Nach einem Jahr zieht die Stadtbücherei Bad Honnef aus ihrem „Exil“ zurück ins Rathaus. Die Bibliothek ist auf dem Weg zum „Dritten Ort“.
Nach SanierungBücherei-Team zieht mit 15.000 Medien zurück ins Bad Honnefer Rathaus

Heller als früher, frisch saniert und mit neuen Regalen ausgestattet: Die Stadtbücherei zieht gerade in ihre angestammten Räume im Bad Honnefer Rathaus zurück.
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Eine Leiter lehnte an der Wand neben dem Tresen, übereinander gestapelte Stühle standen neben dem Eingang, auf einer Plastikkiste klebte ein Zettel „Bücher zur Reparatur“. Auf einen Monitor daneben hatte jemand die Notiz „Theke 1 noch nicht installiert“ geheftet und auf kleinen Tischen warteten Bücher darauf, in die Regale eingeordnet zu werden.
Insgesamt rund 12.300 Medien – Bücher, CDs, DVDs – räumten ehrenamtliche Helfer und Bücherleiterin Stephanie Eichhorn in dieser Woche aus Kisten in die neuen Regale. Die stehen in den „neuen alten“ Räumen der Stadtbibliothek im Rathaus: Nach einem Jahr Umbau und der Auslagerung der Bücherei in die Arboretumpassage kehrt die Bücherei zurück in ihr Stammdomizil.
Bad Honnefer Stadtbücherei hat rund 15.100 Medien im Bestand
„Wir freuen uns“, sagte Stephanie Eichhorn bei einem Besuch der Redaktion dieser Zeitung in der Bücherei. Noch ein paar Tage waren es zu diesem Zeitpunkt bis zum Start des Betriebs am nächsten Mittwoch. Von den rund 15.100 Medien, über die die Bibliothek verfügt (hinzukommen 31.600 digitale Medien über die Rhein-Sieg-Onleihe), waren zum Zeitpunkt des Umzugs rund ein Fünftel gerade ausgeliehen.

Die Ehrenamtlerin Petra Sabogal sortiert Bücher.
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Seit Jahren wird das Rathaus der Stadt Bad Honnef für viele Millionen Euro nach und nach saniert. Vor rund einem Jahr kamen die Räume der Bücherei an die Reihe, die dafür ins Exil musste. Man habe sich nicht vergrößern können, berichtete Stephanie Eichhorn. Aber man habe die Chance genutzt, neue Bücherregale angeschafft – ein 98.000-Euro-Zuschuss des Landes NRW machte es möglich – und die ganze Einrichtung anders gestellt.
Bad Honnefer Stadtbibliothek: Konzept für den „Dritten Ort“
Über drei Ebenen reicht die Bibliothek, die durch den Umbau heller und lichter ist, nachdem unter anderem Fenster ausgetauscht worden sind. Das Erdgeschoss ist durch einen neuen Eingang mit Windfang barrierefrei erreichbar. Auf der Empore wurden jetzt, anders als früher, auch Bücher untergebracht. Der untere Bereich ist vor allem für die Kinder gedacht und entsprechend ausgestattet.
Ein wenig stolz ist die Büchereileiterin auf eine kleine „Lounge“, eine Sitzecke mit blauem Sofa, roten Sesseln und kleinen Tischen. Eine offene Küche mit Kaffeeautomat wird ganz in der Nähe noch eingerichtet. Man wolle „mehr Aufenthaltsqualität“ schaffen, sagte Stephanie Eichhorn. Hintergrund ist das Konzept für den „Dritten Ort“, zu dem sich Bibliotheken in Zeiten der Digitalisierung verstärkt entwickeln wollen.
„Erster Ort“ ist demnach das Zuhause, „Zweiter Ort“ der Arbeitsplatz. „Wir sind auf einem guten Weg“, berichtete die Bücherleiterin. Dass die Einrichtung künftig klimatisiert ist, könnte ihre Attraktivität in heißen Sommern noch erhöhen.
Kostenlose Ausleihe für Kinder und Jugendliche
Eichhorn zählte im Jahr 2025 genau 40.814 Besuche in der Einrichtung, die Zahl der Ausleihen stieg um fast fünf Prozent auf 52.479. „Wir sind auch ein Frequenzbringer für den Rathausplatz“, der in den nächsten Jahren umgestaltet werden soll. Gemanagt wird die Bibliothek von Stephanie Eichhorn, einer Sachbearbeitung (halbe Stelle) sowie von rund 20 Ehrenamtlern, die vor allem am Tresen im Einsatz sind.
Ohne sie würde gar nichts laufen.
„Ohne sie würde gar nichts laufen“, betonte die Büchereileiterin und hob auch die Rolle des Fördervereins bei der Beschaffung neuer Medien und der Organisation von Veranstaltungen hervor. Für Kinder und Jugendliche ist die Ausleihe kostenlos, Erwachsene zahlen 18 Euro im Jahr.
Viele Hörbücher hat die Bibliothek auf CD, Filme auf DVD. „Das wird weniger werden“, sagte Stephanie Eichhorn mit Blick auf zunehmendes digitales Lesen und Hören und die Streamingangebote. Sie habe, berichtete die Leiterin, bei Führungen schon erlebt, dass Kinder nicht wussten, wofür die silbernen Scheiben wohl gut sind. Da passt es, dass auch rund 130 Toni-Figuren zum Bestand der Bibliothek gehören. Und die sind – im Verhältnis etwa zum Jahresbeitrag der Erwachsenen — vergleichsweise teuer.


