Der leidenschaftliche Pädagoge lobt das herzliche Klima an der Schule, bemängelt den Sanierungsstau und fordert mehr Wertschätzung für die Kinder.
RuhestandNach 27 Jahren verlässt Konrektor Christian Porth die Realschule in Frechen

Nach 27 Jahren hat sich der leidenschaftliche Pädagoge und Konrektor Christian Porth von der Realschule Frechen verabschiedet.
Copyright: Alexa Jansen
An seinen ersten Arbeitstag an der Realschule Frechen kann sich der scheidende Konrektor Christian Porth auch nach 27 Jahren noch genau erinnern: Als Neuling setzte er sich im Lehrerzimmer an einen mit Häkeldecke geschmückten Tisch und holte Unterlagen zur Durchsicht heraus. Das durchweg ältere Kollegium habe darauf mit Empörung reagiert, erzählt Porth. Der Tisch sei nur für Pausen da, aber nicht zum Arbeiten, hätten ihn zwei entsetzte Kolleginnen ermahnt.
Stammplatz im Lehrerzimmer
„Damals herrschte hier noch eine ganz andere Atmosphäre, es war alles etwas steif und formell, das lässt sich gar nicht mit heute vergleichen“, wertet der 66-Jährige. Der legendäre Tisch blieb in den vergangenen fast drei Jahrzehnten weiterhin sein Stammplatz, nun hat der leidenschaftliche Pädagoge seinen Ruhestand angetreten.
1999 kam Porth als Lehrer für Deutsch und Erdkunde nach Frechen, nachdem er zuvor vier Jahre lang an der Realschule Wesseling tätig gewesen war. 2002 wurde er zweiter Konrektor, 2017 erster Konrektor. Von Sommer bis Ende 2024 führte er die Schule als kommissarischer Schulleiter, dann trat Daniel Wuttke das Amt als Schulleiter an. Nach seiner Ausbildung als Gymnasiallehrer musste Porth bis 1995 die Zeit mit journalistischer Tätigkeit überbrücken. „Ende der 80er-Jahre gab es einfach keine Stellen“, erinnert er sich.
Alles zum Thema Corona
- IW-Schätzung für 2020-2025 Krisen kosten Deutschland fast 1.000 Milliarden Euro
- Ruhestand Nach 27 Jahren verlässt Konrektor Christian Porth die Realschule in Frechen
- Handball-Bundesliga VfL Gummersbach plant weitere Veränderungen im Kader
- „Krise als Chance“ Wie der Hürther Gertrudenhof zum Multi-Millionen-Unternehmen wurde
- Nach Tod von Zugbegleiter Zugchefin berichtet über ihren Arbeitsalltag – „Wir sind zur Zielscheibe geworden“
- Aktuell viele Atemwegsinfekte Grippewelle füllt Praxen – Millionen Menschen sind krank
Frechen ist ein Dorf, man trifft sich überall. Man trifft Schüler im Kino, Ehemalige als Sprechstundenhilfe oder im Supermarkt, und der Installateur, der zu uns nach Hause kommt, war einmal in meiner Klasse
Frechen war dabei immer sein favorisierter Standort. Geboren in Oberfranken wuchs der Konrektor in der Töpferstadt auf, besuchte die Johannesgrundschule in Königsdorf und machte sein Abitur am Gymnasium Frechen. Seit 1984 wohnt er wieder in Königsdorf und hat immer gerne „am Ort“ gearbeitet: „Frechen ist ein Dorf, man trifft sich überall. Man trifft Schüler im Kino, Ehemalige als Sprechstundenhilfe oder im Supermarkt, und der Installateur, der zu uns nach Hause kommt, war einmal in meiner Klasse. Es gibt immer ein großes Hallo.“ Zum Teil hat Porth in den sieben Klassen, die er als Klassenlehrer betreut hat, sogar schon die Kinder ehemaliger Schüler unterrichtet.
„Wenn man die Kinder gut behandelt, bekommt man viel zurück. Es ist ein schöner Beruf, ich habe meinen Job immer gerne gemacht“, wertet der Vater dreier erwachsener Kinder. Nicht einen Tag habe er seine Berufswahl bereut, die Arbeit sei sehr sinnstiftend. Dennoch stellt er fest: „Es hat sich im Laufe der Jahre viel geändert, es ist viel dazu gekommen, was Kraft und Zeit kostet.“ Früher habe man als Lehrer mehr Freiheiten gehabt, zudem habe Corona einen heftigen Einschnitt bedeutet.
Frechen: Sanierungsstau an der Schule
„Da ist etwas gekippt,“ resümiert Porth, seitdem habe sich der Gesundheitszustand der Schüler verschlechtert. Es gebe viele neue Probleme im Sozialverhalten und psychische Auffälligkeiten. „Es ist eine Kombination aus einem gesellschaftlichen Umbruch und dem hohen Medienkonsum. “ Dennoch sei es für die Realschule Frechen typisch, dass es unter den knapp 900 Schülern besonders viele herzliche Kinder gebe. „Wir pflegen hier einen guten Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern, die Kollegen haben immer ein offenes Ohr, das Klima ist sehr gut.“
Ein anderes Resümee falle allerdings „traurig“ aus, bemängelt Porth. Der Sanierungsstau an der Schule sei sehr hoch, dies sei fast eine „Investitionsverweigerung“ der Stadt und Politik. Die Kinder an der Schule hätten mehr Wertschätzung verdient: „Es ist zu wenig, was hier getan wird. Unsere Kinder haben hier oft ihr zweites Zuhause, das viel auffängt. Sie brauchen eine Konstante“, ärgert sich der Pädagoge. Die Zusammenarbeit mit dem Schulamt habe allerdings immer bestens geklappt, mit einem Kuchen habe er sich kürzlich dort von den Mitarbeitenden verabschiedet.
Von den Kindern und der Schule sei ihm der Abschied auch nicht leicht gefallen – zu Konzerten oder auch mal zu einem Kaffee könne er sich eine Rückkehr zwar vorstellen, aber„ irgendwann müsse es auch mal gut sein, man muss gedanklich raus kommen“. Die nächsten drei Monate will Porth sich nun an den Ruhestand gewöhnen und seine Autorentätigkeit bei einem Schulbuchverlag verstärken, ehe er sich nach einem Ehrenamt umsieht. Eines sei aber jetzt schon ein großes Privileg: „Ich muss nicht mehr so früh aufstehen, bereits am ersten Tag habe ich bis halb neun geschlafen“, freut sich Porth.

