unstrittige Projekte wohl durchwinken. Es kann alles ganz, ganz schnell gehen. Die zügige Schaffung von Wohnraum ist der Kern des Anlaufs. Allerdings ist es ein Spagat, wie die Kommune beschreibt. Es müssten weiterhin die Grundsätze für eine geordnete städtebauliche Entwicklung gewahrt bleiben. Dass ein zehnstöckiges Wohngebäude neben einem Einfamilienhaus errichtet wird, wäre wohl nicht im Sinn der Verwaltung. Deshalb sollen die Politiker so schnell wie möglich auch Grundsatzziele für den Städtebau beschließen. Das ist der Hebel, um Projekte zu stoppen. Auch das könnte es in Bergisch Gladbach bald geben. Der Einzelfall soll nicht zum Vorbild werden. Auch beim Bauturbo steht am Ende immer ein Beschluss des Rates.
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Der Bauturbo, nein, er kommt noch nicht für das Zanders-Gelände. Aber ein Nachbargrundstück an der Hauptstraße 72-78 könnte, bei einer Zustimmung des Stadtrates, von ihm profitieren. Es geht konkret um einen Zuweg, der von der Hauptstraße später zum Zanders-Gelände führt. An der benachbarten Seite ist nun eine Wohnanlage mit drei bis vier Geschossen und einer Kurzzeitpflege sowie Büros und einem Café geplant. Die Stadt berichtet von zahlreichen Gesprächen, die sie mit dem Investor bereits geführt habe. Das Projekt würde das Gelände der ehemaligen Papierfabrik eng mit der Innenstadt verzahnen, betonen die Planenden im Rathaus.
Beim Zanders-Gelände und an der Lochermühle kann es schnell gehen
Ende April werde eine Städtebauliche Entwicklungsplanung für Zanders durch das Planungsbüro Albert Speer und Partner vorgelegt, das Nachbarprojekt sei eine erste Klammer, so die Stadt. Was sonst Monate oder auch Jahre der Vorplanung benötigt, geht mit dem Bauturbo rasant schnell: Schon in vier Wochen könnten die Genehmigungen beim Investor angekommen sein.
Ratzfatz – so soll es auch an der Lochermühle gehen, am anderen Ende der Stadt, manchen auch als Strundepark bekannt. Vorgesehen ist der Neubau von zwei durch eine Blutbuche getrennten, 26 Meter hohen Wohngebäuden mit jeweils sechs Etagen (plus zwei Staffelgeschossen), mit gewerblichen Anteilen und Parkebenen – so die Beschreibung der Stadt. Ein Gebäude soll 50 Meter lang werden, das andere 100 Meter. Ziemlich wuchtig und extrem gewaltig.
Auch ein Nein der Politik ist trotz Bauturbo möglich
Das Grundstück grenzt im Süden an den Verkehrskreisel Kürtener Straße / Hauptstraße / Heiligenstock, im Osten an die Kürtener Straße und im Westen an die Einzelhandelsbetriebe mit ihren Kundenparkplätzen. Das Besondere ist die Überbauung von Parkplätzen. Das Erdgeschoss dient als „Luftebene“, das erste Obergeschoss soll Parkebene werden. Darauf dann Angebote für Wohnen und Gewerbe. Wie auch immer die Aufteilung werden wird: Die beiden Gebäude werden eine Landmarke am „bergischen“ Ortseingang der Stadt werden, so sie denn gebaut werden.
Hier kommen die Entscheider an ihre Grenzen: Abgesehen von den Wohnparks in Gronau und Bensberg gebe es nichts Vergleichbares in der Stadt. Die Verwaltung lässt eine Entscheidung offen, drängt aber auf eine Verringerung des Vorhabens. Das städtebauliche Konzept überzeuge nicht. Auch ein Nein der Politik ist trotz Bauturbo möglich.
Der Bauturbo könnte auch beim alten Postgelände in Bensberg greifen
Der Bauturbo könnte auch in Bensberg greifen. Das alte Postgelände Im Bungert soll zu einem Mix aus Wohnen und seniorengerechten Wohnungen umgestaltet werden. Auch hier überspringen die Planer den ansonsten erforderlichen Bebauungsplan und servieren den Planungspolitikern das fertige Menü zur Entscheidung. Die Dinge sehen am Bungert recht eindeutig aus, das Vorhaben entspreche der städtebaulichen Entwicklung.Bei einer Einigung mit dem Nachbarn „Schloss-Center“ könnte das Projekt schon in die Umsetzung gehen. Angesichts der Einzelsituation sei eine Abstimmung im Rat nicht erforderlich.
Der Bauturbo unterstützt auch hier. Und, siehe oben, er ist in Gladbach längst angekommen.

