Ninnia Craß ist seit Januar im Amt – für Kinder und Familien etwas tun zu können, sei ihr Traumjob, so die 41-Jährige.
Kinder- und JugendschutzDas sind die Ziele und Pläne der neuen Jugendamtsleiterin in Frechen

Ninnia Craß leitet seit Januar den Fachdienst 5 für Kinder, Jugend und Familie der Stadt Frechen.
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Ninnia Craß formuliert ihr Ziel klar: Sie möchte den Jugendschutz in Frechen weiter verbessern. Dafür ist sie aus dem Landkreis Schaumburg in Niedersachsen in die Töpferstadt gewechselt und leitet seit Januar den Fachdienst für Kinder, Jugend und Familie. „Für Kinder und Familien etwas tun zu können, ist mein Traumjob“, sagt die 41-Jährige.
Craß ist ausgebildete Erzieherin, hat Soziale Arbeit und Erziehungswissenschaft studiert und seit 2018 Erfahrung in der Leitung von Jugendämtern. „Ich kenne die Praxis, aber ich gucke auch mit der wissenschaftlichen Brille drauf.“
Mit „wissenschaftlicher Brille“ meint sie vor allem die Wirkungsmessung, also die Frage: Welche Unterstützung ist die richtige für das Kind, für die Familie? Dies war bereits ein Schwerpunkt während ihres Studiums. Bundesweite Studien zeigten, dass sich etwa 30 Prozent der ausgewählten Hilfen im Nachhinein als gar nicht so geeignet für die betreffende Person oder Familie herausstellten, sagt Craß.
Frechen: 14 Millionen Euro für 811 Hilfen in 2024
Da der Bedarf an Unterstützung auch in Frechen wachse, gerade nach der Coronapandemie, sei es umso wichtiger, die Ressourcen klug einzusetzen. 2025 wurden in Frechen 870 ambulante und stationäre Hilfen für Kinder und Jugendliche geleistet. Das waren 59 beziehungsweise über 7 Prozent mehr als 2024 (811). „Das ist eine starke Erhöhung, auch im Vergleich zum Bundesdurchschnitt“, sagt Craß. „Aber das heißt für mich erstmal: Toll, dass in Frechen so viel getan wird, damit junge Menschen geschützt und unterstützt werden.“
Besonders gewachsen ist der Bedarf an Eingliederungshilfen. Sie greifen, wenn junge Menschen eine seelische Behinderung haben oder entwickeln könnten. Die Kinder erhalten dann oft eine Schulbegleitung. 2025 wurden 226 Eingliederungshilfen bewilligt, 2024 waren es noch 176. 2024 hat die Stadt Frechen für die insgesamt 811 Hilfen 14 Millionen Euro ausgegeben – „eine gute Investition in die Zukunft“, sagt Craß.
Kinder- und Jugendschutz sind für mich nicht verhandelbar
Die Jugendamtsleiterin möchte die Prävention ausbauen, damit teure Einzelfallmaßnahmen erst gar nicht nötig werden, und die Jugendbeteiligung stärken, um bedarfsgenauer unterstützen zu können. Und es sei wichtig, „digitaler“ zu werden: Nicht alle Fachkräfte seien mit Tablets ausgestattet, so dass es Doppelarbeit und noch viel Papier gebe. „Die Zeit, die wir hier sparen können, können wir dann für Familien einsetzen.“
Die Vernetzung der Akteure ist ihr wichtig. Die 41-Jährige hat deshalb derzeit viele Besprechungen, in den nächsten Monaten möchte sie jede Kita und alle Partner der Jugend- und Familienhilfe besuchen und sich vorstellen. „Ich schaue mir alles an, ich höre den Fachkräften zu“, sagt Craß. „Ich möchte nicht von meinem Büro aus einfach etwas entscheiden.“
Dass Frechen im vorläufigen Haushalt gebunden sein wird und freiwillige Leistungen auf der Streichliste stehen, schreckt Craß nicht. „Kinder- und Jugendschutz sind für mich nicht verhandelbar. Klar, wir müssen effizienter und effektiver werden, aber das bekommt man durch gute Dinge hin: durch stärkere Vernetzung und kluges Priorisieren.“ Die Stadt sei verpflichtet, Jugendlichen gute Angebote zu machen. Dazu zählen für Craß auch die Stadtranderholung oder das Jugendzentrum. „Es ist meine Aufgabe und die der Fachleute, starke Argumente in die Gremien einzubringen.“
Zur Person
Ninnia Craß leitet seit Januar 2026 den Fachdienst 5 für Kinder, Jugend und Familie der Stadt Frechen. In dem Bereich arbeiten laut Craß rund 310 der über 900 Beschäftigten der Stadt.
Die 41-Jährige wuchs in Rüdesheim auf und hat Soziale Arbeit und Erziehungswissenschaft studiert. Seit 2018 leitete sie Jugendämter in Hildesheim, des Main-Kinzig-Kreises und zuletzt des Landkreises Schaumburg in Niedersachsen. Craß wuchs in Rüdesheim auf. Sie ist wohnt nun mit ihrem Lebenspartner und der gemeinsamen vierjährigen Tochter in Frechen.

