Mit zwölf Musikern begann 1951 die Geschichte des Siegtaler Bläsercorps Dattenfeld.
JubiläumskonzertBläsercorps feiert 75-jähriges Bestehen in Windeck

Zum Jubiläum gibt’s vom Siegtaler Bläsercorps ordentlich was auf die Ohren.
Copyright: Sylvia Schmidt
„Die ersten lautstarken Tonübungen probierten wir in Ermangelung eines Proberaums, zur allgemeinen ‚Freude‘ der Nachbarn, in der Wohnung von Kapellmeister Roth“, beschrieb der Verfasser der ersten Chronik die frühen Gehversuche des Siegtaler Bläsercorps (SBC). Zwölf ungeübte junge Männer der Choralschola des Dattenfelder Kirchenchores von St. Laurentius folgten 1951 begeistert dem Aufruf von Organist Josef Roth, eine Musikkapelle zu gründen, die bei kirchlichen Feiern unterstützen sollte. Seit Oktober 1952 trägt das Ensemble den heutigen Namen.
Seit Monaten laufen die Proben in Windeck
75 Jahre später laufen im Dattenfelder Jugendheim der Katholischen Kirche die letzten Konzertproben. Seit Monaten bereiten sich die dreißig Mitglieder auf das große Jubiläumskonzert des SBC am kommenden Samstag, 25. April, vor. „There's No Business Like Showbusiness“, ist das Motto des modernen Programms, Dirigent Marco Lichtenthäler lässt drei Generationen Musikanten zu Hochform auflaufen lässt. Lars Wahler (zwölf Jahre) und Juna Wehner (14) haben schon den Sprung geschafft, beim Jubiläumskonzert im großen Orchester mitspielen zu dürfen.

Dirigent Marco Lichtenthäler mit den Sängern Steffen Labuda und Annika Stiemert-Saager.
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Hoch konzentriert wird seit Stunden gearbeitet. „Die Effizienz der Proben ist phänomenal, das habe ich vorher nie irgendwo erlebt, unser Dirigent schafft es, ein Stück in einer Probe fast aufführungsreif mit uns einzustudieren“, schwärmt Hans-Peter Knoop. Der 70 Jahre alte erfahrene Trompeter ist der Geschäftsführer des Bläsercorps und erzählt weiter: „Er hat eine genaue Vorstellung, wie es klingen soll und kann das auch vermitteln. Er hört kleinste Details und ist streng mit uns.“
Er hat eine genaue Vorstellung, wie es klingen soll und kann das auch vermitteln. Er hört kleinste Details und ist streng mit uns.
Das Ergebnis kann sich hören lassen, nicht umsonst ist der 42-jährige Lichtenthäler bereits seit Jahren Landesmusikdirektor im Landesmusikverband Rheinland-Pfalz. Er hat in Wissen/Sieg die Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen Bigband, vorwiegend bestehend aus Profimusikern, gegründet. Deren Sänger Steffen Labuda und Annika Stiemert-Saager vom SBC übernehmen beim Jubiläumskonzert Gesangsparts. Deutsche Hits der 80er Jahre, Rock, Pop von Bon Jovi und Robbie Williams werden ebenso zu hören sein wie Filmmusiken.
Der älteste Mitspieler ist 90 Jahre alt
Gegen Mittag kommt Werner Gansauer, der älteste Mitspieler dazu. Nach einem Sturz kann er die Hand noch nicht genügend bewegen. Wenige Tage zuvor ist er 90 Jahre alt geworden und lässt sich nun musikalisch mitten in der Runde sitzend vom Orchester feiern, bevor er selbst zum Taktstock greift und Swing in den Hüften beweist. Seit 72 Jahren spielt er Posaune. „Mir geht das Herz auf, wenn ich spielen kann, ich spiele auch die modernen Sachen mit.“

Das Siegtaler Bläsercorps in den frühen Jahren mit Josef Roth, Dirigent von 1951 bis 1961. Erst 1972 wurden weibliche Mitglieder zugelassen.
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Lediglich vier Dirigenten haben in all den Jahren den Taktstock beim SBC geschwungen. Gründungsvater Josef Roth war gelernter Tischler. Die Liebe zur Musik brachte ihn aber dazu, drei Jahre an der Rheinischen Musikschule zu studieren. 1935 kam er mit 32 Jahren als Küster und Organist von St. Laurentius nach Dattenfeld. Er bildete persönlich 1951 die zwölf Schola-Sänger an Blasinstrumenten aus. Instrumente, die erst einmal „auf Pump“ angeschafft wurden.
Um überhaupt einheitliches Kleidungsstück bei Konzerten zu tragen, begnügten sich die Aktiven mit weißen Kappen. 1956 konnten mit tiefem Griff in die Tasche 26 Uniformen mit, so die Vereinschronik, „leicht militärischem Schnitt“ für die gestiegene Zahl der Mitspieler angeschafft werden. 1961 übernahm der Allround-Musiker Walter Merkel für 33 Jahre erfolgreich das Dirigat. Er führte eine Egerland-Besetzung und wenig später eine Tanzbesetzung ein. Somit hatte das Corps drei Standbeine.
Seit 1972 spielen auch Frauen mit im Bläsercorps
Erst seit Anfang der 1970er Jahre gehören auch Frauen dem Bläsercorps an. Zuvor hatten mehrere Musiker den Verein verlassen, sodass verstärkt um Nachwuchs geworben werden musste. Die„ jungen Damen“ halfen laut Chronik, „die entstandenen Lücken zu schließen“. 1972 stimmt eine Generalversammlung dafür, auch weibliche Mitglieder zuzulassen. Inzwischen hat das Stammorchester mehr als 40 Mitglieder.
Die Siegtaler Bläser sind bis heute bei Feiern und Festen gefragt. Seit über 30 Jahren führen sie in den Uniformen der Blauen Funken-Artillerie von 1870 den weltberühmten Kölner Rosenmontagszug an. Mit Hans-Günther Schröder, der 1994 die Leitung übernahm, wurden neue Akzente gesetzt. Aktuelle Kompositionen sorgten für einen bemerkenswerten Zugang jugendlicher Musikschüler, ein Jugendorchester wurde gebildet. Dort musizieren zusätzlich 15 Jugendliche.
Als Hans-Günther Schröder 2018 unerwartet mit nur 54 Jahren verstarb, gelang es den hochkarätigen Nachfolger Marco Lichtenthäler zu gewinnen und der sagt: „Mir macht es Spaß, denn das SBC zieht mit und ist bereit, über den Tellerrand zu schauen.“
Das Jubiläumskonzert beginnt am Samstag, 25. April 2026, um 18:30 Uhr im Dorfhaus in Windeck-Hurst, Auf dem Kamm 7. Telefonische Kartenbestellung unter 0157-37 631 000.

