Abo

Nicht lesbarDigitaler Fahrplananzeiger am Hürther Rathaus zeigt teilweise zur Wand

3 min
Das Foto zeigt eine Passantin vor der elektronischen Fahrplan-Stele am Rathaus.

Die digitale Fahrplan-Stele steht am Rathaus so dicht vor der Wand, dass man den Monitor auf der Rückseite nicht ablesen kann.

Eine 18.000 Euro teure Fahrgastinfo-Stele steht so, dass einer der Bildschirme nur die Wand beleuchtet. Laut Stadt ist das kein Versehen.

Zwei Bildschirme, aber nur einer ist wirklich zu sehen: Der neue digitale Fahrplananzeiger für den Nahverkehr vor dem Hürther Rathaus sorgt bei Passanten für Stirnrunzeln. Denn die Stele steht so dicht an einem Betonpfeiler, dass der rückwärtige Monitor praktisch nutzlos ist und vor allem die Betonwand dahinter beleuchtet. Ein Versehen sei das nicht, so die Stadt. Der Standort sei gezielt ausgewählt worden.

Seit Anfang 2025 stellen Stadtwerke und Regionalverkehr Köln, die beim Betrieb der Hürther Stadtbusse kooperieren, die Fahrgastinformation auf digitale Anzeigen um. An den Haltestellenmasten ersetzen etwa DIN-A4-große E-Paper-Displays die bisherigen Papierfahrpläne. Per Knopfdruck können Fahrgäste dort Ankunfts- und Abfahrtszeiten sowie weitere Informationen wie Verspätungen und Tarifinformationen abrufen.

Hürth: Stadt und Stadtwerke haben mehrere Standorte geprüft

Zum Projekt „Digitale Haltestelle“ gehören außerdem vier große Anzeigetafeln unter dem Dach des Busbahnhofs sowie sechs doppelseitige Übersichtsanzeiger an stark frequentierten Knotenpunkten – darunter auch die Stele am Rathaus. Die Stele dort – Kostenpunkt: knapp 18.000 Euro – sei bewusst an ihrem jetzigen Standort aufgestellt worden, teilt die Stadt auf Nachfrage mit.

Das Foto zeigt die Stele vor der Wand am Rathaus.

Einer der beiden Monitore ist nicht ablesbar und beleuchtet praktisch nur die Wand.

„Der Standort bietet den Vorteil, dass die Bürgerinnen und Bürger beim Verlassen des Rathauses mit Abfahrtsinformationen des ÖPNV versorgt werden, also genau da, wo sie diese benötigen“, so eine Sprecherin von Stadt und Stadtwerken. Zudem habe sich dort mit vergleichsweise geringem Aufwand eine dauerhafte Stromversorgung einrichten lassen. Das Gebäudemanagement habe gemeinsam mit den Stadtwerken auch andere Standorte geprüft, aber aus Platzgründen wieder verworfen.

Die Rückseite besitzt aktuell keinen relevanten Mehrwert
Eine Sprecherin der Stadt Hürth

Warum kein möglicherweise kostengünstigeres Modell mit nur einem Bildschirm gewählt wurde, erklärt die Stadt mit Effizienzgründen. Man habe sich im Projekt bewusst auf jeweils einen einheitlichen Typ von Displays und Stelen beschränkt, das biete Vorteile bei Wartung und Betrieb. Eine Drehung der Stele um 90 Grad wäre zwar möglich gewesen, dann würde der Bildschirm jedoch nicht mehr direkt im Blickfeld der Besucher liegen.

„Der direkte Frontalblick sorgt beim Verlassen des Rathauses für schnelle Orientierung, während der einheitliche Stelen-Typ Wartungs- und Betriebsvorteile bietet“, so die Sprecherin. Sie räumt ein: „Die Rückseite besitzt aktuell keinen relevanten Mehrwert.“ Eine Versetzung der Stele sei dennoch nicht geplant.

Hürth: Projekt „Digitale Haltestelle“ ist fast abgeschlossen

Unterdessen ist das Projekt „Digitale Haltestelle“ weitgehend abgeschlossen. Nach Auskunft der Stadt wurden inzwischen 210 digitale Fahrplananzeiger an fast allen Haltestellenmasten montiert. Die anthrazitfarbenen Geräte verfügen über ein energieeffizientes Schwarz-Weiß-Display, ähnlich dem von E-Book-Readern, sowie vier Tasten, mit denen Fahrgäste durch die Informationsseiten blättern können. Strom bekommen sie von kleinen Solarmodulen.

Nur an wenigen Haltestellen fehlen die Displays noch, außerdem sollen noch drei Übersichtsanzeiger installiert werden. Die Stadtwerke erklären das mit Lieferverzögerungen. Insgesamt werden knapp 1,8 Millionen Euro für das Projekt investiert, davon 90 Prozent aus Fördermitteln.

Unterdessen sind die Abstimmungsprobleme zwischen Stadtwerken und RVK nach Angaben der Verwaltungssprecherin behoben, die zunächst verhindert hatten, dass aktuelle Fahrplanänderungen auf den Displays angezeigt werden konnten. Im vergangenen Sommer hatte das bei vielen Fahrgästen für Frust gesorgt: Trotz digitaler Anzeigen fehlten Informationen über etliche Busverbindungen, die wegen Personalmangels ausfielen.