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InterviewBergisch Gladbach lädt zu Internationalen Wochen gegen Rassismus ein

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Das Foto zeigt Redouan Tollih

Redouan Tollih, Vorsitzender des Ausschusses für Chancengleichheit und Integration in Bergisch Gladbach

Am 16. März starten in Bergisch Gladbach die Internationalen Wochen gegen Rassismus. Im Interview erklärt Redouan Tollih, Vorsitzender des Ausschusses für Chancengerechtigkeit und Integration, ehemals Integrationsrat, warum es wichtig ist, die Stimme zu erheben.

Warum sind die vielfältigen Aktionen und Veranstaltungen gerade jetzt so wichtig?

Wir erleben derzeit eine gesellschaftliche Entwicklung, in der rechtsextreme Positionen wieder offener vertreten werden und rassistische Narrative zunehmend normalisiert werden. Der Ton in politischen Debatten ist spürbar rauer geworden, und viele Menschen fühlen sich verunsichert. Gerade in solchen Zeiten ist es wichtig, Haltung zu zeigen. Menschenwürde ist nicht verhandelbar.

Macht es Mut, dass so viele Aktionspartner dem Rechtsruck etwas entgegensetzen?

Ja, das macht sehr viel Mut. Mehr als 40 Kooperationspartner aus Sport, Kultur, Religion, Bildung und Zivilgesellschaft beteiligen sich in diesem Jahr. Diese breite Beteiligung zeigt, dass der Einsatz gegen Rassismus kein Randthema ist, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Es ist ein starkes Signal, wenn so viele unterschiedliche Akteure gemeinsam sagen: Wir stehen zusammen für demokratische Werte und gegen Ausgrenzung. Das diesjährige Motto lautet, „100 % Menschenwürde, Zusammen gegen Rassismus“.

An was denken Sie da zuerst?

Wenn ich das Motto höre, denke ich zuerst an die Unteilbarkeit der Würde jedes einzelnen Menschen. Menschenwürde kennt keine Abstufungen, keine Bedingungen und keine Ausnahmen. Sie gilt immer und für alle, unabhängig von Herkunft, Religion, Hautfarbe oder Lebensgeschichte. Und „zusammen“ ist entscheidend. Rassismus betrifft nicht nur diejenigen, die ihn direkt erleben. Er betrifft unsere gesamte Gesellschaft. Deshalb braucht es eine gemeinsame Haltung und gemeinsames Handeln.

Macht es Mut, dass so viele Aktionspartner dem Rechtsruck etwas entgegensetzen?

Verbesserungsbedarf sehe ich vor allem bei der Wahrnehmung und Einordnung von Alltagsrassismus. Diskriminierung äußert sich nicht nur in offenen Angriffen, sondern häufig in subtilen Situationen, in abwertenden Kommentaren, ungefragten Zuschreibungen oder dem Gefühl, ständig erklären zu müssen, „wo man eigentlich herkommt“. Gerade Schwarze Menschen berichten immer wieder von solchen Erfahrungen, die für viele andere unsichtbar bleiben.

Was muss passieren, damit sich die Lage für Betroffene ändert?

Wir brauchen strukturelle Verbesserungen: faire Bildungschancen, diskriminierungssensible Personalpolitik und echte Teilhabe in öffentlichen Institutionen. Vielfalt sollte nicht nur sichtbar sein, sondern auch mitgestalten dürfen.

Wie lässt sich aus Ihrer Sicht gegenseitiges Verständnis am besten fördern?

Durch echte Begegnung und durch einen kontinuierlichen Dialog. Viele Vorurteile entstehen dort, wo Menschen sich nicht kennen. Wenn wir miteinander sprechen, gemeinsam Sport treiben, Kultur erleben oder miteinander feiern, entsteht Vertrauen. Aber Dialog ist nur dann sinnvoll, wenn es auch Menschen gibt, die bereit sind zuzuhören – wirklich zuzuhören.

Das setzt aber ein respektvolles Miteinander voraus?

Ja, dass wir unterschiedliche Erfahrungen ernst nehmen und nicht vorschnell bewerten oder relativieren. Dafür brauchen wir Räume, in denen Gespräche auf Augenhöhe stattfinden können.

Wie können die Internationalen Wochen gegen Rassismus dabei helfen?

Die Programmangebote sind bewusst vielfältig gestaltet. Sie sprechen den Kopf an – durch Information und Diskussion – und das Herz – durch Begegnung und gemeinsames Erleben. Am Ende geht es darum, eine Stadt zu gestalten, in der sich alle Menschen willkommen, respektiert und sicher fühlen. Das Gespräch führte Uta Böker