Ellenlange Staus sind in Siegburg an der Tagesordnung, Grund sind immer wieder Baustellen, die sich über die Stadtgrenzen hinaus kaum koordinieren lassen. In der Stadt selbst ist Besserung in Aussicht.
Staus in der KreisstadtDie wirklich großen Baustellen in Siegburg kommen erst noch

Ab Januar wird der Kreisverkehr gebaut: Blick vom Kreishaus auf den Kaiser-Wilhelm-Platz vor dem Kreishaus.
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Nach einem langen Arbeitstag schnell nach Hause zu kommen, es noch zu einem späten Geschäftstermin am frühen Abend zu schaffen, das ist in Siegburg immer wieder schwierig bis unmöglich. Auf der Frankfurter Straße stehen Autofahrer im Stau, auf der B 56, auf der Wolsdorfer Straße und, schon notorisch, im Mühlenviertel, aus dem es zur Rush Hour kaum ein Entkommen gibt. Keineswegs neu ist da die Empfehlung, es würde allen helfen, auf den ÖPNV auszuweichen. Doch was tun, wenn dann auch noch die Linie 66 ausfällt? Reizvoll ist der Schienenersatzverkehr nicht, zumal auch die Busse immer wieder im Stau stecken bleiben.
Die Kreisstadt mit ihren seit dem Mittelalter gewachsenen Strukturen und engen Straßen ist heute hochfrequentierte Einkaufstadt mit vielen Firmen- und Verwaltungssitzungen und gar einem ICE-Bahnhof – und doch ist sie die Stadt mit der kleinsten Fläche im Kreisgebiet und kommt verkehrstechnisch schnell an ihre Grenzen. Mit schöner Regelmäßigkeit in der Adventszeit, wenn der mittelalterliche Markt lockt.
Etliche Unwägbarkeiten
Im Rathaus können der Technische Beigeordnete Stephan Marks und Oguz Cekin, Leiter des Amts für Mobilität und Infrastruktur, ein Lied vom notorischen Stau singen, insbesondere von den Beschwerden, die in der Stadtverwaltung auflaufen. Eine Frage drängt sich auf: Wer koordiniert eigentlich die vielen Baumaßnahmen auf Straße und Schiene, im Auftrag von Bund, Land und Kommunen? Die Antworten fallen ernüchternd aus. Schon bei der Planung innerhalb der Stadtgrenzen tauchen etliche Unwägbarkeiten auf.

Öffentliche Straßenbauvorhaben ab 2027
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Bekannt ist, dass in Siegburg schnell ein Verkehrschaos ausbricht, wenn es auf einer der umliegenden Autobahnen oder der B56 einen Unfall und kilometerlange Staus gibt. Baumaßahmen auf den Autobahnen werden der Stadt schlicht mitgeteilt, und das war es dann auch schon. Ähnliches gilt für SWB und Deutsche Bahn.
Feuerwehr kann Veto einlegen
Umso wichtiger, wenn auch kaum von der Öffentlichkeit bemerkt, sind Feinoptimierungen: etwa, wenn die verkehrsabhängige Ampel an der Siegfeldstraße nachjustiert wird, um den Verkehr Richtung Kaiser-Wilhelm-Platz effektiv zu beeinflussen oder wenn eine Baustellenampel auf Blinklicht umgestellt wird, um mehr Autos passieren zu lassen. Bedacht werden müssen private Baumaßnahmen, beispielsweise, wenn von einem Kanalanschluss der Fortgang eines Hochbaus abhängt. Cekin: „Wir koordinieren auch das.“
„Wir achten darauf, dass eine Baumaßnahme in die gesamten Verkaufsabläufe passt“, erläutert der Amtsleiter, „wir haben Parameter vorbereitet, die für eine Priorisierung wichtig sind.“ Kanalbautechnische Zwänge werden berücksichtigt; Erreichbarkeiten für die Feuerwehr müssen gewährleistet sein, die je nachdem sogar ein Veto einlegen kann. Wenn möglich, werden Arbeiten in die Ferienzeiten verlegt.

Baustellenplanung für Siegburg: Der Technische Beigeordnete Stephan Marks und Oguz Cekin, Leiter des Amts für Mobilität und Infrastruktur
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Cekin hat Verständnis für genervte Verkehrsteilnehmer, sagt aber auch: „Wo gehobelt wird, fallen Späne.“ Dass jetzt forciert so viel gebaut wurde und wird, an Aggerstraße, Heinrichstraße, Wahnbachtalstraße und Frankfurter Straße etwa, hat den Hintergrund, dass ab 2027 weit größere Vorhaben noch anstehen; vor allem der Bau des Kreisverkehrs am Kaiser-Wilhelm-Platz, die Zeithstraße, die auf 1,5 Kilometern erneuert wird, und die Sanierung der Holzgasse.
Bis 2027 möglichst vieles wegschaufeln
„Bis 2027 möchten wir möglichst vieles wegschaufeln“, so Cekin. So etwa den kleinen Kreisverkehr, der vor der neuen Mehrfachturnhalle an der Wilhelmstraße in eine T-Kreuzung umgebaut wird, wozu in den Sommerferien eine Vollsperrung nötig wird. Beachtet werden muss auch, welches Personal gerade in der Verwaltung verfügbar ist. „Für die Holzgasse werden wir eine Außenstelle mit einem Büro einrichten, da werden täglich Fragen kommen“, so Marks. Besonders wichtig sei, dass die Geschäfte erreichbar bleiben. Um später die richtigen Bauabschnitte für die Erneuerung der Zeithstraße einzurichten, beauftragt die Verwaltung ein Fachbüro.
Für die Straßenarbeiten an der Zeithstraße, der Brückbergstraße/Kastanienstraße und Dammstraße hat Cekin schon im Blick, über welche Wege der Ausweichverkehr fließen muss. Diese Straßen werden in den fraglichen Zeiten baustellenfrei bleiben – zumindest, was öffentliche Vorhaben angeht. Und irgendwann sollten dann die Autofahrer auch aufatmen können.
Schließlich baue man ja nicht, um jemanden zu verärgern, sondern damit der Verkehr eines Tags besser fließt. Dazu dient gerade der Kreisverkehr am Kaiser-Wilhelm-Platz, für den die Stadt aufwendige Simulationen in Auftrag gab, die Verbesserungen in Aussicht stellen. Auch der neue Kreisel an der Frankfurter Straße/Wahnbachtalstraße dürfte sich postiv bemerkbar machen.
Dass derzeit so viele einschneidende Maßnahmen anstehen, ist nach Ansicht von Marks kein Zufall. In Siegburg, wie in der ganzen Bundesrepublik, mache sich jetzt bemerkbar, dass jahrzehntelang zu wenig in die Infrastruktur investiert wurde.
