An diesem Samstag: Letzter Ausverkauf für Kulttaschen, Topflappen und Leseknochen
EhrenamtEmotionaler Abschied von der Nähstube in Kürten

Leni Strunk (2.v.r.) mit Mitstreitern in der Geflüchtetenunterkunft in Kürten-Schanze.
Copyright: Fluchtpunkt
Der große Abschied von der Nähstube des Fluchtpunkts Kürten steht an: An diesem Samstag, 9. Mai, geht es beim letzten großen Ausverkauf noch einmal um die Kulttaschen, um Leseknochen, Babylätzchen, Topflappen und vieles mehr. Von 11 bis 15 Uhr wird gefeiert und an die vergangenen zehn Jahre erinnert (Adresse: Kölner Straße 414a, Kleiderkammer). Alles, was an Einrichtungsgegenständen noch da ist, Nähmaschinen, Stoffe, Garne, weitere Utensilien, wird danach in einen der Sozialräume des Fluchtpunkts gebracht, entweder in die Unterkunft Broch oder Spitze. Vielleicht für einen späteren Einsatz, hofft Ehrenamtskoordinatorin Birgit Oberkötter.
Leni Strunk war Herz und Seele der Nähstube. Die 91-Jährige tritt nun aus Altersgründen verständlicherweise etwas kürzer, die Nähstube wird geschlossen.

Leni Strunk mit zwei Helfern in der Nähstube.
Copyright: Fluchtpunkt
„So geht das nicht, das ist alles viel zu hell“ – Mit diesen Worten startete die Kürtenerin 2016 ihren Einsatz. Gemeint waren große Fenster in einer Unterkunft, die Sonne heizte die Zimmer ohne Vorhänge auf. „Eine Stunde später hatte sie ihre Nähmaschine in die Unterkunft geholt, Stoff mitgebracht und nähte im Flur die erste von sehr, sehr vielen Gardinen“, erinnert sich Birgit Oberkötter lebhaft. Die Männer, die in der Unterkunft wohnten, schauten neugierig zu, und wenig später ratterten eine zweite und dritte Nähmaschine, an jeder saß ein junger Mann. „Viele erfolgreiche Lebenswege begannen hier“, sagt die Ehrenamtskoordinatorin.
Die Taschen entstanden immer aus geschenkten Markisenstoffen. Sie wurden zum Kürtener Kultobjekt, und eine nahm der Bundestagsabgeordnete Dr. Hermann-Josef Tebroke zu Kanzlerin Angela Merkel mit. Die Erlöse der Taschen, aber auch der Spenden aus umgenähten Hosensäumen, enger gemachten Hemden und reparierten Reißverschlüssen unterstützten Geflüchtete, wo die öffentliche Hand versagte, erinnert sich Birgit Oberkötter. Die Ehrenamtskoordinatorin schickt ein großes Dankeschön: „Wir wünschen Leni Strunk von Herzen alles Gute für die kommende Zeit. So gut sie es noch kann, wird sie sich um, ihre’ afghanische Familie kümmern, für die sie seit Jahren Oma Leni ist.“
