Wegen Raubes und gefährlicher Körperverletzung ist ein 26-Jähriger in Bonn zu einer Haftstrafe veruteilt worden. Er hatte es auf teure Uhren abgesehen.
Landgericht BonnMehr als sieben Jahre Haft für Überfall auf einen Rolex-Verkäufer in Bad Honnef

Das Landgericht in Bonn.
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Die beiden Männer hatten erhebliche Schulden. Der eine, 26 Jahre alt, bei seinen Kokain-Dealern, der andere, zwei Jahre jünger, weil er einen Verkehrsunfall verursacht hatte und den Schaden abbezahlen musste. In dieser Situation bekam der Rauschgiftsüchtige ein Angebot, zu dem er offenbar nicht Nein sagen wollte:
Seine Gläubiger schlugen ihm vor, das ausstehende Geld durch gezielte Raubüberfälle auf Uhrenverkäufer, davon einer in Bad Honnef, herbeizuschaffen. Weil er einmal zu viel genickt hatte, wurde der 26-Jährige jetzt schwer bestraft: Die 11. Große Strafkammer des Bonner Landgerichts verurteilte ihn wegen schweren Raubes, versuchten Raubes und gefährlicher Körperverletzung zu siebeneinhalb Jahren Haft.
Der Angeklagte hatte mehrere 10.000 Euro Schulden
Der 24-jährige Mitangeklagte kam mit einem Freispruch davon. Der Ältere, der zuletzt in Alfter wohnte, hatte eine „erhebliche Suchtkarriere“ hinter sich, bevor er zum Räuber wurde, so das Gericht. Er brauchte pro Tag zwei Flaschen Wodka und bis zu zwölf Gramm Kokain, für die er 60 bis 80 Euro je Gramm zahlte. Seine Schulden summierten sich daher auf mehrere 10.000 Euro.
Der Deal, den ihm die Geldverleiher aufzwangen, ging nach den Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden so: Sie würden die Kontakte zu Rolex-Verkäufern, die ihre Edel-Uhren über ein Kleinanzeigen-Portal im Internet anboten, herstellen, er sollte als Interessent auftreten und ihnen die Ware beim Verkaufsgespräch entreißen.
Fahrer (24) war über die Hintergründe angeblich nicht eingeweiht
Das erste Treffen mit einem Rolex-Sammler fand am 22. Januar 2025 in Düsseldorf statt. Für die Fahrt in die Landeshauptstadt heuerte der Frontmann einen Bekannten, den mitangeklagten 24-Jährigen, an. Mit in dessen Auto saßen zwei bislang unbekannte Abgesandte der Gläubiger. In Düsseldorf traf der 26-Jährige den Uhren-Anbieter in einem Café, gaukelte ihm vor, er wolle die knapp 27.000 Euro teure Rolex seinem Vater zum Geburtstag schenken, ging dann mit ihm nach draußen, um sich das gute Stück näher anzusehen, sprühte ihm dabei Pfefferspray ins Gesicht, raubte die Armbanduhr und rannte zurück zum Auto.
Der Fahrer, der über die Hintergründe angeblich nicht eingeweiht worden war, wunderte sich zwar, dass sein Bekannter ein wenig außer Puste war, stellte aber keine Fragen. Das Opfer hatte noch Glück: Seine Versicherung ersetzte den Schaden komplett.
Drei Tage später, am 25. Januar 2025, fand nach Überzeugung des Gerichts das nächste Treffen mit einem Rolex-Verkäufer statt, diesmal in einem Einfamilienhaus in Bad Honnef. Um 20.10 Uhr klingelte der mutmaßliche Interessent, während die anderen Beteiligten, darunter wieder die zwei Aufpasser der Gläubiger, im Auto warteten.
Als der Honnefer ihm die Rolex im Wert von 13.900 Euro zur Begutachtung übergab, zog der Angeklagte nach den Ermittlungen der Polizei wieder das Pfefferspray und schlug den Verkäufer gleichzeitig ins Gesicht. Der Räuber rannte mit der Beute weg, das Opfer setzte ihm nach und brachte ihn zu Boden; dabei verlor er die Uhr, sprühte aber noch einmal Pfefferspray, stieß die herbeigeeilte Ehefrau des Honnefers um und lief dann ohne Rolex davon. Als Honorar für die Räuberdienste erließen ihm die Hintermänner 7700 Euro, während der Chauffeur mit 385 Euro abgespeist wurde.
Die beiden Männer legten im Prozess ein Geständnis ab
Beide Männer legten im Prozess Geständnisse abIm Prozess vor dem Bonner Landgericht legten beide Angeklagten Geständnisse ab. Der 24-Jährige war nach Ansicht der Kammer „zu unerfahren und zu naiv“, um zu merken, in welche Raubgeschichte er hineingezogen worden war. Deshalb wurde er freigesprochen. Der Ältere erhielt eine Gesamtstrafe von siebeneinhalb Jahren, in die ein Urteil des Landgerichts Koblenz vom August 2022 mit einbezogen wurde; es hatte ihn wegen bewaffneten Drogenhandels zu drei Jahren Haft verurteilt. Er muss nun drei Jahre im Gefängnis bleiben, danach kann er in eine Entzugsklinik wechseln.

